POLITIK
05/06/2015 12:33 CEST | Aktualisiert 05/06/2015 14:11 CEST

Betül Ulusoy hatte schon eine Zusage für ihren neuen Job – bis sie zum ersten Mal persönlich vorbeikam

Screenshot Youtube/rbb

Sie hatte schon eine telefonische Zusage für eine Stelle als Rechtsreferendarin im Bezirksamt Berlin-Neukölln bekommen, sagt Betül Ulusoy. Aber als die gläubige Muslima mit ihrem Kopftuch persönlich in der Behörde vorbeischaute, wurde aus der Zu- eine Absage.

Ulusoy bloggte darüber, der Fall wurde zum riesigen Aufreger in der Hauptstadt. Gerade in Neukölln, dem angeblich so multikulturellen Stadtteil.

Aber in Berlin gilt das sogenannte Neutralitätsgesetz. Es fordert von den Landesbeschäftigten, dass sie sich in ihrem religiösen und weltanschaulichen Bekenntnis zurückhalten. Lehrerinnen, Polizistinnen und Richterinnen dürfen im Dienst also keine politischen oder religiösen Symbole wie ein Kopftuch tragen.

Mit Kopftuch keine Karriere

Eigentlich hat das Bundesverfassungsgericht diese Rechtsprechung mittlerweile zumindest teilweise gekippt. Dennoch ist es noch immer quasi unmöglich, als Frau mit Kopftuch im öffentlichen Dienst Karriere zu machen.

Das Rechtsrefendariat und auch die Verwaltungsstation, die Ulusoy in Neukölln absolvieren wollte, gehören zu ihrer Jura-Ausbildung. "Würde mir das verweigert werden, käme das einem Berufsverbort gleich", sagte sie dem rbb.

#schauhin, wenn du als Rechtsreferendarin eine Station in der Verwaltung machen m u s s t, dir eine Stelle im Bezirksamt...

Posted by Betül Ulusoy on Mittwoch, 3. Juni 2015

Und sie sagt, sie trage das Kopftuch nicht nur aus religiösen Gründen. Sondern weil Frauen oft nur auf ihren Körper reduziert würden. Mit ihrem Kopftuch zeige sie Männern: "Mit mir nicht".

Weil Betül Ulusoys Geschichte mittlerweile so bekannt und der öffentliche Druck so groß geworden ist, will sich das Bezirksamt laut rbb noch einmal mit ihrer Personalie beschäftigen.

Das "Deutsch Türkische Journal" fragt schon: "Bringt Berliner Juristin Betül Ulusoy das Kopftuchverbot zu Fall?"

Ulusoy selbst schreibt auf Facebook: "Es wäre wunderbar, wenn Stellungnahmen geschrieben würden, die dann an das Bezirksamt Neukölln geschickt werden. Bringt euch in die Debatte mit ein!"

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