POLITIK
02/06/2015 15:00 CEST | Aktualisiert 09/06/2015 08:39 CEST

"Da bekomme ich Pickel": Aktivistin pöbelt Gabriel an - und Gabriel pöbelt zurück

DPA

Fast 300 Schüler und Studenten hat sich Wirtschaftsminister Gabriel ins Haus geholt, um sich am Mega-Handelsabkommen TTIP zu reiben. Eigentlich ein unfassbar langweiliges Thema.

Doch die 90 Minuten wurden hitzig - und gipfelten in einem denkwürdigen Disput des SPD-Chefs mit einer Aktivistin.

Die gehört der europaweiten Kampagne "Stop-TTIP" an. Und forderte nach einigem Hin und Her, gar nicht erst über TTIP zu verhandeln.

"Das ist so anti-aufklärerisch, dass ich Pickel kriege"

, blaffte Gabriel zurück.

Die Impulsität, die in der SPD viele kennen und fürchteten, beeindruckte sogar den US-Chefunterhändler Michael Froman, der extra aus Washington für dieses Event einflog.

"Ist er immer so?", fragt ein US-Diplomat.

Was Gabriel in diesen eineinhalb Stunden auf die Beine stellt, hat in dem sonst so zähen Streit um den Freihandel aber Seltenheitswert - eine TTIP-Arena mit hohem Unterhaltungs- und Informationswert, spannender als viele Bundestagsdebatten.

Gabriel, Froman und die schwedische EU-Handelskommissarin Cecila Malmström warnen mit Nachdruck davor, dass Chinesen oder Inder irgendwann im Welthandel den Ton angeben, wenn Europäer und Amerikaner es bei TTIP nicht gebacken kriegen.

Oder ist das nur Untergangsgerede? Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange ist Chef des einflussreichen Handelsausschusses im EU-Parlament. Er sagt, wenn es super laufe, sei vielleicht im Frühjahr 2016 ein Vertragstext fertig.

Mitte bis Ende 2017 würde das Parlament abstimmen, dann müssten die 28 EU-Länder den Vertrag ratifizieren - was weitere drei Jahre dauere. Das Abkommen wäre in der Zwischenzeit vorläufig in Kraft. Sagt ein einziges Parlament - darunter in Belgien auch regionale Volksgruppenvertreter - jedoch Nein, ist der Megadeal tot.

Geht aber alles glatt, wäre TTIP 2020/21 in trockenen Tüchern.

mit Material von dpa

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