POLITIK
01/06/2015 13:28 CEST | Aktualisiert 01/06/2015 14:00 CEST

Diesen Text über Homosexualität wollte die katholische Kirche nicht veröffentlichen

Getty

Vor gut drei Wochen suchte "katholisch.de" nach einem deutschsprachigen Experten, der bekannt ist, das Thema Homosexualität wissenschaftlich und untendenziös aufzubereiten.

Die Wahl fiel auf den Religionspädagogen Stefan Scholz. "katholisch.de" fragte, ob er Lust habe, einen Gastbeitrag über die Deutung der theologischen Aussagen in der Bibel zu Homosexualität zu verfassen. Scholz sagte zu. So berichtet es "Spiegel Online".

Aber was der Dozent der Universität Erlangen abgab, war für das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland dann anscheinend doch zu viel.

"Man sollte nicht zu viel erwarten"

In dem Text standen Sätze wie: "Völlig absurd aus heutiger aufgeklärter Sicht ist die Verbindung von Homosexualität und moralischem Fehlverhalten."

Und: "Der hohe Stellenwert der Tradition verhindert einen offenen Dialog mit veränderlichen Lebenswelten."

Und: "Man sollte daher (von der Kirche) nicht zu viel erwarten. Zu wünschen wäre es freilich sehr."

Nicht unnötig Wirbel machen

Es gebe gerade so viel Wirbel um das Thema Anerkennung der Homo-Ehe, schrieb ihm "katholisch.de", dass man erst einmal gar nichts mehr aus eigenem Antrieb zum Thema Homosexualität veröffentlichen wolle. Sein Beitrag landete in der Ablage.

Scholz hakte nach.

Es gebe ja in der Kirche traditionell ohnehin schon eine delikate Diskussion über den Umgang mit Homosexuellen, bekam er als Antwort. Die würde durch seinen Beitrag nur unnötig weiter angeheizt.

Da war wohl klar, dass das Medium nicht mehr zu überzeugen sein würde. Scholz antwortete trotzdem noch einmal.

Er sei darüber erschrocken, wie sehr gelenkt offensichtlich auf "katholisch.de" Beiträge erschienen. An einer offenen und ehrlichen Diskussionskultur sei man dort offenbar nicht interessiert. "Schade eigentlich!"

Den ganzen Text, den die Kirche nicht veröffentlichen wollte, finden Sie hier.

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