WIRTSCHAFT
03/05/2015 10:43 CEST | Aktualisiert 03/05/2015 11:09 CEST

Angst vor dem Grexit: Griechen räumen ihre Bankkonten leer

dpa

Griechenland braucht Geld und das so schnell wie möglich. Doch bevor weitere finanzielle Hilfen fließen können, muss sich Tsipras' Regierung mit ihren Geldgebern auf ein Reformpaket einigen - und das dann auch im festgesetzten Zeitraum umsetzen.

Ohne das Geld läuft Athen Gefahr, bald seine Schulden an die Gläubiger oder die Löhne der Staatsbediensteten nicht mehr zahlen zu können. Frühestens Ende Juni könnte Griechenland allerdings frisches Geld erhalten.

Griechen wollen ihr Geld in Sicherheit bringen

Das Vertrauen in eine rasche Einigung scheinen zumindest die griechischen Bürger allerdings zunehmend zu verlieren. Nach den Wohlhabenden räumen nun offenbar auch viele einfache Bürger ihre Bankkonten leer. Sie befürchten, dass es doch noch zum Grexit, also dem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone kommen könnte und wollen ihr verbliebenes Geld in Sicherheit bringen.

Der Regierung läuft indes - wieder einmal - die Zeit davon. Am 11. Mai müssen die Griechen weitere 700 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Eine umgehende Einigung mit den Gläubigern ist der einzige Weg, sich auch dieses Mal zumindest für kurze Zeit zu retten.

Fortschritte in Verhandlungen über Reformpaket

Offenbar kommt nun tatsächlich Bewegung in die Verhandlungen in Brüssel. Wie die "Welt am Sonntag" erfuhr, hat die Athener Regierung erstmals ein richtiges Arbeitsprogramm vorgelegt. Seit Donnerstagabend beraten in Brüssel Vertreter der Athener Regierung sowie Experten von Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) über das Reformpaket.

"Es gibt Fortschritte, aber auch noch viele offene Fragen", erfuhr die Deutsche Presse Agentur am Sonntag aus Institutionskreisen in Brüssel.

"In einigen Fragen gibt es deutlich mehr Kompromissbereitschaft. Noch kann man aber nicht sagen, wie lange man noch braucht", hieß es. Die Gespräche sollten nach Angaben aus EU-Kreisen wie geplant am Sonntag zu Ende gehen. Ein Ergebnis war jedoch nicht absehbar. "Dass sie stattfinden, ist ein gutes Zeichen und wie sie stattfinden auch. Aber es braucht noch Fortschritte», hieß es aus EU-Kreisen.

Griechische Banken machen Druck auf Regierung

Auch griechische Medien berichteten am Sonntag, es habe einige positive Schritte gegeben, diese seien aber nicht ausreichend, um über einen "sichtbaren" Abschluss sprechen zu können.

Die Chefs der vier großen griechischen Banken National Bank of Greece, Alpha Bank, Piraeus Bank und Eurobank machten am Sonntag Druck auf die Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras. Diese müsse sich dringend mit den europäischen Partnern einigen, forderten sie in der Athener Sonntagszeitung "Kathimerini". Der Faktor Zeit sei von entscheidender Bedeutung, sagte der Chef der National Bank, Leonidas Frangiadakis, der Zeitung.

Zugeständnisse an Geldgeber

Die griechische Regierung hatte bereits vor Beginn der Expertenrunde angekündigt, Zugeständnisse machen zu wollen. Griechische Medien berichteten über verschiedenste Themen, die ins Gespräch gebracht worden seien. Demnach sollen weitere Steuern im Bereich Tourismus erhoben werden. Auch die Steuern für Luxusautos und Schwimmbäder könnten steigen.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf Verhandlungskreise, bei den Gesprächen sei eine Reform der Mehrwertsteuer ins Auge gefasst worden. Der griechische Rundfunk berichtete über Pläne zur Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer, diese könnte künftig bei 15 bis 18 Prozent liegen. Derzeit ist der Höchstsatz 23 Prozent, viele Produkte wie Lebensmittel wurden aber mit nur 13 Prozent Mehrwertsteuer belastet. Dies sei aber keine "beschlossene Sache", sagte der Deutschen Presse-Agentur ein Mitarbeiter des Finanzministeriums am Sonntag.

mit Material der dpa

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