POLITIK
30/04/2015 14:35 CEST | Aktualisiert 06/05/2015 17:58 CEST

Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel entschuldigt sich bei Migranten

Die Rede hat kurz etwas Rührendes. Reichlich Verwunderliches. Überreichlich Längen. Und wenig Erhellendes.

Kathrin Oertel - die Frau, die Pegida zusammen mit Lutz Bachmann einst ein Gesicht gegeben und sich nach einem Führungs- und Richtungsstreit im Januar mit der „Direkten Demokratie für Europa“ selbstständig gemacht hat - hat auf Facebook eine elfminütige Ansprache veröffentlicht.

Ehemalige Pegida-Frontfrau bekennt sich zu Mitverantwortung an Ausländerhass

Anrührend ist, dass die Frau, die mithalf, dass Zehntausende gegen die angebliche „Islamisierung“ auf die Straße gingen, dass Zehntausende glaubten, ihre Ausländerfeindlichkeit offen zeigen zu dürfen, dass diese Frau nun öffentlich „alle Migranten und vor allem die Muslime“ unter ihren Zuhörern um Entschuldigung bittet. Die Migranten, „die hier in unserem Land friedlich leben, integriert sind und unsere Gesetze und unsere Kultur achten, das sind nämlich die meisten von Ihnen“.

Und: „Ich fühle mich ein Stück weit mitverantwortlich für die Hetzkampagne, die hier losgetreten worden ist. Dafür möchte ich mich wirklich entschuldigen. Ich kann nur alles dafür tun, dass das wieder in Ordnung kommt.“

"Den Linken bin ich zu weit rechts, und den Rechten bin ich zu weit links.....dann wäre ich ja eigentlich genau in der Mitte....und hätte somit alles richtig gemacht !"Zitat : von einem Freund

Posted by Kathrin Oertel on Mittwoch, 29. April 2015

Verwunderlich ist allerdings, mit welcher Ernsthaftigkeit und offensichtlichen Verwunderung über ihre neuen Einsichten da eine erwachsene Frau vorbringt, was nun nicht ganz so neu ist:

Steigende Asylbewerberzahlen seien nicht Ursache für die Probleme Deutschlands und Europas. Sie dafür verantwortlich zu machen, sei nur „Herumdoktern an Symptomen“. Man müsse aufhören, Feindbilder aufzubauen.

Oertel zitiert einen Freund mit der denkwürdigen Gleichung „Frieden = Wissen = Verzeihen = Toleranz = Liebe“. Oertel findet: „Da kann man so viel reininterpretieren“, das sei eine ganz wichtige Aussage, da müsse man mal drüber nachdenken. Wenn man schon im Kleinen nicht zusammenleben könne, wie solle man denn dann Weltfrieden schaffen?

Engelhaftes Outfit

Oertel hat die Aufnahme wie üblich sorgfältig geschminkt und in unschuldig weißem Kuschelpullover im Auto aufgenommen.

Um über diese Erkenntnisse nachzudenken, lädt Oertel ihre Zuhörer zu einer Veranstaltung am 1. Mai in Dresden ein. Genauer: Sie lädt alle „Menschen ... ja, Menschen ein“. Es klingt, als werde ihr just in jenem Moment irgendwo in den elf Minuten bewusst, dass tatsächlich jeder für sich beanspruchen kann, ein Mensch zu sein.

Übrigens: "Wir" werden verarscht. Von allen. Wie immer.

So ganz ist Oertel allerdings das vertraute Vokabular noch nicht entfallen. Die persönlichen Angriffe und die Volksspaltung müsse aufhören, sagt sie. Und dass „wir von allen verarscht werden“, von Linken, Rechten und Mitte. Niemand spreche „die Ursachen“ an.

Oertel, um damit beim wenig Erhellenden ihrer Rede anzukommen, übrigens auch nicht. Aber vielleicht kommt das ja noch. Manches dauert halt.

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