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03/04/2015 04:12 CEST | Aktualisiert 04/04/2015 14:16 CEST

"Focus": Französische Justiz prüft offenbar Ermittlungsverfahren gegen Lufthansa

Französische Justiz prüft offenbar Verfahren gegen Lufthansa
AP Photo/Yves Malenfer
Französische Justiz prüft offenbar Verfahren gegen Lufthansa

Die französische Justiz prüft nach einem Bericht des "Focus" offenbar ein Ermittlungsverfahren gegen den Konzern Lufthansa und deren Tochterfirma.

Ein Strafparagraf in Frankreich ermöglicht nach Recherchen des Nachrichtenmagazins im Gegensatz zu Deutschland auch Ermittlungen gegen die Lufthansa, heißt es. Das Büro von Brice Robin, dem zuständigen Staatsanwalt in Marseille, sagte auf "Focus"-Anfrage: „Das wird sicher noch kommen.“

Bereits am Donnerstag war bekannt geworden, dass die französischen Ermittler den zweiten Flugschreiber zur Auswertung erhalten haben. Die Blackbox mit den Flugdaten wird am heutigen Freitag in Paris bei der Untersuchungsbehörde Bea erwartet. Karfreitag ist in Frankreich kein Feiertag.

Andreas L. suchte im Internet nach Suizid-Möglichkeiten

Auch die Düsseldorfer Ermittler veröffentlichten neuen Details: Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft suchte Copilot Andreas L. im Internet nach Suizid-Möglichkeiten und Infos über die Sicherheit von Cockpittüren. Das ergab die Auswertung eines Computers, der in der Düsseldorfer Wohnung des Copiloten gefunden wurde.

Damit finden sich immer mehr Belege, dass der 27-Jährige den Todesflug länger geplant haben könnte und das Flugzeug der Lufthansa-Tochter Germanwings mit 150 Menschen an Bord womöglich gezielt in ein Bergmassiv der Alpen steuerte.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm (55), sieht indes im Osterglauben eine Hoffnung für die Hinterbliebenen des Germanwings-Absturzes. "Ich glaube, dass es auf jeden Fall ein Gericht geben wird. Denn es kann nicht sein, dass die Opfer von Unrecht und Gewalt einfach vergessen werden", sagte der bayerische Landesbischof der Deutschen Presse-Agentur in München. "Es muss eine Sühne geben, ein Zurechtbringen. Das Faszinierende an der christlichen Theologie ist, dass Gott die Sühne selber übernimmt." Das sei der Sinn von Jesu Kreuzestod.

Dem ZDF-Nachrichtenportal "heute.de" sagte der EKD-Ratsvorsitzende über die Familie des Copiloten des abgestürzten Flugzeugs: "Auch sie verdient unser Mitgefühl." Für die Angehörigen müsse die Situation sehr schwer sein, in der ein so gewichtiger Vorwurf einen Menschen treffe, den man lieb habe. "Dass er ein Geschöpf Gottes ist und dass er die Menschenwürde nicht verliert, die jedem Geschöpf Gottes zugesprochen ist, daran kann für mich kein Zweifel bestehen."

Video: Schreckliche Arbeit bei Germanwings-Absturzstelle: Video zeigt, wie Bergungskräfte die Leichen identifizieren