POLITIK
12/06/2015 13:49 CEST | Aktualisiert 12/06/2015 14:08 CEST

Politiker fordern Sex-Unterricht im Kindergarten: "Nichts ist schlimmer, als hier ein Tabu aufzubauen" (HUFFPOST-EXKLUSIV)

thinkstock

In den Niederlanden sind sie schon weiter als in Deutschland. Dort werden Kinder bereits im Kindergartenalter aufgeklärt. Los geht es mit vier Jahren.

Erst geht es darum, sich mit den Kindern offen über Liebe und Beziehungen zu unterhalten. Später kommen dann Themen wie Geschlechter-Vorurteile, sexuelle Vielfalt und Verhütung dazu.

Das niederländische Modell knüpft an ein Problem an, das Europas Gesundheitspolitiker seit Jahren beschäftigt: ungewollte Schwangerschaften bei Teenagern. Und der Plan geht auf: Eine Studie der Weltbank zeigte, dass die Quote der Teenager-Schwangerschaften in den Niederlanden eine der niedrigsten der Welt ist.

In Deutschland dagegen geht es theoretisch zwar immerhin in der Grundschule los mit Sexualkunde-Unterricht. Aber die Inhalte sind vor allem jene, die auch im Biologie-Unterricht zur Sprache kommen.

Kein Wunder: Wie heftig die Debatte hierzulande geführt wird, zeigte sich zuletzt wieder rund um die Pläne, das Thema sexuelle Vielfalt im Schulunterricht zu verankern.

Aber vielleicht ist es an der Zeit, die Debatte um eine vermeintliche Übersexualisierung deutscher Kinder noch einmal neu zu denken. Und schon im Kindergarten damit zu starten.

"Kindliche Sexualität zeigt sich auch in Kindergärten"

Das sieht auch sagt Xaver Jung so, der Berichterstatter für vorschulische Bildung in der CDU-Bundestagsfraktion. "Kindern im Kindergarten die kommunikative Kompetenz und das Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben, dass sie ihren eigenen Körper und auch die Unterschiede zu anderen akzeptieren lernen, finde ich richtig und wichtig – solange die Privatsphäre des Kindes dabei jederzeit geschützt ist", sagte Jung der Huffington Post.

Unterstützung erhält Jung dabei von Ernst Dieter Rossmann, dem Sprecher der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der SPD-Fraktion.

"Natürlich lassen sich im frühkindlichen Alter bis sechs Jahren noch nicht alle Aspekte des vielschichtigen Themas Sexualität ansprechen und vermitteln", sagte Rossmann der HuffPost.

"Aber eine altersgerechte Wahrnehmung, Kommunikation, Erklärung muss von den Kindertagesstätten über die Grundschule in die Pubertät bis ins junge Erwachsenenalter schrittweise aufgebaut werden. Nichts ist schlimmer, als hier ein Tabu aufzubauen."

Und: "Kindliche Sexualität zeigt sich im freien kindlichen Spiel und eben auch in Kindergärten ganz selbstverständlich und in ganz verschiedenen altersgemäßen Ausdrucksformen. Das wissen alle Eltern." Konzepte für den Umgang mit frühkindlicher Sexualität seien deshalb ein wichtiger Teil jeder guten frühkindlichen Pädagogik.

Vereinte Nationen betonten schon Wichtigkeit früher Sexualerziehung

Klar, optimalerweise unterhalten sich Kinder auch in ihren Familien über Sexualität. Die Regel ist das aber längst nicht. Deshalb müssen andere die Aufgabe übernehmen.

Wie wichtig frühe Sexualerziehung ist, stellten auch die Vereinten Nationen 2008 fest. Sie erlaube es jungen Menschen, Haltung und Werte zu erkunden und Entscheidungsfindung zu üben, die sie später benötigten, um fundierte Entscheidungen über ihr Sexualleben zu treffen.

Und wenn sich die Vertreter der Regierungsparteien in dieser Sache einig sind, dann wäre es doch an der Zeit für eine Veränderung.

Hier geht es zurück zur Startseite

Lesen Sie auch:


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.