POLITIK
04/07/2015 16:24 CEST | Aktualisiert 04/07/2015 16:25 CEST

Ausnahmezustand nach dem Terror in Tunesien: "Wir befinden uns im Krieg"

DPA

Tunesien befindet sich nach dem Terror-Anschlag im Chaos. Der 88-jährige Staatschef Béji Caïd Essebsi richtet sich am Samstagabend in einer 25-minütigen Fernsehansprache an sein Volk.

"Wir sind in großer Gefahr", sagt er. "Wir befinden uns im Kriegszustand." Die zunächst für 30 Tage geplante Maßnahme soll nun die Sicherheit zurückbringen. Denn Tunesien sei nur einen Anschlag vom Kollaps entfernt.

Viele Tunesier hatten zuvor diesen Schritt gefordert - um den Terrorismus zu bekämpfen und in der Hoffnung, dass dies die Touristen zurückbringen werde.

Die Folgen - von dem immerhin rund 400 000 Menschen im Land leben - sind in der vergangenen Woche sehr deutlich geworden. Hoteliers aus Sousse meldeten einen Einbruch der Buchungen um rund 40 Prozent.

Mehrere Tausend Urlauber wurden ausgeflogen, angekommen sind laut Medienberichten nur wenige Dutzend. So verwies Essebsi in ausnahmezustand terror tunesienseiner Rede auch auf die schlimmer werdende Wirtschaftskrise.

Um die Tourismussaison noch zu retten, hat die Regierung kurzerhand die Ausreisesteuer für ausländische Gäste wieder abgeschafft. Diese war erst im Oktober 2014 in Kraft getreten und betrug 30 Tunesische Dinar (rund 13 Euro). Auch weitere Verbote werden derzeit diskutiert, wie etwa für das Tragen langer Bärte im Staatsdienst.

Doch helfen dürfte dies dem Land kaum. So scheint das Kalkül der Dschihadisten aufzugehen: Chaos stiften, die Wirtschaftskrise verschärfen, um der jungen Demokratie zu schaden.

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