POLITIK
07/04/2015 06:56 CEST | Aktualisiert 07/04/2015 13:32 CEST

Studie: Das sind die ausländerfeindlichsten Bundesländer Deutschlands

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"Tröglitz ist überall", hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff gesagt. Es ist der Versuch, nach dem Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Tröglitz allen Vorwürfen entgegenzutreten, wonach Fremdenfeindlichkeit ein spezielles Problem seines Bundeslands sei.

"Es handelt sich um ein bundesweites Problem", sagte Haseloff der "Welt".

Das ist nicht falsch. Aber es ist auch nicht ganz richtig. Denn mit seiner Aussage spielt Haseloff ein Problem herunter, das in Sachsen-Anhalt tatsächlich so groß ist wie nirgends sonst in Deutschland.

Das zeigt der neueste Teil der "Mitte"-Studie, die Forscher der Universität Leipzig seit 2002 regelmäßig herausgeben. Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert daraus.

Nur Sachsen-Anhalt ist fremdenfeindlicher als Bayern

Die Forscher untersuchen, wie verbreitet rechtsextreme Einstellungen in Deutschland sind. Sie ziehen repräsentative Zufallsstichproben von 2000 bis 5000 Probanden.

Maßstab sind die Positionen der Menschen zu Aussagen wie "Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken". Oder: "Ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen."

In Sachsen-Anhalt liegt die Zustimmung zu den ausländerfeindlichen Aussagen bei 42,2 Prozent.

Darauf folgt – vielleicht etwas überraschend – Bayern. Jeder Dritte (33,1 Prozent) dort teilt ausländerfeindliche Einstellungen (die HuffPost hatte darüber schon berichtet).

"Unsere Studie zeigt, dass besonders die Abneigung gegenüber andersartig wahrgenommenen Gruppen sehr hoch ist", sagt Studienleiter Oliver Decker von der Universität Leipzig.

Ausländerfeindlichkeit nimmt ab, wenn der Anteil von Ausländern an der Bevölkerung höher ist

Auf Sachsen-Anhalt und Bayern folgen Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Brandenburg mit 32,8 Prozent, 30,9 und 29,6 Prozent. Obwohl – und das ist bemerkenswert – alle drei Länder einen Ausländeranteil von etwa zwei Prozent haben.

Westliche Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit etwa zehn Prozent Ausländeranteil kommen dagegen auf eine verhältnismäßig geringe Zustimmung von etwa 20,2 und 16,9 Prozent.

Der Durchschnittswert für Deutschland liegt bei 24,3 Prozent. Knapp darüber liegen Schleswig-Holstein und Sachsen. Knapp darunter Niedersachsen, Hessen und Berlin.

Die gute Nachricht zum Schluss: Im Vergleich zu vorherigen "Mitte"-Studien waren die Werte für Ausländerfeindlichkeit im Jahr 2014 so niedrig wie noch nie.


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