WIRTSCHAFT
01/07/2015 06:30 CEST | Aktualisiert 01/07/2015 08:07 CEST

NRW-Landtag tischt Muslimen Fleisch auf, das sie gar nicht essen dürfen

NRW-Landtag tischt Muslimen Fleisch auf, das sie gar nicht essen dürfen
dpa
NRW-Landtag tischt Muslimen Fleisch auf, das sie gar nicht essen dürfen

Eigentlich war es eine gut gemeinte Idee, die die Präsidentin des nordrhein-westfälischen Landtages, Carina Gödecke, da hatte. Sie wollte das gegenseitige Verständnis zwischen Muslimen und Christen fördern. Also lud sie eine Gruppe von 250 Muslimen nach Düsseldorf in den Landtag ein. Zum Fastenbrechen, dem Iftar.

Zur Erinnerung: Gläubige Muslime begehen zur Zeit den Ramadan, ihre Fastenzeit. Das heißt: Zwischen Sonnenauf- und -untergang verzichten sie auf Essen und Trinken. Der Iftar danach ist da umso wichtiger.

Dieses Gemeinschaftserlebnis wollte Gödecke mit einigen Muslimen teilen.

Das Problem: Die Aktion ging komplett nach hinten los. Wie die "WAZ" jetzt berichtet, setzte der NRW-Landtag den Muslimen unter anderem Hühnerspieße und gebratenes Lammfleisch vor, das den muslimischen Speisevorschriften nicht entsprach, also nicht "halal" war.

Hintergrund: Muslime dürfen nur Fleisch von Tieren essen, das nach speziellen Vorschriften geschlachtet wurde, also geschächtet wurde. Tatsächlich ist es nicht leicht, in Deutschland solches Fleisch aufzutreiben, da Metzger dafür Ausnahmegenehmigungen brauchen. Oft wird es daher importiert.

Das Fleisch, das der NRW-Landtag auftischte, wurde den Anforderungen offenbar nicht gerecht. Eine Sprecherin des Parlaments sagte der WAZ:

„Wir bedauern das sehr. Es war ein Fehler in der Verwaltung und ganz bestimmt keine Absicht."

Sie bestätigte, dass es bereits 2013 zu einer solchen Verwechslung gekommen sei. Damals habe das Thema jedoch keine Aufregung erzeugt. Im vergangenen Jahr lernten die Veranstalter aus der ersten Panne. Das "Deutsch-türkische Journal" berichtet, das Fleisch von einem speziellen Metzger bezogen und extra als "Halal" gekennzeichnet worden.

Doch offenbar hat man das Gelernte wieder vergessen. Und diesmal war die Aufregung groß. Der Generalsekretär des Islamverbandes Ditib, Bekir Alboğa, der auch bei der Veranstaltung dabei war, sagte der Zeitung, die Panne habe für Irritation unter den Gästen gesorgt, weil der Fehler erst während des Essens aufgefallen sei. "Als es sich herumgesprochen hatte, dass es kein Halāl-Fleisch ist, haben viele aufgehört zu essen”, sagte Alboğa der WAZ.

Laut "Express" sprach Engin Olguner vom Deutsch-Türkischen Forum in der Union von „Schmach“, nicht nur von einem "Fauxpas".

Alboğa versuchte trotz der Aufregung zu beschwichtigen. Der Fehler keine böse Absicht gewesen. "Das ist natürlich sehr ärgerlich, aber es kann passieren", sagte er.


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