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13/04/2015 20:03 CEST | Aktualisiert 14/04/2015 13:51 CEST

Ein-Dollar-Brille: Diese Idee kann das Leben von 150 Millionen Menschen komplett verändern

Der Erfinder der Ein-Dollar-Brille Martin Aufmuth
OneDollarGlasses
Der Erfinder der Ein-Dollar-Brille Martin Aufmuth

150 Millionen Menschen weltweit teilen dasselbe Schicksal. Ihr Augenlicht ist zu schlecht, als dass sie ein unbeschwertes Leben führen könnten. Doch eine Brille können sie sich nicht leisten.

Sie können nicht zur Schule gehen, nicht lesen und schreiben lernen, später nicht anständig arbeiten und für ihre Familien sorgen. Ihre Existenz hängt an dieser einen körperlichen Schwäche, die so einfach zu beheben wäre.

Den dadurch entstehenden Einkommensverlust schätzt die WHO auf rund 120 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das entspricht in etwa dem Betrag, der jährlich weltweit in Entwicklungshilfe investiert wird.

Eine simple Lösung für ein gigantisches Problem

Bisher unternehmen Regierungen und Hilfsorganisationen allerdings nicht sonderlich viel, um diesen Menschen zu helfen. Martin Aufmuth jedoch hat das Problem erkannt - und er hat eine sehr simple Lösung dafür.

Mit seinem Team hat der Deutsche eine Brille entwickelt, die nicht mehr kostet als einen Dollar. Die EinDollarBrille können Menschen vor Ort selbst herstellen und verkaufen, ganz egal, wo auf der Welt.

Denn zur Herstellung braucht es nichts weiter als einen Optiker-Kiste und eine Fräse. Die kann auch an eine Autobatterie angeschlossen werden, erklärt Aufmuth in einer ARD-Doku zu dem Projekt. "Denn viele Länder, in die wir mit der EinDollarBrille reisen, haben nicht in allen Regionen Strom."

Die Brille ist sehr robust. Man kann sie biegen, ohne dass das Gestell bricht. Sie besteht aus einem Federstahlrahmen und vorgeschliffenen Gläsern aus Polycarbonat. Obwohl das Material sehr günstig ist, rostet es nicht.

Wie sie hergestellt wird, sehen Sie hier (der Text geht nach dem Video weiter):

Die Sozialunternehmer aus Erlangen haben Teams ausgebildet, die wissen, wie die Herstellung der Brille funktioniert. Sie kommen mit der Kiste in die Dörfer und passen die Brille bei den Menschen direkt an. Außerdem geben sie ihre Kenntnisse weiter. In den ersten zwei Wochen nach Start des Projekts konnten sie bereits 500 Menschen mit Brillen versorgen.

Kinder können in die Schule gehen, Tausende Menschen wieder arbeiten

In acht Ländern sind die Deutschen mit ihrer Ein-Dollar-Brille schon vertreten, darunter Äthiopien und Ruanda. Dank ihres Engagements haben die Kinder mit Sehschwäche dort nun die gleichen Chancen in der Schule wie alle anderen.

Menschen, deren Augenlicht zu schlecht war, um ihrem Beruf weiter nachzugehen, können ihre Arbeit wieder aufnehmen und müssen sich keine Sorgen mehr um das Wohlergehen ihrer Familien machen.

Das Projekt macht deutlich: Eine simple Idee und das Engagement, sie umzusetzen, können Tausende Existenzen auf einen Schlag so sehr verbessern.

"Ich kann mich an diese Frau erinnern. Sie war Näherin und konnte den Faden nicht mehr erkennen, den sie einfädeln musste. Sie war so dankbar, als wir ihr für einen Dollar die Brille verkaufen konnten", erzählt Aufmuth in dem ARD-Beitrag.

2013 gewann das Team rund um Aufmuth für seine Idee den ersten Preis beim Empowering People Award der Siemens Stiftung.

Hier gelangen Sie zur Facebook-Seite der Organisation.

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