POLITIK
03/06/2015 06:19 CEST | Aktualisiert 03/06/2015 07:35 CEST

Homo-Ehe: Erika Steinbach verwechselt Meinungsfreiheit mit dem Recht, unwidersprochen Unsinn reden zu dürfen

Getty Images

Viele Konservative in Deutschland eint seit Jahrzehnten ein und derselbe Komplex: Sie glauben, von einer linken Meinungsmehrheit unterdrückt zu werden.

Natürlich beschweren sich auch die Sozialdemokraten gelegentlich über schlechte Presse. Aber in keinem politischen Lager ist das Geheul so groß und anhaltend wie bei CDU und CSU.

Daraus sind viele Legenden entstanden: Franz Josef Strauß war beispielsweise davon überzeugt, dass er ohne das Gegenfeuer der „Journaille“ 1980 Kanzler geworden wäre. Roland Koch fühlte sich bei seiner Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft als Opfer der „linken Medien“. Und selbst im Wahlkampf 2005, als die Zustimmungswerte der CDU nach anfänglichem Hoch steil nach unten gingen, waren auf einmal wieder die achso linken „Meinungsführer“ verantwortlich.

Das Gleiche gilt selbstredend auch für gesellschaftliche Debatten. Immer dann, wenn die CDU den Anschluss an die Realität verliert, sind stets die anderen schuld. Das ist auch derzeit in der Diskussion und die Einführung der Homo-Ehe zu beobachten.

Ein schönes Beispiel dafür lieferte am Dienstag die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach – mit diesem Tweet.

Mal abgesehen davon, dass ihre Äußerung von den „militanten Homoaktivisten“ ganz großer Unsinn ist – schließlich sind in Europa sehr viele Fälle von Gewalt gegen Schwule und Lesben bekannt. Marodierende Homo-Banden, die friedfertige Konservative börnermäßig mit Dachlatten erledigen, allerdings nicht.

Aber wie kann jemand, der für die CDU im Bundestag sitzt, das Recht auf Meinungsfreiheit mit dem Recht verwechseln, unwidersprochen dummes Zeug reden zu dürfen?

Genau diesen Fehler begeht Erika Steinbach. Sie fühlt sich offenbar durch den Widerspruch auf ihre zweifelhaften Statements zum Thema Homo-Ehe derart unter Druck, dass – richtig – mal wieder nur die anderen schuld sein können am eigenen Unwohlsein mit der gesellschaftlichen Gegenwart.

Ein Anfang wäre gemacht, wenn sich Frau Steinbach vielleicht überlegen würde, wann es konservativ ist, an einer Idee festzuhalten. Und wann es konservativ bleibt, sich von überholten Standpunkten zu verabschieden.

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