POLITIK
01/05/2015 10:16 CEST | Aktualisiert 01/05/2015 11:31 CEST

Terrorverdacht in Hessen: So flog das Islamistenpaar auf

"Den Gartenteich reinigen": So flog das Islamistenpaar aus Hessen auf
dpa
"Den Gartenteich reinigen": So flog das Islamistenpaar aus Hessen auf

Je mehr Details über einen mutmaßlich geplanten Anschlag auf das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn“ in Hessen öffentlich werden, desto deutlicher wird, wie groß die Gefahr wohl war:

Die hessische Polizei hatte am Donnerstag ein Ehepaar mit türkischen Wurzeln festgenommen, das im Verdacht steht, ein Attentat im Rahmen der Sportverantstaltung geplant zu haben. Das Rennen, an dem mehr als 5000 Sportler hätten teilnehmen wollen und zu dem im vergangenen Jahr eine Million Zuschauer gekommen waren, wurde vorsichtshalber abgesagt.

Paar hatte alle Zutaten für den Sprengstoff

Wie die „Welt“ und andere Medien unter Berufung auf die Behörden berichten, hatte das Paar alle Chemikalien zusammen, um den Sprengstoff TATP herzustellen, der unter anderem auch bei den islamistischen Anschlägen in Madrid vor elf Jahren verwendet worden war.

Am 31. März sollen der Mann und seine vollverschleierte Frau mit ihren zwei kleinen Kindern in einem Baumarkt drei Liter Wasserstoffperoxid sowie Spiritus verlangt haben. Weil das weit mehr Wasserstoffperoxid ist, als man üblicherweise zum Putzen braucht und die Flüssigkeit für den Bombenbau verwendet werden kann, habe die Verkäuferin nachgehakt. Die Antwort: Man wolle den Gartenteich reinigen. Diese Menge wäre allerdings den Ermittler zufolge für "Dutzende Gartenteiche" ausreichende gewesen.

"Den Gartenteich reinigen" - mit Wasserstoffperoxid

Die Familie soll die Chemikalien bekommen haben, obwohl sie nicht wie gesetzlich vorgeschrieben einen Ausweis vorgelegt habe. Der Name, den das Paar in eine Liste des Baumarkts eintrug, soll falsch gewesen.

Die Verkäuferin habe die Polizei alarmiert, die herausfand, dass es jedenfalls an der angegebenen Adresse keinen Teich gibt. Wie genau man nun dem Paar auf die Spur kam, ist noch nicht bekannt.

Das Paar war auffällig oft an der Rennstrecke gesehen worden, außerdem hatten die Beamten eine Rohrbombe, 100 Schuss Munition, Teile eines Sturmgewehrs, eine Panzerfaust, große Mengen Wasserstoffperoxid und Aceton in deren Keller gefunden.

Verdächtiger hatte offenbar zu diversen Terroristengruppen Kontakt

Und auch am Freitag können die Behörden noch nicht ausschließen, dass da noch mehr potenzielle Terroristen die Finger im Spiel hatten. Denn das Paar hatte ziemlich sicher Kontakte zur örtlichen islamistischen Szene. Nach Recherchen der „Welt“ soll der Mann sogar Kontakte zur Al-Qaida im Maghreb gehabt haben, außerdem zu anderen Islamistengruppen etwa in Spanien.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Frankfurt hatte der 35-Jährige vor Jahren Verbindung zur islamistischen Sauerland-Gruppe gehabt. Vier Mitglieder der Sauerland-Gruppe waren 2012 wegen der Planung von Terroranschlägen verurteilt worden. Der Mann war der Polizei auch wegen anderer Delikte wie Körperverletzung, Einbruch und Nötigung bekannt.

Mit Material von dpa

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