WIRTSCHAFT
14/04/2015 14:08 CEST | Aktualisiert 15/04/2015 06:17 CEST

Outlet-Center: Was dort wirklich verkauft wird

Das wird wirklich in Outlet-Centern verkauft
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Das wird wirklich in Outlet-Centern verkauft

Outlet-Center sind ein Paradies für Schnäppchenjäger. Städte-Namen wie Metzingen, Roermond und Bad Münstereifel lassen das Herz von Shoppingwütigen höher schlagen.

Denn hier locken große Marken wie Lacoste, Levis, Nike und Puma mit satten Prozenten. 70 Prozent hier, 30 Prozent da. Das freut die Verbraucher – so sehr, dass sie manchmal sogar hunderte Kilometer im Auto sitzen, nur um die Preisschlacht auskosten zu können.

Extra-Produktionen fürs Outlet-Center

Doch was die wenigsten Outlet-Liebhaber wissen: Wer dort Klamotten kauft, erhält nicht unbedingt übrig gebliebene Originalware der Marken. Manche Unternehmen produzieren extra billiger fürs Outlet.

Das berichtet RTL in der neuen Ausgabe des Verbrauchermagazins „Nicht mit uns“, nachdem sich Reporter auf Spurensuche in einer Fabrik im türkischen Bursa gemacht haben.

Diese Firma beliefere auch deutsche Outlets, heißt es dort. Der Leiter der Fabrik sagt in die Kamera:

„Die Stückzahlen sind groß, aber die Qualität ist niedriger als die Kollektionsware. Im Endeffekt ist das eine Kundenverarsche."

Das Problem mit der „Qualitätslüge”

Das Gesicht des Mannes ist unkenntlich gemacht. Er behauptet sogar, dass 70 bis 80 Prozent der Klamotten in Outlets extra für diese produziert würden. Andere Branchenbeobachter gehen von deutlich weniger aus, sprechen von 30 bis 40 Prozent, erklärt RTL in seinem Bericht.

Die Recherchen des TV-Senders offenbaren zum Teil auch Abstriche bei der Qualität der gekauften Klamotten. So gibt es schief vernähte Stoffteile bei Hemden oder Anzüge, die sich mit bloßer Hand zerfetzen lassen.

Krischan Kuberzig, Marketing-Experte, warnt den Handel:

„Die Qualitätslüge kann für die Unternehmen ein großes Problem werden. Momentan ist es vielleicht noch so, dass es den Kunden gar nicht auffällt, dass sie ein minderwertiges Produkt kaufen und dadurch kaufen sie natürlich die Produkte und die Unternehmen verdienen Geld. Aber auf lange Sicht werden die Kunden es natürlich feststellen – und dann kann es der Marke natürlich extrem schaden.“

Das sagen Lacoste, Puma & Co. über ihre Outlet-Produkte

Was sagen die großen Marken dazu? Lacoste erklärte gegenüber RTL, dass es zur „Firmenpolicy“ gehöre, „dass wir generell nichts zu unseren Outlets kommunizieren“. Levis teilte mit, dass „wir Details zu unserer (...) Business-Strategie nicht in die Öffentlichkeit geben“. Auch Nike und Strenesse äußerten sich nicht.

Zwei Hersteller räumen den Sachverhalt allerdings ein.

Puma erklärte:

„Wir produzieren auch Produkte für unsere Outlets, die unser aktuelles Sortiment ergänzen, aber ich bitte um Verständnis, dass wir keine näheren Angaben machen.“

Und Tom Tailor teilte mit:

„In Ausnahmefällen lassen wir eigens für unsere Outlet-Stores Ware anfertigen, um den Kunden auch hier ein ausgewogenes Sortiment anbieten zu können.“

In dem TV-Beitrag dürfen sich außerdem zwei Familien im Auftrag von RTL komplett einkleiden. Das Ziel: Ein Preisvergleich zwischen Outlet-Center und Einzelhandel.

Das überraschende Ergebnis: Drei von vier Outfits sowie Haushaltsgeräte aus den Outlets waren teurer als im Einzelhandel und im Online-Shop.

Tim Faust, ehemaliger Manager eines Outlet-Centers, bilanziert: „Wir schalten unseren Verstand dort aus.“

Damit bringt er auf den Punkt, warum Outlets als Geschäftsmodell funktionieren. Und warum derzeit ein Dutzend weitere Outlets in Deutschland geplant sind.


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