WIRTSCHAFT
02/04/2015 08:44 CEST | Aktualisiert 02/04/2015 12:17 CEST

Primark: Kunden wollen Online-Shop - doch der Mode-Discounter hält sich bedeckt

dpa
Primark enthält seinen Kunden etwas vor, was diese unbedingt haben wollen

„Wir haben 2015. Warum hat Primark noch keinen Onlineshop?“, fragt eine genervte Twitter-Nutzerin. Eine andere meint, dass Primark den echt nötig hätte.

Der irische Mode-Discounter selbst hat jetzt angekündigt, seine Online-Aktivitäten auszuweiten. Noch in diesem Jahr soll eine Online-Seite starten, auf der „in einem ersten Schritt 70 Prozent unserer Artikel mit Preisen und Informationen abbilden“, sagte Primark-Vorstand Breege O’Donghue der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“.

Noch scheut sich Primark, einen "Kauf"-Button einzuführen

Das hört sich sehr nach einem Online-Shop an. Aber einen "Kauf"-Button für die Billig-Mode des umstrittenen Discounters werden die Kunden auf der dann neuen Online-Präsenz immer noch nicht finden.

O’Donghue lässt offen, ob Primark einen Online-Shop plant. Sie dementiert es aber auch nicht.

Bleibt es bei der Onlineshop-Verweigerung oder kann der Ausbau der Online-Seite bereits als erster Schritt für den Online-Shop gewertet werden? Ein Sprecher von Primark Deutschland stellte am Donnerstag auf Anfrage klar: "Einen Plan zur Einrichtung eines regulären Online-Shops haben wir nicht."

Experten sehen Risiken für Primark

Wohl auch aus gutem Grund: Denn Experten halten den E-Commerce-Einstieg von Primark für riskant. Stephen Springham von Handelsforschungsunternehmen Planet Retail rechnet in absehbarer Zeit nicht mit einem Online-Shop: „Sag niemals nie. Aber im Moment passt es überhaupt nicht zum Geschäftsmodell von Primark“, sagte er im Gespräch mit der Huffington Post.

Gerade die gut gefüllten Läden mit der riesigen Auswahl würde Primark bei vielen Kunden attraktiv machen, sagt Springham. „Primark punktet mit seinen Filialen, in die viele Kunden hineingehen, um einfach mal zu schauen, und dann hinterher mit einer vollen Tüte mit Klamotten herausgehen. Dieser Effekt lässt sich online nicht leicht nachbilden.“

Auch Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln, sieht den Online-Shop als eine hohe Hürde. „Bei Primark wäre der logistische Aufwand viel zu hoch: Die Sendungen zu verpacken, auf den Weg zu bringen und dann noch die Abwicklung der Retouren - das ist bei diesen Preisen nicht rentabel zu machen“, sagte der Branchenkenner Anfang des Jahres.

„In den Innenstädten alles abgegrast”

Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein glaubt erst an einen Online-Shop, wenn die Iren "in den Innenstädten alles abgegrast haben".

Bis sie dort alles abgegrast haben, wird es noch lange dauern – auch wenn die Expansion in Deutschland forciert wird. 16 Filialen gibt es derzeit in Deutschland. 2015 ist unter anderem ein Shop in Weiterstadt geplant. Auch in Bayern wird die erste Filiale der Billigmode-Marke eröffnen – in Ingolstadt. Wann genau, ist aber noch nicht geklärt.

Primark ist eine Tochter des börsennotierten britischen Mischkonzerns Associated British Foods (ABF). Nach einem starken Wachstum ist das irische Unternehmen inzwischen mit einem Umsatz von 4,3 Milliarden Pfund (5,3 Mrd Euro) im Geschäftsjahr 2012/13 die größte Sparte des überwiegend in der Ernährungsbranche tätigen Mutterkonzerns. Die Gewinnmarge liegt bei zwölf Prozent - etwas niedriger als in der Zuckersparte von ABF (16 Prozent).

mit Material der dpa

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