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01/06/2015 01:00 CEST | Aktualisiert 21/05/2016 14:35 CEST

Ein Fifa-Sprecher verriet ein überraschendes Detail über Blatter und die WM in Katar

ARD Mediathek
Fifa-Sprecher Alexander Koch

Dass der einzige Fürsprecher der Fifa es bei dieser "Günther Jauch"-Talkshow zu Korruption im Fußball nicht leicht haben würde, war vorauszusehen.

Doch der Sprecher des Fußballverbandes, Alexander Koch, bewies eine verblüffende Fähigkeit, jede Kritik an seinem Chef Joseph Blatter abperlen zu lassen.

Das waren die Gäste:

  • Alexander Koch, Fifa-Sprecher
  • Claudia Roth, Grünen-Politikerin
  • Marcel Reif, Fußball-Kommentator
  • Guido Tognoni, Ex-Fifa-Mitarbeiter
  • Florian Bauer, ARD-Reporter

Zwar gab Koch zu, dass es Korruption in der Fifa gebe - gleichzeitig soll Blatter davon aber nichts gewusst haben. "Bei Ländern, die im Korruptionsindex ganz oben stehen, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Funktionäre auch korrupt sind. Aber dafür kann Herr Blatter nichts", sagte er.

"Bei den Vereinten Nationen ist ja auch Nordkorea dabei"

Auf den Fifa-Präsidenten ließ er kein schlechtes Wort kommen. "Herr Blatter hat die Funktionäre nicht eingesetzt, sie wurden von ihren Verbänden gewählt", sagte er. Koch verglich die Fifa dabei mit den Vereinten Nationen, bei denen ja auch Länder wie Nordkorea dabei seien.

Das war erwartbar - doch Koch konnte doch noch ein überraschendes Detail über Blatter präsentieren. Der habe bei der umstrittenen WM-Vergabe an Katar 2022 nicht für das Emirat gestimmt, sagte er.

Bislang war das Abstimmungsverhalten des nach dem jüngsten Korruptionsskandal um führende Fußball-Funktionäre weltweit scharf kritisierten Fifa-Chefs nicht publik gewesen.

Dem Vernehmen nach soll Blatter bei der skandalumwitterten Abstimmung im Dezember 2010 für den unterlegenen Bewerber USA gestimmt haben.

"Die ehrenwerte Gesellschaft hat den Paten wiedergewählt"

Gegenwind bekam Koch von Claudia Roth: "Die ehrenwerte Gesellschaft hat den Paten wiedergewählt", sagte die Grünen-Politikerin zur Wiederwahl von Blatter.

Die Fifa sei längst nicht mehr gemeinnützig, sondern gemeingefährlich, polemisierte Roth. Sie kündigte an, aus Protest die Übertragung der in den Winter verlegten Weltmeisterschaft 2022 in Katar zu meiden. Stattdessen wolle sie lieber auf den Weihnachtsmarkt gehen.

Roth schlug eine Reform der Fifa vor: Dem Verein müsse diese Gemeinnützigkeit aberkannt werden - stattdessen solle er von den Behörden wie ein Konzern behandelt werden. Dies würde dazu führen, dass die Fifa Steuern zahlen müsse - und damit sich auch an Standards wie Anti-Korruptionsvorgaben halten.

Der Hut ging ihr endgültig hoch, als Koch die WM-Vergabe als "Glücksfall" für die dortigen Arbeiter darstellte. Schließlich schaue nun erst die Weltöffentlichkeit auf die Arbeitsbedingungen vor Ort. Dann könne die nächste WM beruhigt nach Nordkorea gehen, entfährt es ihr.

"Das kann das Haus der Fifa zum Einsturz bringen"

ARD-Experte Florian Bauer fand wenige schmeichelhafte Worte für Blatter. Er sei ein "hoch intelligenter Mensch" sage er. Doch für ihn sei "die Macht alles". Deshalb ist er sich ganz sicher, dass er von den Zahlungen an Fifa-Verantwortliche gewusst habe, die jetzt wegen des Verdachts auf Korruption von der US-Justiz geprüft würden.

Am Besten brachte Marcel Reif die Situation auf den Punkt: "Es würden nicht alle Probleme gelöst, wenn Blatter weg wäre. Aber mit ihm wird kein einziges gelöst."

Auch der ehemalige Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni teilte aus: "Blatter ist, wenn es um seine Macht geht, beratungsresistent." Er vermutet, dass weitere Ermittlungen weitere unangenehme Fakten für die Fifa ans Licht bringen werden: "Es gibt Anzeichen dafür, dass die Amerikaner nun nachladen werden", so Tognoni.

"Das kann das Haus der Fifa zum Einsturz bringen."

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