POLITIK
01/07/2015 13:35 CEST | Aktualisiert 02/07/2015 03:44 CEST

9 gravierende Probleme, die wir unterschätzen – weil wir nur nach Griechenland schauen

Klar, es ist derzeit wichtig, nach Griechenland zu schauen. Wenn sich das Land nicht mit den Geldgebern einigen kann, dürfte ganz Europa darunter leiden. Gesellschaftlich und wirtschaftlich. Was genau passieren würde, das weiß noch niemand genau.

Doch nicht nur in Athen passieren gerade Dinge, die unser Leben in Deutschland beeinträchtigen könnten. Auch abseits des Athener Schuldenstreits schwelen politische Krisen, wachsen gesellschaftliche Konflikte, die in den vergangenen Monaten in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem Nebenschauplatz geworden sind.

Hier sind 9 unterschätzte Konflikte – weil wir nur nach Griechenland schauen:

Terrorismus

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Drei Anschläge an einem Tag in Frankreich, Tunesien und Kuwait. Dazu eine vereitelte Attacke in Großbritannien. Die Terror-Gefahr wächst. Weltweit – und auch in Deutschland. Sicherheitsbehörden rechnen jederzeit mit Anschlägen islamistischer Terroristen. "So ein Anschlag kann jederzeit bei uns passieren und ist kaum zu verhindern”, sagt Rainer Wendt, der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Kinderarmut in Deutschland

kinderarmut

Kinder- und Familienarmut hat in Deutschland alarmierende Ausmaße angenommen. Demnach ist mittlerweile jedes fünfte Kind unter 15 Jahren armutsgefährdet, wächst also unterhalb der Armutsgrenze auf. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Das heißt: 2,1 Millionen Jungen und Mädchen leben in Familien, denen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens zur Verfügung stehen.

Flüchtlingskrise

fluechtlinge

Während die Welt auf die möglicherweise wegweisende Volksabstimmung in Athen wartet, kommen auf den griechischen Inseln Tausende Flüchtlinge an. Seit Jahresanfang haben mehr als 55.000 Menschen, viele aus Syrien, die griechischen Inseln von der türkischen Küste aus erreicht.

In den vergangenen Monaten gab es mehrere Rettungseinsätze vor Samothraki, Lesbos, Chios, Samos, Agathonisi und Farmakonisi.

Aber die Menschen können und werden dort nicht bleiben – erst recht nicht, wenn Griechenland zusammenbricht. Sie werden ins Inland strömen, auch und insbesondere nach Deutschland.

Das rechte Gespenst in Europa

rechte

Thulesen Dahl

Zuletzt hat es Dänemark erwischt. Rechtspopulisten gingen aus den Parlamentswahlen vor knapp zwei Wochen als zweitstärkste Kraft hervor. In der dänischen Politik dürfte Parteichef Kristian Thulesen Dahl in den kommenden Jahren der neue starke Mann sein, der die Strippen zieht.

Zuvor erstarkten schon in Frankreich und Großbritannien die Rechten. Sie alle wollen Europa schwächen und Einwanderung begrenzen. Und sie finden immer mehr Anhänger, die unzufrieden sind mit der Situation in ihrem Land.

Brennende Flüchtlingsheime

fluechtlingsheim

In Deutschland führt auch das dazu, dass in regelmäßigen Abständen Flüchtlingsheime brennen, zuletzt in der Nacht zum Sonntag im sächsischen Meißen. Weil die Menschen ihre Probleme auf andere projizieren. Andere wissen es nicht besser und sorgen sich vor dem Fremden, das auf sie zukommt.

Heraus kommen in beiden Fällen stumpfe Ressentiments. Und viele Politiker bekämpfen sie nicht und versuchen, den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Sondern befeuern sie noch. Selbst Spitzenpolitiker wie Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der verkündete: "Der Islam gehört nicht zu Sachsen." So aber bekommt man kein Problem in den Griff. Sondern verschärft es.

Politikverdrossenheit

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Drei Viertel der Deutschen interessieren sich nicht für das, was im Bundestag passiert – dem Zentrum der Demokratie. Besonders die Jüngeren wenden sich ab. Es kann kein gutes Signal sein, wenn die Menschen nicht mehr an ihren eigenen Staat glauben.

Denn das führt dazu, dass jeder nur noch sein eigenes Süppchen kocht, sich nur noch um sich selbst kümmert. Am Ende steht eine Nation von Einzelgängern, denen alles um sie herum egal ist.

Kalter Krieg

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Die Welt steht vor einer Neuauflage des Kalten Kriegs. Russlands Präsident Wladimir Putin verkündet stolz, dass sein Land 40 neue Interkontinantalraketen anschaffen würde. Sie seien in der Lage sogar die "technisch modernsten Abwehrsysteme zu überwinden".

Und das US-Verteidigungsministerium plant, die Zahl der Truppen in Mitteleuropa aufzustocken. Es sei geplant, 5.000 Soldaten und schweres Gerät ach Deutschland und in die östlichen Nato-Staaten zu verlegen. Deutschland und andere europäische Länder könnten sich plötzlich wieder im Zentrum der Konfrontation befinden.

Familienpolitik

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Eltern erhalten in Deutschland 150 Euro pro Monat als Belohnung vom Staat, wenn sie ihre Kinder nicht in eine Kita geben - und ihnen damit die Chance auf eine bessere frühkindliche Bildung und soziale Integration nehmen. Sozialleistungen wie das Betreuungsgeld verhindern, dass ein Elternteil - meistens sind es die Mütter - nach der Geburt wieder in ihren Job zurückkehren können.

Mehr Frauen in Führungspositionen? Nicht mit Schwarz-Rot. Verwundert es da noch, dass Deutschland zu den Schlusslichtern gehört, wenn es ums Kinderkriegen geht?

Was aber wird aus einem Land, in dem es immer mehr Alte und immer weniger Junge gibt? Noch können die nachfolgenden Generationen die finanziellen Lasten tragen, die ihnen das Sozialsystem zugunsten der Älteren abverlangt. Noch.

Klima

climate

Nach Verkündung der G7-Ziele war die Euphorie groß. Klimaschützer feierten den Beschluss als "Meilenstein", als "historisches Versprechen". Tatsächlich handelt es sich - wie so oft beim Thema Klima - um eine bloße Absichtserklärung. Es gibt keine Garantie, dass die Staaten die Ziele überhaupt umsetzen.

In Deutschland kann sich die Regierung ja noch nicht einmal auf eine Abgabe für besonders klimaschädliche Kraftwerke einigen. Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, wird so nie zu erreichen sein.

Das bedeutet: Krasse Unwetter, Überschwemmungen, Dürren, Hungersnöte.

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Politik: Ein bewegendes Video zeigt, was Flüchtlinge wirklich denken

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