POLITIK
01/05/2015 04:43 CEST | Aktualisiert 01/05/2015 07:00 CEST

Der 1. Mai, der "Tag der Arbeit": Das müssen Sie über Deutschlands seltsamsten Feiertag wissen

Maibaumaufstellen in Dresden
dpa
Maibaumaufstellen in Dresden

Es ist jedes Jahr wieder paradox – und jedes Jahr wieder schön: Der 1. Mai nennt sich „Tag der Arbeit“. Und ist ein Feiertag. Also der „Tag der Nicht-Arbeit“. Also zumindest für die meisten.

Arbeitsfreier „Tag der Arbeit“

Der 1. Mai geht auf einen Streik der nordamerikanischen Arbeiterbewegung zurück, die am 1. Mai 1886 zum Generalstreik aufrief, um den Acht-Stunden-Tag durchzusetzen.

Am 1. Mai 1890 gab es auch in Deutschland erstmals Massendemonstrationen - etwa für den Acht-Stunden-Tag. In vielen Staaten ist der 1. Mai heute gesetzlicher Feiertag.

Wie es weiterging, erklärt dieses Video:

Traditionell organisieren Gewerkschaften in Deutschland für den „Tag der Arbeit“ Demonstrationen. Diesmal will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit "Adieu, Diktatur der Bosse" und "Fuck off, Rassismus" Stimmung machen.

Allerdings sind nicht einmal die Gewerkschafter mit diesen prolligen Formulierungen einverstanden. "Ich habe die Befürchtung, dass die Gewerkschaften in einer Sinnkrise sind", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, in einem Interview mit der "Rheinischen Post" vom Donnerstag. Denn nach der Einführung des Mindestlohns und der Rente mit 63 wäre der heutige erste Mai für die Gewerkschaften eher ein Tag zum Feiern. Denn zum Meckern.

Was nicht heißt, dass man es nicht trotzdem versuchen kann. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, sagte der "Passauer Neue Presse“, nach oben sei bei Mindestlohn noch Luft. "Das Gesetz ermöglicht leider eine Anhebung erst für das Jahr 2017. Dann wird es darum gehen müssen, den gesetzlichen Mindestlohn schnell in Richtung zehn Euro anzuheben."

Ein Feiertag als Tag der Krawalle

Die „Tradition“, dass man am 1. Mai nicht protestiert, sondern randaliert wird, ist übrigens wesentlich jünger: Zu den ersten Straßenschlachten kam es erst 1987, als Autonome und Polizei aneinandergerieten, nachdem die Polizei ein Büro von Gegnern der Volkszählung durchsucht hatte. In Berlin-Kreuzberg lieferten sich 900 junge Menschen Straßenschlachten mit der Polizei.

Bis heute ist Kreuzberg das Zentrum der jährlichen Randale in Berlin. Ein weiterer Schauplatz für Maikrawalle ist das Hamburger Schanzenviertel.

Die Nacht zum ersten Mai: eine ziemlich stressige Nacht

Weniger politisch sind Traditionen, die in der Nacht zum ersten Mai insbesondere in ländlichen Gegenden gepflegt werden: Junge Männer ziehen in der Walpurgisnacht oder Freinacht durch die Straßen und begehen Streiche. Der Brauch der Freinacht geht auf den alten Musterungstermin am 1. Mai zurück. Besonders in Bayern ist die Tradition lebendig.

Freudenfeuer sollen in der Walpurgisnacht zum 1. Mai den Frühling begrüßen. Oft tanzen Menschen um Feuer herum und springen durch die Flammen. Das soll reinigen und Krankheiten fernhalten.

Für junge Männer kann diese Nacht allerdings ziemlich stressig werden. Denn in der Nacht zum 1. Mai lehnen sie geschmückte Birken ans Haus ihrer Liebsten. Die seit dem 16. Jahrhundert belegte Tradition ist besonders in Bayern, Baden-Württemberg, dem Rheinland und Norddeutschland bekannt.

Faule Mädchen und alte Jungfern bekommen einen dürren Stecken oder das vertrocknete Gerippe eines Weihnachtsbaums vor das Haus gelegt.