POLITIK
29/04/2015 13:37 CEST | Aktualisiert 29/04/2015 13:38 CEST

AfD sackt unter Fünf-Prozent-Marke - Demontiert sich die Partei selbst?

AfD sackt unter Fünf-Prozent-Marke - Demontiert sich die Partei selbst?
dpa
AfD sackt unter Fünf-Prozent-Marke - Demontiert sich die Partei selbst?

Spitzenpolitiker treten reihenweise zurück, Parteimitglieder verstricken sich in Privatfehden, heftige Richtungsstreitigkeiten toben innerhalb der rechtspopulistischen Partei.

In den vergangenen Wochen fiel die Alternative für Deutschland (AfD) vor allem durch intensive Selbstzerfleischung auf. Dass das der Partei zum Verhängnis werden könnte, zeigt jetzt auch eine neue Wählerumfrage, in der die AfD unter die Fünf-Prozent-Hürde sackt.

Querelen haben noch lange kein Ende

Die Alternative für Deutschland muss Federn lassen. Der Abgang von zwei Mitgliedern der Parteispitze wirkt sich negativ auf die Umfrage-Ergebnisse aus. Parteichef Lucke glaubt nicht, dass die Querelen bald ein Ende finden.

Nach dem Rückzug des früheren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel aus dem Bundesvorstand ist die AfD erstmals seit Jahresbeginn unter die Fünf-Prozent-Hürde gerutscht. Im neuen "stern"-RTL-Wahltrend vom Mittwoch fiel die eurokritische Partei gleich um 2 Prozentpunkte auf 4 Prozent.

Frauke Petry, Co-Vorsitzende im AfD-Bundesvorstand spielte die Bedeutung der Umfrage herunter. "Vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen sah uns Forsa auch bei unter 5 Prozent, geholt haben wir jedoch weit über 10 Prozent", sagte Petry der "dpa". Viel wichtiger sei für sie die positive Entwicklung der AfD-Mitgliederzahlen in den vergangenen Monaten.

Vergleich zwischen AfD und Grünen

Der frühere BDI-Präsident Henkel hatte dem Vorstand der rechtskonservativen Partei am vergangenen Donnerstag den Rücken gekehrt. Er gehört dem liberalen Flügel der Partei an und hatte sich seit längerem Auseinandersetzungen mit dem konservativen und nationalistischen Flügel geliefert. Vier Tage nach Henkel war auch Patricia Casale aus dem Bundesvorstand zurückgetreten.

Der Parteivorsitzende Bernd Lucke rechnet nicht mit keinem raschen Ende der Streitigkeiten in seiner Partei. "Dafür gibt es keine schnelle Lösung", sagte er "Spiegel Online" am Mittwoch. Er verglich den Flügelstreit der AfD mit den Auseinandersetzungen zwischen Fundis und Realos in den Anfangsjahren der Grünen.

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Nachdem sich der Bundesvorstand zuletzt vor allem mit dem NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell gestritten hatte, geht jetzt die Konfrontation mit dem Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, Björn Höcke, in die zweite Runde. Höcke teilte am Mittwoch in einem offenen Brief mit, er werde eine vom Bundesvorstand der Partei geforderte eidesstattliche Erklärung zu mutmaßlichen Kontakten ins rechtsextreme Milieu nicht unterschreiben.

Gleichzeitig betonte er: "Ich habe niemals unter einem Pseudonym für eine NPD-Zeitung geschrieben." Zudem bedaure er den aktuellen "Zustand der Zerrüttung und Verunsicherung" in der AfD.

Krach zwischen Lucke und Höcke

Der Bundesvorstand hatte von ihm wissen wollen, ob er unter dem Pseudonym Landolf Ladig Texte veröffentlich habe. Artikel dieses Autors waren in rechtsextremen Publikationen erschienen.

AfD-Sprecher Christian Lüth teilte auf Anfrage mit, der Bundesvorstand habe am vergangenen Donnerstag einstimmig beschlossen, "im Sinne der Transparenz Gerüchten um Höcke entgegenzutreten" und von ihm bis Monatsende dazu eine eidesstattliche Erklärung verlangt.

Zwischen Lucke und Höcke hatte es schon vor einigen Wochen gekracht, nachdem Höcke überraschend seine "Erfurter Resolution" lanciert hatte. Die Resolution spricht sich gegen eine Anpassung der Partei an den Mainstream aus und forderte eine stärker rechtsnationale Ausrichtung der AfD.

Die AfD war 2013 von Gegnern der Euro-Rettungspolitik gegründet worden. Sie scheiterte bei der letzten Bundestagswahl knapp an der Fünf-Prozent-Hürde und ist heute in vier Länderparlamenten vertreten.

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