WIRTSCHAFT
04/05/2015 12:56 CEST

Peter Tauber über den Bahnstreik: "Ein Innovationsprogramm für das fahrerlose Zugfahren"

ASSOCIATED PRESS
Peter Tauber, Generalsekretär der CDU

Wäre man Zyniker, könnte man sagen: Es kommt nur deswegen immer wieder zu Bahnstreiks, weil die Züge noch immer auf Menschen angewiesen sind, um sie zu fahren: Ohne Lokführer keine Streiks. Warum also fahren in Deutschland nicht ausschließlich fahrerlose Bahnen?

CDU-Generalsekretär Peter Tauber drückt es weniger zynisch aus. Sein Kommentar zum aktuellen Bahnstreik geht aber in genau diese Richtung:

"Ob das, was die GDL da tut, nicht eher ein (...) Innovationsprogramm für das fahrerlose Zugfahren ist, und die Bahn vielleicht diese Forschungen in diese Richtung intensiviert, weiß ich nicht. Wenn ich Bahnvorstand wäre, würde ich das tun."

Die Bahn hinkt hinterher

Die Bahn überlegt sich zwar in ihrem neu gegründeten "d.lab", wie die Zukunft der Mobilität aussehen soll. Das Thema fahrerlose Züge spielt dort bisher aber keine große Rolle. Testfahrten gibt es zwar bereits - aber ohne Passagiere an Bord.

Der Nahverkehr in anderen Städten zeigt jedoch, was schon längst möglich ist. In Paris und Lille fahren die Metros komplett ohne Fahrer. In Rom, Wien, Kopenhagen, Dubai und London zumindest teilweise.

Sogar in Nürnberg. Hier fahren die U-Bahnen zweier Linie ebenfalls ohne einen menschlichen Lokführer. Und das schon seit 2008.

Abgesehen davon, dass Computer nicht streiken, hätte eine solche Bahn aber auch bei regulärem Ablauf einige Vorteile.

Der Nahverkehr der Zukunft

Laut Siemens sind automatisch gesteuerte Bahnen energieeffizienter und pünktlicher: "Das automatisierte System berechnet auf Basis der Streckendaten exakt wie und an welchen Stellen beschleunigt und gebremst werden muss, um pünktlich an der nächsten Station anzukommen."

Auch Andreas Festag, Experte für fahrerlose Fahrzeuge an der Technischen Universität Dresden, sieht die Zukunft im fahrerlosen Betrieb. "Wozu soll ein Fahrer einen Abfahrtsknopf drücken, wenn technische Systeme das zuverlässiger leisten?", sagte er in einem Interview mit der "Welt":

Fahrerlose Bahnen sind zu teuer

Warum also folgen nicht mehr Städte dem Nürnberger Beispiel? “Es ist wahnsinnig teuer", bringt es eine eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe im Gespräch mit dem Magazin "Impulse" auf den Punkt.

Denn der Umstieg auf fahrerlose Bahnen würde einen gewaltigen Umbau der Strecken erforderlich machen, im Nah- wie Fernverkehr.

Doch es wird nicht nur mit den Kosten argumentiert. Zwar gab es bisher keine Unfälle mit automatisierten Bahnen, jedoch hätten Lokführer auch einen psychologischen Effekt, erklärt die Bahn: "Die Präsenz eines Lokführers ist für das Sicherheitsempfinden und den Betriebsablauf derzeit unerlässlich.“

In Berlin lief vor bald 20 Jahren ebenfalls mal ein Versuch mit automatisierten Bahnen. Durchsetzen konnten die sich aber nicht. Warum? Bahnforscher Jürgen Siegmann von der Technischen Universität Berlin äußerte diesbezüglich in einem Interview mit der WAZ eine Vermutung: "Sie kennen doch die Macht der Gewerkschaften."

Womit wir wieder am Anfang wären...

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