POLITIK
01/05/2015 15:03 CEST | Aktualisiert 01/05/2015 15:03 CEST

Wladimir Putin: "Dass meine Eltern den deutschen Feind nicht hassten, ist schwer zu verstehen"

Wladimir Putin: "Dass meine Eltern die Deutschen nicht hassten, ist schwer zu verstehen"
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Wladimir Putin: "Dass meine Eltern die Deutschen nicht hassten, ist schwer zu verstehen"

Russlands Präsident Wladimir Putin ist ein Meister der Selbstinszenierung. Sein Privatleben hält er größtenteils geheim – nur selten bekommt die Welt wohl ausgewählte Bilder oder Geschichten präsentiert.

Meist gibt Putin darin den starken Mann. Die Fotos, wie er mit nacktem und offensichtlich beinhart trainiertem Oberkörper reitet, schwimmt und angelt, sind legendär.

Dass ein Journalist des Magazins „Newsweek“ verriet, dass Putin am Vormittag nicht am Schreibtisch, sondern im Bett oder im Fitnessstudio anzutreffen ist, dürfte eher zu den Pannen im Propagandaapparat zählen und wurde auch nicht offiziell bestätigt.

"Sein ganzes Leben lang hatte er Splitter einer Granate im Bein"

Umso mehr Beachtung wert ist, was er nun in einem Artikel für das Magazin „Pioneer“ über das Leid seiner Familie im Zweiten Weltkrieg geschrieben hat. Die Putin-nahe Nachrichtenseite „Sputnik“ hat ihn ins Englische übersetzt.

Putins schreibt demnach, sein Vater sei von den deutschen Truppen schwer verwundet worden. „Sein ganzes Leben lang hatte er die Splitter einer Granate in seinem Bein, die man nicht entfernt hatte ... Sie ließen die kleineren Teile drin, um den Knochen nicht zu brechen“, schreibt Putin. Sein Bruder sei an Diphterie gestorben und seine Mutter war gegen Kriegsende so krank, dass sie nicht mehr aufstehen konnte. Sein Vater habe sie gesund pflegen müssen. Viele Familienangehörige fanden im Krieg den Tod.

"Sie hassten den Feind nicht"

„Trotz all dieses Leids, Unglücks, dieser Tragödie, hassten sie den Feind nicht, was für mich schwer nachzuvollziehen war. Offen gesagt ist es das immer noch“, wird Putin zitiert.

Das hatte er auch seiner Mutter gesagt. Ihre Antwort: „Wie kannst Du diese (deutschen) Soldaten hassen? Sie waren ganz normale Leute, die auch im Krieg gestorben sind ... Wie kannst Du sie beschuldigen? Sie arbeiten hart wie wir auch. Nur dass sie eben in den Kampf geschickt wurden.“

Putin, der harte, aber nicht zu harte Mann

Man darf davon ausgehen, dass Putin diese Geschichten mit Bedacht gewählt hat. Sie rücken Putin in ein günstiges Licht:

Er stammt demnach aus einer liebenden Familie, deren Mitglieder menschliche Größe beweisen. Einer Familie, der Aggression fremd ist.

Bevor aber der Verdacht aufkommen kann, dass Putin, der Staatschef, nicht genug Biss haben könnte, wird dem Leser noch vermittelt, dass sich der Vater freiwillig für den Einsatz an der Front gemeldet hat. Ein leiser Held also. Und dass er persönlich nicht so viel Milde walten lassen würde.

Der Zweite Weltkrieg ist derzeit ein großes Thema auch zwischen Russland und Deutschland. Aus Anlass des 70. Jahrestages des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland versuchen die Putin-treuen Rocker die „Nachtwölfe“, bis Berlin zu fahren. Deutschland hatte einigen von ihnen bereits erteilte Visa wieder entzogen. Am Freitagabend wurde bekannt, dass die russische Botschaft offiziell beim Auswärtigen Amt protestiert und eine Erklärung verlangt hat.

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