POLITIK
28/04/2015 03:30 CEST | Aktualisiert 28/04/2015 03:37 CEST

Australiens Einwanderungsminister rät Flüchtlingen, nach Kambodscha zu gehen

Während Europa über den Umgang mit Bootsflüchtlingen aus Afrika debattiert, hat Australien seine eigene - äußerst umstrittene - Lösung für sein Flüchtlingsproblem gefunden.

Flüchtlingsboote werden von der Küstenwache abgefangen, die Menschen in Rettungsboote gesetzt und zurückgeschleppt. Meist landen sie in Internierungslagern in asiatischen Ländern wie Indonesien oder Nauru.

Flüchtlinge sollen in ein noch ärmeres Land reisen

Nun wendet sich der australische Einwanderungsminister Peter Duttton direkt per Youtube an Menschen, die planen, in Richtung Australien zu fliehen: Wenn sie der Armut in ihren Ländern entfliehen wollen, sollen sie einfach in ein noch ärmeres Land reisen - Kambodscha nämlich.

Er nennt Kambodscha ein "sich rasant entwickelndes und dynamisches Land mit einer stabilen Wirtschaft und mannigfaltigen Beschäftigungsmöglichkeiten".

Sein Rat hat einen besonderen Hintergrund: Ein Abkommen wurde im September 2014 mit Kambodscha getroffen. Für eine Zahlung von 40 Millionen US-Dollar erklärte sich das kleine Land bereit, 1.000 Flüchtlinge aufnehmen, die ursprünglich in Booten aus Ländern wie Sri Lanka, Iran oder Myanmar nach Australien reisen wollten, aber von der Küstenwache abgefangen wurden.

Niemand will nach Kambodscha

Was Duttton verschweigt: Kambodscha liegt beim Ranking des Human Developement Index, der den Entwicklungsstand von Ländern erfasst, auf Platz 136. Sri Lanka dagegen auf Platz 73, der Iran auf Platz 75. Burma ist das einzige der typischen Herkunftsländer, dass noch ärmer als Kambodscha ist - es liegt auf Platz 150.

Die Flüchtlinge wissen das: Eine Gruppe in einem Lager auf Nauru weigerte sich schlicht, kambodschanische Beamte zu empfangen, die sie zur Umsiedlung nach Kambodscha überreden wollten.

Eine Botschaft, die an Zynismus nicht zu überbieten ist.

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