POLITIK
04/05/2015 06:12 CEST

Jugendamt-Skandal: Wurden Kinder illegal nach Ungarn gebracht?

Jugendamt Gelsenkirchen
dpa
Jugendamt Gelsenkirchen

Stimmen, die Vorwürfe, wäre das ein Riesen-Skandal. Wie das ARD-Magazin "Monitor" berichtet, sollen der Leiter eines Gelsenkirchener Jugendamtes und sein Stellvertreter illegal Kinder aus einem Heim nach Ungarn verschickt haben. Und dafür pro Monat und Kind 5.500 Euro vom ungarischen Staat kassiert haben.

Wie "Monitor" erfahren haben will, sollen die beiden Männer bereits vor mehr als zehn Jahren eine Gesellschaft zum Betrieb eines Heims in Ungarn gegründet haben. Das Gelsenkirchener Kinderheim St. Josef sei dann gezielt überbelegt worden, so dass man gezwungen gewesen sei, Kinder nach Ungarn verlegen zu müssen.

"Angelegenheit muss lückenlos aufgeklärt werden"

Angeblich hätten die Kinder dort bessere Betreuungsangebote. Doch "Monitor" zeigt in seinem Bericht einen sehr heruntergewirtschafteten Hof. Der Ort, an dem die Kinder dann angeblich untergekommen seien.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) soll beide Leiter nun freigestellt haben: "Was ich in dem Bericht gesehen habe, macht mich fassungslos. Die Angelegenheit muss lückenlos aufgeklärt werden. Dazu habe ich bereits die notwendigen Schritte eingeleitet“, zitiert die "Bild"-Zeitung den Politiker.

Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe

Die St. Augustinus GmbH erklärte, das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Heimkinder liege entweder bei den Eltern oder bei den zuständigen Jugendämtern. "Absprachen oder gar Verträge mit Firmen, die solche Maßnahmen durchführen, gibt es nicht und hat es auch nicht gegeben." Zwei Jugendliche pro Jahr seien von umliegenden Jugendämtern in solchen Maßnahmen in Ungarn zwischen 2005 und 2008 untergebracht worden. Einen Zusammenhang zwischen den Auslandsaufenthalten und der Belegung im Heim St. Josef gebe es nicht.

Auch Wissmann erklärte, es habe keine Vereinbarung mit St. Josef gegeben, dass er "für eine gute Auslastung des Kinderheims" sorge und das Kinderheim im Gegenzug Kinder nach Ungarn schicken werde. Außerdem belegten viele Jugendämter das Heim St. Josef.

Auch ein Junge aus einem Heim in Dorsten ist dem «Monitor»-Bericht zufolge nach Ungarn gebracht worden. Die Stadt wehrte sich in einer Mitteilung gegen Vorwürfe, der Elfjährige sei pädagogisch nur mangelhaft betreut und schlecht untergebracht worden. Der Fall werde aber geprüft. Die Akten seien in Absprache mit der nordrhein-westfälischen Kinder- und Jugendministerin Ute Schäfer (SPD) dem Landesjugendamt in Münster zur Verfügung gestellt worden. Der Fall sei seit vielen Jahren der einzige, bei dem die Stadt eine «Auslandsmaßnahme» veranlasst habe.

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