WIRTSCHAFT
01/06/2015 09:04 CEST | Aktualisiert 01/06/2015 09:20 CEST

Nächster Fifa-Skandal: Südafrika soll für WM 2010 Gelder gezahlt haben

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Vielleicht hatSepp Blatter es kommen sehen. Bereits bei der Eröffnung des Fifa-Kongresses in Zürich am vergangenen Donnerstag, aus dem er Tags darauf als neu gewählter Präsident des Weltfußballverbandes hervorgehen sollte, versuchte der Schweizer Patron die Mitglieder seiner Fußballfamilie auf die kommenden Tage vorzubereiten.

"Es wird noch mehr schlechte Nachrichten geben", verkündete Blatter – und machte dabei den Eindruck, als wolle er sich hinter seinem Rednerpult verkriechen. Dieses Unterfangen ist derzeit freilich zum Scheitern verurteilt – selbst bei Blatters überschaubarer Körpergröße. Zu schwer wiegen die Vorwürfe gegen die Fifa, ihren Vorsteher und all die zwielichtigen Funktionäre.

Es geht um Zahlungen in Höhe von zehn Millionen Dollar

Die Aufregung um die Korruptionsvorwürfe gegen 14 Delegierte hat sich noch nicht gelegt, da stehen dem Weltfußball und der Fifa neue Enthüllungen bevor.

Wie die „Süddeutsche Zeitung” unter Berufung auf US-Justizbehörden berichtet, untersuchen die Ermittler dubiose Zahlungen aus dem Jahr 2008. Es geht um insgesamt zehn Millionen Dollar, die der Nord- und mittelamerikanische Fußball-Verband Concacaf erhalten haben soll.

Von - und das ist das brisante an der Geschichte - Südafrika: dem Ausrichter der Fifa-WM 2010.

Korruption? Davon will niemand etwas wissen

Es gilt inzwischen als sehr wahrscheinlich, dass Nationen für die Ausrichtung von Weltmeisterschafts-Endrunden Geld bezahlt haben. Entweder um Stimmberechtigte zu schmieren. Oder um auf andere Weise Gefälligkeiten zu zeigen. Im Falle von Katar (2022) gibt es dafür stichhaltige Beweise. Russland (2018) steht in dringendem Verdacht.

Und in Person des südafrikanischen Verbandschefs Danny Jordaan hat laut SZ jetzt sogar der Vertreter eines Ausrichterlandes eingestanden, Millionen-Zahlungen an Unterstützer getätigt zu haben.

Allein: Von Korruption und Bestechung will in diesem Zusammenhang niemand der Beteiligten etwas wissen.

Die Gelder, die damals offensichtlich nach Amerika flossen, sollen eine Art Aufbauhilfe für die kleinen und finanzschwachen Fußballverbände gewesen sein. Weiter nichts. Jegliche kriminellen Motive weist Jordaan entschieden von sich.

Die Fifa war involviert

Aus seiner Sicht mag das sogar stimmen. War die Fifa an dieser Transaktion doch unmittelbar beteiligt.

Zunächst einmal: Jeder Fußball-Nation, die eine WM ausrichtet, stehen Fördergelder der Fifa zu. Im Falle von Südafrika kursiert eine Summe von 100 Millionen Dollar. Tatsächlich aber soll der dortige Fußball-Verband lediglich 80 Millionen direkt kassiert haben. Mit weiteren 10 Millionen soll der Aufbau eines neuen Verbandszentrums bezuschusst worden sein.

„Die anderen zehn überwies die Fifa direkt aufs Concacaf-Konto, für einen sogenannten Entwicklungsfonds", schreibt die SZ.

Als Gegenleistung für dieses Geld konnte sich Südafrika, so der Vorwurf, der Unterstützung der amerikanischen Verbände für die eigene WM-Bewerbung 2010 gewiss sein.

Was hat Jack Warner damit zu tun?

An dieser Stelle kommt ein Mann ins Spiel, der bei Fifa-Kritikern und Anti-Korruptions-Kämpfern schon lange auf der roten Liste steht: Jack Warner, ehemaliger Vize-Chef des Verbands, zwischenzeitlich suspendiert und in Folge dessen zurückgetreten. Wegen: Korruptionsverdachts.

Warner wurde auch als einer der 14 Delegierten genannt, gegen die aktuell wegen des Verdachts der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit Sportvermarktungen ermittelt wird.

Bereits 2008 soll Warner in zwielichtige Geschäfte verstrickt gewesen sein. Nach dem Verdacht der US-Ermittler soll er derjenige gewesen sein, der das Geld, das eigentlich für Südafrika bestimmt war, über Fifa-Konten nach Nord- und Mittelamerika umgeleitet und dort an Funktionäre weitergereicht haben soll.

In der Anklageschrift der US-Justizbehörden sei in diesem Zusammenhang von einem "hohen Fifa-Offiziellen" die Rede, schreibt die SZ.

Eine Beschreibung, die auf Warner zutrifft. Damals, 2008, war der Funktionär aus Trinidad Chef der Concacaf. Es drängt sich der Verdacht auf, dass dort jemand in die eigene Tasche gewirtschaftet hat.

Von jenem Warner ist in diesen Tagen ein vielsagender Satz überliefert. Einer, der darauf schließen lässt, wie tief die Fifa und ihre Macher in kriminelle Machenschaften verstrickt sind.

Als er die aktuelle Liste der US-Justizbehörden mit den verdächtigen Fifa-Delegierten gesehen habe, habe er lachen müssen, sagte Warner vor kurzem.

Lachen, weil er besonders einen Namen vermisst habe, der eigentlich ganz oben hätte auftauchen müssen auf dieser Liste. Der Name Sepp Blatters.


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Video: Fifa-Beben in der Schweiz: Das sind die Vorwürfe gegen den verhafteten Jack Warner


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