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04/04/2015 04:42 CEST | Aktualisiert 04/04/2015 04:56 CEST

LSD, Ketamin und Co.: Wie illegale Drogen Ängste und Depressionen lindern können

Noch in diesem Jahr soll Schmerzpatienten in Deutschland die Behandlung mit Cannabis erleichtert werden. Die krampflösende und schmerzlinderne Wirkung von Marihuana ist inzwischen anerkannt.

Auch andere Rauschmittel könnten in Zukunft für medizinische Zwecke eingesetzt werden. Denn Psychedelika wie LSD und Ketamin und dem Amphetamin MDMA wird ein positiver Effekt bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen zugesprochen.

Partydrogen als Therapiemittel?

Die Seite Refinery29 berichtet, dass sich in den USA während der letzten Jahre immer häufiger Menschen zu Wort meldeten, die Selbsttherapien mit psychedelischen Drogen unternommen hatten. Sie konnten damit die Symptome ihrer psychischen Erkrankungen erheblich lindern.

Die Seite zitiert den 21-jährigen Chemiestudenten Cam, der sich mit LSD selbst therapierte. Er sagt: „Ich konnte mich niemals tiefer in meine eigene Psyche versenken als mit der Hilfe von LSD.“ Das habe ihm geholfen, seine Angststörungen in den Griff zu bekommen. „Ich konnte mich dadurch besser mit den überhöhten Erwartungen arrangieren, die ich an mich selbst stellte.“

LSD, Ketamin und Co.: Wie illegale Drogen Ängste und Depressionen lindern

LSD-Blättchen

Es sind solche Erfahrungsberichte, die das Interesse der Wissenschaft wecken. In den USA hatte bislang der „Controlled Substances Act“ von 1970 den Einsatz psychoaktiver Substanzen für medizinische Zwecke verboten. Forschungen in diesem Bereich lagen deshalb über Jahrzehnte auf Eis.

Immer mehr Menschen nehmen Antidepressiva

Doch nun könnte es einen Wendepunkt geben. Denn Fortschritte bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen sind dringend nötig. Seit Jahren steigt die Zahl der Menschen, die auf Antidepressiva angewiesen sind, vor allem in den Industrieländern immer weiter an.

Laut einer OECD-Studie hat sich der Konsum in Deutschland zwischen 2010 und 2011 verdoppelt. In den USA greift inzwischen jeder Zehnte auf Antidepressiva zurück.

Bislang setzten Ärzte zur Behandlung hauptsächlich auf die Medikamente Zoloft und Prozac. Doch diese bringen schwere Nebenwirkungen mit sich – von Übelkeit und Schwindel bis hin zu lang anhaltender Gewichtzunahme und Schlaflosigkeit.

Bei rund einem Viertel der Erkrankten erzielen herkömmliche Antidepressiva überhaupt keine Wirkung. Das ergab eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Psychedelische Drogen scheinen im Vergleich zu herkömmlichen Antidepressiva eine schnellere und langfristigere Besserung zu erzielen.

depression

Denn Depressionen und Angststörungen beruhen auf Denkmustern, die sich über Jahre hinweg im Gehirn der Betroffenen verfestigt haben. Im Zuge einer Behandlung müssen diese Muster aufgebrochen und umgeformt werden. Psychedelische Drogen können diesen Prozess erleichtern. Patienten berichten laut "Refinery29" nach der Einnahme von einem „glücklicheren Selbst“, das ihnen neue Perspektive auf die Welt ermöglicht hat.

Zwei Schweizer Forscher erklärten 2010 in einem Artikel der Zeitschrift "Nature Neuroscience", dass langjährige Forschungen gezeigt hätten, dass bewusstseinserweiternde Drogen wie LSD oder Magic Mushrooms in Kombination mit einer Therapie bei Depressionen helfen könnten.

Franz Vollenweider von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich erklärte, dass diese Drogen wie Katalysatoren wirkten - sie könnten den Patienten eine andere Perspektive auf ihre Schmerzen oder Ängste ermöglichen und sie zu neuen Lösungswegen anregen.

Behandlung nicht ohne Risiken

Studien aus den USA zeigen zudem, dass Posttraumatische Belastungsstörungen, wie sie häufig bei Soldaten auftreten, besonders gut mit MDMA behandelt werden können. Therapiegespräche unter Einfluss der Droge seien besonders erfolgreich verlaufen.

Bei Depressionen und Angststörungen bringt auch das als Partydroge bekannte Ketamin eine schnelle Linderung. Bei akuten Selbstmordgedanken kann es innerhalb weniger Stunden eine Wirkung erzielen.

Auch Cannabis hilft erwiesenermaßen bei Depressionen. Denn der Konsum lässt bestimmte Hirnreigonen wachsen - unter anderem den Hippocampus, wie Forscher der University of Saskatchewan in Kanada feststellten. Das ist die Region, in der Ängste, Depressionen und Erinnerungen sitzen. Dieser Effekt wird so ähnlich auch durch einige Antidepressiva ausgelöst - nur dass Cannabis im Gegensatz zu dem meisten Antidepressiva keine unangenehmen Nebenwirkungen hervorruft.

Wissenschaftler der Montana State University, University of Colorado und der San Diego State University stellten zudem fest, dass die Selbstmordraten von Männern in den Staaten sanken, in denen Cannabis legalisiert wurde.

Bis Psychedelika in größerem Umfang für Behandlungen eingesetzt werden können, wird es aber noch dauern. Denn ihre Einnahme birgt auch hohe Risiken für ohnehin psychisch instabile Menschen. Sogenannte „Horrortrips“ können besonders bei diesen Patienten eine traumatische Wirkung entfalten.

Die Einnahme von Psychelika dürfte deshalb nur unter strengen Vorkehrungen erfolgen. Psychologen müssten ihre Patienten über Stunden durch ihre Erfahrungen begleiten. Ganz zu schweigen von der Gefahr einer drohenden Abhängigkeit. Partydrogen als Therapiemittel - was so verlockend klingt, wird sich also erst noch beweisen müssen.

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