POLITIK
05/07/2015 12:08 CEST | Aktualisiert 05/07/2015 12:49 CEST

Pfeifkonzert bei AfD-Parteitag: Der Absturz des Bernd L.

Man könnte es durchaus einen Umbruch nennen, was da an diesem Wochenende in Essen passiert ist. Wenn man es in einem Satz zusammenfassen müsste, was auf dem AfD-Parteitag los war, dann wohl so: Der rechte Flügel hat gewonnen.

Frauke Petry hatte bei der Wahl zur Ersten Vorsitzenden am Samstag knapp 60 Prozent der Stimmen erhalten. Für ihren Rivalen, den liberal-konservativen Parteigründer Bernd Lucke, stimmten nur rund 38 Prozent der insgesamt 3428 Teilnehmer. Auch die anderen Vorstandsposten gingen mehrheitlich an rechte und nationalkonservative Mitglieder.

Skurril ist, was sich dann beim zweiten Teil des Parteitages am Sonntag abspielte.

  • Lucke drohte nach seiner Niederlage mit dem Austritt aus der Alternative für Deutschland (AfD). "Die Partei hat sich ganz grundsätzlich verändert", klagte er. Entsetzt zeigte sich der gläubige Protestant über "islamfeindliche Äußerungen" Petrys und über AfD-Mitglieder, die auf dem Podium von einer "Invasion von Asylanten" sprachen.

Die Gründung einer eigenen Partei wollten Lucke und seine Anhänger nicht ausschließen. "Eine Entscheidung darüber haben wir aber noch nicht getroffen", sagte Lucke der "Deutschen Presse-Agentur".

Der Machtkampf wurde bereits seit einem halben Jahr erbittert geführt. Lucke warf der sächsischen Fraktionsvorsitzenden Petry vor, sich zu wenig nach Rechtsaußen abzugrenzen. Petry hielt ihm ihrerseits eine Verengung auf Wirtschaftsthemen vor.

Nach ihrer Wahl sagte die 40-Jährige: "Natürlich müssen wir uns auch nach rechts abgrenzen." Gleichzeitig wehrte sie sich aber gegen Versuche der Lucke-Anhänger, ihr "das Etikett rechts aufzukleben".

Von den Mitgliedern anderer Parteien wurde das Ergebnis allerdings als klarer Rechtsruck interpretiert:

  • Die rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner sagte der "Bild am Sonntag": "Die AfD wird sich selbst erledigen. Sie ist ein zerstrittener Haufen von Europagegnern und Rechtspopulisten."

  • Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Petry macht AfD zur Pegida-Partei."

  • Linken-Parteichef Bernd Riexinger schrieb ebenfalls bei Twitter: "Schlimmer geht immer."

Die Stimmung während des zweitägigen Parteitags war extrem gespannt. Am Samstag wurde Lucke in dem überhitzten Saal von Mitgliedern mit Buh-Rufen und Pfeifkonzerten empfangen. Am Sonntag kam es zu Gedränge und Gejohle in der Halle, als das falsche Gerücht die Runde machte, Lucke sei bereits ausgetreten.

In einem zweiten Wahlgang wählten die Mitglieder den Volkswirtschafts-Professor Jörg Meuthen zum Zweiten Vorsitzenden. Der stellvertretende baden-württembergische Landeschef vertritt inhaltlich eher Positionen des liberalen Flügels. Laut Satzung wird er die Partei bis zur Verabschiedung des Parteiprogramms - geplant Ende 2015 - mit Petry gemeinsam führen und dann automatisch einer ihrer vier Stellvertreter werden.

Der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland, die konservative Europaparlamentarierin Beatrix von Storch und Albrecht Glaser aus dem Führungstrio der AfD in Hessen wurden zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Lucke hatte sich nach seiner Niederlage gegen Petry nicht mehr um einen anderen Posten beworben. Er sagte im Gespräch mit Anhängern, Petry sei zwar mehr an Macht interessiert als an rechtem Gedankengut. Es werde ihr aber wahrscheinlich auf Dauer nicht gelingen, den Einfluss der Mitglieder vom rechten Rand einzudämmen.

Der Bundessprecher des in Essen gegründeten AfD-Beirats Migration und Integration, Aslan Basibüyük aus Rheinland-Pfalz, zeigte sich entsetzt über die Redebeiträge einiger Parteikollegen. Er sagte: "Ich war wirklich schockiert, dass wir so einen Pöbel in der AfD haben."

Mit Material von dpa

Hier geht es zurück zur Startseite

Lesen Sie auch:


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Auch auf Huffpost:

Video: Unterhaltsam und aufschlussreich: Diese Grafiken lassen Pegida ziemlich blöd aussehen