POLITIK
02/04/2015 09:19 CEST | Aktualisiert 02/04/2015 09:21 CEST

Drei bewaffnete Angriffe innerhalb nur 24 Stunden: Linksextremistische Gewalt bedroht Istanbul

Istanbul wird von linksextremistischer Gewalt über
Drei bewaffnete Angriffe innerhalb nur 24 Stunden: Istanbul wird von linksextremistischer Gewalt überschattet

Zwei bewaffnete Angreifer stürmten am Dienstag den Justizpalast im europäischen Teil Istanbuls und nahmen den Staatsanwalt Mehmet Selim Kiraz als Geisel. Kiraz war Ankläger im politisch bedeutenden Fall Berkin Elvan. Der Jugendliche war bei den Gezi-Protesten im Sommer 2013 von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen und tödlich verletzt worden.

Linksextremisten bekennen sich zur Geiselnahme

Zu der Geiselnahme bekannte sich die verbotene, linksextremistische Befreiungsfront DHKP-C. Auf ihrer Facebook-Seite forderte die Gruppe, die Behörden sollten die Namen aller Polizisten veröffentlichen, die für den Tod des 15-Jährigen verantwortlich sind. Sollten die Forderungen der Geiselnehmer nicht umgesetzt werden, drohten sie mit der Ermordung des Staatsanwalts.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, veröffentlichten die Geiselnehmer ein Foto, auf dem der Staatsanwalt von einem vermummten Angreifer mit einer Waffe bedroht wird: Ein Bild, das unweigerlich an die Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF im Jahr 1977 erinnert.

Nach stundenlangen Verhandlungen beendeten die Sicherheitskräfte die Geiselnahme gewaltsam, die beiden Angreifer kamen ums Leben. Am Dienstagabend erlag auch Kiraz in einem Istanbuler Krankenhaus seinen Verletzungen.

Am Mittwoch drang in Istanbul ein Bewaffneter in ein Büro der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP ein. Die Polizei habe den Angreifer festgenommen, berichtete die Nachrichtenagentur "DHA". Niemand sei zu Schaden gekommen.

Sicherheitskräfte erschießen "Terroristen" vor Polizeipräsidium

Noch am selben Abend wurde das Polizeipräsidium in der türkischen Metropole angegriffen. Eine "Terroristin", die eine Bombe am Körper getragen habe, sei am Mittwoch von Sicherheitskräften getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur "Anadolu" unter Berufung auf den Gouverneur Istanbuls. Der zweite Angreifer - ein Mann - sei verwundet gefasst worden. Ein Polizist sei leicht verletzt worden.

"Anadolu" berichtete, die beiden Angreifer hätten am Haupteingang des Präsidiums das Feuer eröffnet. Sicherheitskräfte hätten zurückgeschossen. Anadolu zeigte ein Foto einer Toten mit einem Schnellfeuergewehr, neben der Leiche war eine Pistole zu sehen. Die Hintergründe des Angriffs waren zunächst nicht bekannt.

Anschläge stärken Erdogan-Partei im Wahlkampf

Nutzen dürfte die Anschlagsserie vor allem der Regierungspartei von Präsident Erdogan, die erst in der vergangenen Woche neue Sicherheitsgesetze beschlossen hatte:

Neun Wochen vor den Parlamentswahlen sieht sich die regierende AKP in ihrer Meinung bestätigt, bei den regierungskritischen Demonstranten handele es sich um gewaltbereite Radikale.

Video: „Warum schwitzt er?“ Putin ist wieder da - warum er weg war, bleibt ein Geheimnis