POLITIK
01/04/2015 04:45 CEST | Aktualisiert 02/04/2015 12:53 CEST

"Die Todesstrafe ist kein Werkzeug. Das ist eine unglaubliche coole Macht"

Mit diesen 10 Zitaten verteidigen amerikanische Politiker die Todesstrafe
dpa
Mit diesen 10 Zitaten verteidigen amerikanische Politiker die Todesstrafe

607. Das ist die Zahl der Menschen, die allein im vergangenen Jahr im Namen des Gesetzes hingerichtet wurden. In 22 Staaten auf der ganzen Welt wurde 2014 die Todesstrafe angewandt. Das sagt die jährlich viel beachtete Statistik der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Die Bilanz: Mehr Todesurteile, aber weniger Hinrichtungen.

Rund um den Globus wurden mindestens 2466 Todesurteile verhängt. Die USA sind mit 35 Hinrichtungen im vergangenen Jahr auf Platz fünf der internationalen Liste.

30. April 2014, Oklahoma City, Ohio: Clayton Lockett, wegen Mordes an einer 19 Jahre alten Frau zum Tode verurteilt, soll per Giftspritze exekutiert werden. Beim Spritzen einer der drei verschiedenen Medikamente platzt jedoch eine Vene - der Giftcocktail gelangt nicht in den Blutkreislauf.

Der 38-Jährige bleibt bei Bewusstsein, wälzt sich auf der Bahre, ringt um Luft und wirft seinen Kopf vor Schmerzen hin und her. Die Wärter müssen die Vorhänge zu ziehen, um den Sterbenden von Zuschauern, Journalisten und Angehörigen des Opfers abzuschirmen. Er stirbt erst 43 Minuten nach der ersten Spritze an einem Herzinfarkt.

Ob Gift, Gas, Galgen oder Gewehr: Befürworter der US-Todesstrafe argumentieren oft mit einem Zynismus, der für uns in Deutschland kaum nachvollziehbar ist: „Er litt unter einigen Unannehmlichkeiten“, ist dafür ein noch vergleichsweise harmloses Beispiel.

Old Sparky

Immer wieder kommt es in der Geschichte der Exekution im Namen des Volkes und der vermeintlichen Gerechtigkeit in den USA zu grausamen und unmenschlichen Fehlern.

6. August 1890 Auburn, New York: Die Premiere des elektrischen Stuhls – verharmlosend „Old Sparky“ (alter Funke) genannt – endet in einem Horrorszenario. Der 30 Jahre alte William Kemmler, der seine Lebensgefährtin mit einer Axt erschlagen hat, überlebt wider Erwarten den ersten Stromstoß von 1000 Volt. Daraufhin verdoppeln seine Henker die Spannung - mit verheerenden Folgen: Flammen schlagen aus seinem verbranntem Körper, mehrere Blutadern platzen unter seiner Haut.

Seit Wiedereinführung der Todesstrafe durch den Obersten Gerichtshof im Jahr 1976, wurden in den USA nach Angaben des Death Penalty Information Centers (DPIC) 1404 Todesurteile vollstreckt.

Jeder Fall rückt die Todesstrafe wieder in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Deren Abschaffung steht für die Amerikaner aber allerdings nicht zur Debatte. Und wird es auch nie tun.

Denn so wie kein noch so blutiger Amoklauf die manische Waffenverliebtheit der Amerikaner erschüttern kann, so wird keine noch so verunglückte Hinrichtung an dem nach Rache und Vergeltung schreienden Wild-West-Kodex rütteln.

Dies wird an folgenden Aussagen strikter Befürworter der Todesstrafe deutlich, die in unseren Ohren so zynisch, weltfremd und verharmlosend klingen, als ob sie nicht über die Auslöschung eines Menschenlebens, sondern über die Abschaffung eines Haushaltsgeräts sprechen.

1. „Die Verfassung garantiert keinen bequemen Tod. Unser System ist fehlerfrei." (Thomas Madden, Staatsanwalt in Ohio, 2014)

2. „Wenn sieben Prozent der zum Tode Verurteilten später freigesprochen werden, dann sind immer noch 93 Prozent schuldig.“ (Bush-Sprecher Ari Fleischer)

3. "Jeder Einzelne war schuldig.“ (George W. Bush, im Rahmen seiner Präsidentschaftskandidatur 2000. In seiner Amtszeit als Gouverneur von Texas ließ der spätere Präsident 152 Verurteilte exekutieren.)

4. „Natürlich muss er die Todesspritze bekommen! Dabei sollte er auf dem elektrischen Stuhl sitzen, mit einer Schlinge um den Hals. Sobald der Strom in seinen Körper fährt und die Falltür sich öffnet, sollte er erschossen werden. Am besten so, dass er unter einem Fallbeil landet. Das kann ihm dann noch den Kopf abhacken!“ (Harley Sorenson, Kolumnist des liberal angesehenen „San Francisco Chronicle“, vor der Hinrichtung von Oklahoma-Bomber Timothy McVeigh, der 168 Menschen in den Tot gerissen hatte.)

5. „Die Guillotine ist wahrscheinlich immer noch die beste und effektivste Tötungsart. Schnell, simpel, zuverlässig.“ (Alex Kozinski, Vorsitzender Richter am neunten US-Berufungsgericht in San Francisco, 2014)

6. „Natürlich können Erschießungskommandos unschön enden, aber, wenn wir Hinrichtungen haben wollen, dann sollten wir uns nicht davor schützen, menschliches Blut zu vergießen.“ (Richter Kozinski, 2014)

7. Die Tötung durch ein Erschießungskommando sei zwar „ein kleines bisschen grausam“, aber in Utah gelte nun einmal die Todesstrafe - und die müsse durchgesetzt werden. (Utahs Gouverneur Gary R. Herbert am 23. März 2015. Sollten keine Chemikalien für die Giftspritze vorhanden sein, kommen Todeskandidaten in Utah ab sofort wieder vor ein Erschießungskommando.)

8. „Eine ganz normale Hinrichtung.“ (Floridas Justizsprecher Charles Drake 1999 über die Hinrichtung von Allen Lee Davis auf dem elektrischen Stuhl. Zeugen hatten die Exekution des dreifachen Mörders als „blutige Horrorshow“ beschreiben)

9. "Obwohl mir alle Belege zeigen, dass die Todesstrafe nur wenig tut, um Verbrechen zu verhindern, glaube ich, dass es einige Verbrechen gibt - mehrfachen Mord, die Vergewaltigung und Tötung von Kindern -, die so schändlich sind, so völlig inakzeptabel, dass die Gesellschaft das Recht hat, ihre Empörung mit der Todesstrafe voll zum Ausdruck zu bringen." Schreibt US-Präsident Barack Obama in seinem 2006 erschienen Buch "Audacity of Hope" (Hoffnung wagen).

10. "Auge um Auge. So steht es in der Bibel." (Laura Pantelakos, Demokratin)

"Das ist kein Werkzeug. Das ist eine unglaubliche coole Macht. Können Sie sich vorstellen diese Macht zu haben und zu sagen 'Machen Sie, was ich Ihnen sage, oder ich werde die geballte Kraft des Gesetzes und des Staates Illinois verwenden und versuchen sie zu töten'?" So erklärt Senator Don Harmon., wie ein Richter sich fühle, wenn er diese Macht hat. Er argumentiert damit gegen die Todesstrafe.

Lesen Sie auch: Todesstrafe ein Akt barbarischen Handelns

Video:„Dramatischer Anstieg“: Todesstrafe: In diesen Ländern tötet der Staat immer noch Menschen

Video: Der bittere Tod des Navy Seals: „American Sniper“: Er tötete im Krieg 255 Menschen und wurde dann daheim erschossen