POLITIK
01/06/2015 06:42 CEST | Aktualisiert 01/06/2015 10:49 CEST

Abschuss von MH17: Russland hat angebliche Beweisbilder manipuliert

Abschuss von MH17: Russland hat angebliche Beweisbilder manipuliert
Bellingcat
Abschuss von MH17: Russland hat angebliche Beweisbilder manipuliert

Russland hat offenbar zwei Satellitenfotos manipuliert, mit denen die russische Regierung die Schuld am Abschuss des Fluges MH17 der Ukraine zuschieben wollte.

„Bellingcat“, ein Team investigativer Journalisten kommt nach einer Analyse der Bilder, die das russische Verteidigungsministerium am 21. Juli 2014 präsentierte, zu dem Schluss, dass die Aufnahmen „eindeutig und unzweifelhaft (...) falsch datiert und durch die Software Adobe Photoshop CS5 digital verändert wurden“.

Russland lenkte Verdacht auf Ukraine

Das russische Verteidigungsministerium hatte mit einem Bild vortäuschen wollen, dass Flugabwehrraketen vom Typ „Buk-M1“ der ukrainischen Streitkräfte an jenem Tag so südlich des Dorfes Zaroschinskoe positioniert waren, dass sie die Maschine der Malaysian Airlines an Bord hätten erreichen können. Mit dem anderen Bild sollte belegt werden, dass mindestens eines der Geschütze nicht wie normal auf einem woanders gelegenen Militärgelände nördlich von Donezk stationiert waren.

Das russische Verteidigungsministerium hatte dem Bericht zufolge in seiner Erläuterung zu den Bildern noch provokant gefragt, wozu die ukrainische Armee solche Geschütze brauche, schließlich hätten die von ihr bekämpften Separatisten keine Flugzeuge. Und weist darauf hin, dass man mit solchen Geschützen Ziele in 22 Kilometern Höhe erreichen könne. Und damit auch das Verkehrsflugzeug.

Derzeit gehen alle Experten davon aus, dass der Einschlag von Flugabwehrraketen die Maschine mit 298 Menschen an Bord zum Absturz brachte.

Vergleich mit Bildern von Google Earth

Ukrainische Agenturen hatten die Bilder dem Report nach bereits als Fälschungen bezeichnet, das russische Ministerium wiederum hatte diese Meldung dementiert.

Die Rechercheure von Bellingcat haben die Bilder sowohl technisch auf Bearbeitungen untersuchen lassen als auch mit Satellitenaufnahmen von Google Earth verglichen. Außerdem stellten sie sicher, dass keine Dritten die Bilder manipulierten.

Falsches Datum, falsche Wolken

„Unzweifelhaft“ seien die Bilder falsch datiert. Beide stammten mit Sicherheit aus der Zeit vor dem 18. Juni 2014 bzeziehungsweise dem 15. Juli. Also sind beide älter als behauptet.

Unter anderem sollen Wolken in ein Bild hineinmontiert worden sein. „Dadurch wurden weitere Details zum Vergleich mit anderen Bildern verdeckt.“

Neben den Wolken war unter anderem der Umgang mit einem Militärauto verräterisch: Aus ihm lief erkennbar Öl aus. Die Lache muss mit der Zeit immer größer geworden sein. Anhand dieses Details konnten die Experten Schlüsse auf die Entstehungszeit der Bilder ziehen.

Noch immer ist unklar, wer die fast 300 Menschen auf dem Gewissen hat

Noch immer ist nicht klar, wer für den Tod der fast 300 Menschen verantwortlich ist, die auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur gewesen waren.

Russlands Regierung hatte lange behauptet, die Boeing sei von einem ukrainischen Kampfflugzeug beschossen worden. Anfang Mai 2015 berichtete dann die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“, russische Militärexperten hätten ein Schrapnell-Teil identifiziert und dem Sprengkopf einer Buk-M-Rakete zugeordnet.

Diese neue Argumentation wäre von den Bildern gestützt worden. Wäre.

Immer noch steht allerdings der Verdacht im Raum, dass pro-russische Separatisten in der Ostukraine in den Besitz von Flugabwehrraketen gekommen sein könnten. Mal hieß es, sie hätten die Geschütze von den ukrainischen Streitkräften erbeutet, mal hieß es, Russland könne sie ihnen geliefert haben.

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