LIFESTYLE
04/05/2015 14:55 CEST

13 Dinge, die jeder wissen sollte, der einen sensiblen Menschen liebt

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13 Dinge, die jeder wissen sollte, der eine hochsensible Person liebt

Als ich im Kindergarten war, schmiss ein Junge aus meiner Klasse einfach mein Lieblingsbuch über den Zaun unserer Schule. Damals habe ich hysterisch begonnen zu weinen, nicht weil es plötzlich weg war, sondern weil ich unglaublich wütend auf diesen Fiesling war. An diesem Tag ließ ich erstmals meiner Sensibilität öffentlich freien Lauf – eine Achterbahn der Gefühle, der ich auch heute noch ausgeliefert bin.

Viele meiner Freunde necken mich liebevoll wegen meiner emotionalen Reaktionsfreudigkeit, aber ich kann sie nun mal nicht kontrollieren. Manche Menschen sind einfach sensibler als andere, was nicht immer etwas Schlechtes ist. Außerdem bin ich nicht die Einzige: Ungefähr jeder Fünfte, darunter Männer und Frauen, kann als HSP, als höchst sensible Person, identifiziert werden, sagt HSP-Spezialistin und Psychologin Elaine Aron. Infolgedessen ist es durchaus möglich, dass man jemanden liebt, der dieses charakterliche Merkmal aufweist.

Das sollte jeder über höchst sensible Menschen wie mich wissen:

1. Wir werden weinen.

Wenn wir glücklich, traurig oder wütend sind. Das ist so, weil höchst sensible Personen für alles tiefere Gefühle als andere hegen und deshalb dementsprechend reagieren.

2. Wir sind nicht alle introvertiert.

Hohe Sensibilität ist nicht gleich Introvertiertheit. Laut Aron sind sogar 30 Prozent von uns extrovertiert.

3. Entscheidungen machen uns nervös.

Höchst sensible sind chronisch schlecht im Entscheiden – sogar wenn es sich dabei nur um die Wahl des Abendessens handelt. Meistens, weil wir uns quälen, falsch zu liegen. (Was wäre wenn, das Essen schlecht ist?)

4. Wir erkennen diese leichte Veränderung in der Stimme.

Wer normalerweise seine Nachrichten mit einem Ausrufezeichen beendet, kann sich sicher sein, dass es uns auffällt, wenn er plötzlich einen Punkt verwendet. Wir haben einen siebten Sinn für feinste Nuancen in unserem Umfeld, weshalb uns Stimmungsschwankungen anderer Personen auch mehr tangieren.

5. Wir sind da, wenn jemand seinen Gefühlen Ausdruck verleihen will.

Niemand sollte Angst haben, nach einer Schulter zum Anlehnen zu fragen. Unsere über-sensible Art macht uns zu exzellenten Zuhörern. Da wir gleichzeitig den Schmerz unseres Gegenüber spüren, werden wir Berge versetzen, damit er sich wieder wohl fühlt. Deshalb sind wir besonders erfolgreich als Lehrer, Therapeuten oder Manager.

6. Wiederholt laute Geräusche sind die schlimmsten.

Lautes Kauen, überfüllte Züge und lärmende Kollegen: Sie sagen es, darauf sind wir sehr empfindlich. Chaos und Reizüberflutung in unserer Umgebung berührt uns intensiver, sagt Aron.

7. Unsere Gewohnheiten am Arbeitsplatz sind ein bisschen eigen.

Von Zuhause zu arbeiten oder von einem stillen Ort ist unsere Wunschvorstellung, da wir dann trotz Überforderung fokussiert bleiben können. Aber niemand sollte sich von unserer Solo-Arbeitsethik täuschen lassen. „Sensible Menschen können ihre Beobachtungen zu ihrem Vorteil nützen ... diese kommen ganz hoch hinauf“, sagte Aron der HuffPost. „Sie können Ideen äußern, ohne verachtet oder ins Lächerliche gezogen zu werden.“ HSP machen auch tolle Teamplayer aus, dank unserer analytischen Art und Aufmerksamkeit für Ideen anderer (man sollte uns nur keine Entscheidungen überlassen).

8. Empfehlt uns niemals den neuesten Actionfilm.

Unsere starke Empathie gepaart mit gewaltreichen, blutrünstigen Filmen, hat einen stark negativen Einfluss auf unser Gemüt.

9. Kritik ist unglaublich unangenehm.

Deshalb werden wir solch peinliche Situationen versuchen zu meiden. Vorsichtshalber loben wir andere und kritisieren uns selbst häufiger als das andere tun. Wir sind also weit davon entfernt, perfekt zu sein.

10. Man sagt uns die ganze Zeit, dass wir alles zu persönlich nehmen.

Auf unsere Kosten Witze zu machen, finden wir nicht immer lustig. Wir wissen, dass es lächerlich ist, beleidigt zu sein, aber wohin denn mit unseren Gefühlen?

11. Wir haben eine niedrige Schmerzgrenze.

Reich mir mal das Eis, bitte. Egal ob ein gebrochener Arm oder eine angestoßene Zehe, beides tut uns wirklich sehr weh. Grund ist, dass höchst sensible Personen auch schmerzempfindlicher sind, sagt Aron.

12. Wir sehnen uns nach tiefen Beziehungen.

Laut Aron beginnen sich HSP schneller in Ehen zu langweilen als andere Menschen, meist deswegen, weil mit der Zeit der Umgang miteinander weniger achtsam wird. Jedoch heißt das nicht, dass wir mit der Beziehung unzufrieden sind – wir müssen nur einen Weg finden, wieder bessere Gespräche zu führen.

13. Wir können nicht einfach aufhören, höchst sensibel zu sein.

Das Magazin „Brain and Behavior“ veröffentlichte 2014 eine Studie, in der es heißt, dass bei uns der Bereich des Gehirns besonders aktiv ist, der für Mitgefühl und Wahrnehmung zuständig ist. In anderen Worten: Wir sind neurologisch dazu veranlagt, so emotional auf unsere Umgebung zu reagieren.

Kurz: Der beste Weg, uns zu lieben, ist es, uns zu unterstützen. Versucht, uns mit unserer Sensibilität nicht aufzuziehen. Bestärkt uns, dass es in Ordnung ist, so zu fühlen, und wir werden unser Bestes geben, über diese netten Worte nicht in Tränen auszubrechen (versprechen können wir nichts).

Dieser Text erschien ursprünglich auf "The Huffington Post USA" und wurde von Marie-Amélie Heuls aus dem Englischen übersetzt.

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