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01/04/2015 13:21 CEST

"Street Smart"-Kampagne macht Opfer verantwortlich für Verkehrsunfälle

Street Smart/ Youtube
Die "Street Smart" Kampagne erregt Ärger

Autofahrer sind im Straßenverkehr von einer massiven Metallkarosserie geschützt - Radfahrer und Fußgänger nicht. Bei Unfällen werden sie deshalb oft schwer verletzt. Insofern wäre es verständlich, wenn sich eine Kampagne für mehr Vorsicht im Straßenverkehr speziell an Autofahrer richtet. Doch im Bundesstaat Washington trat der umgekehrte Fall ein.

Sind Opfer selbst schuld an Unfällen?

Die jährlich im Raum Washington stattfindende Kampagne "Street Smart" bildet auf einem ihrer jüngst vorgestellten Plakate ein Mädchen mit Reifenspuren im Gesicht ab. Daneben steht "Lass dich nicht dabei erwischen, wie du Schwarz trägst. Ziehe etwas helles oder reflektierendes an."

Das fassten einige Menschen als Schuldzuweisung an das Mädchen auf. Das Plakat impliziere, es sei ihre eigene Schuld, wenn sie überfahren werde. Auf Twitter schreibt ein Nutzer: "Verkehrserziehung ist nicht dasselbe wie eine Schuldzuweisung an das Opfer."

Und ein anderer Nutzer postet ein Foto von der feierlichen Präsentation der Plakate mit den Worten "Sieht aus, als seien nur Nicht-Autofahrer vertreten".

Ein weiterer Twitter-Nutzer macht einen Vorschlag zur Verbesserung der Kampagne. Auf dem von ihm entworfenen Plakat steht: "Bring niemanden mit deinem Auto um. Fahr langsam. Sei aufmerksam. Sei geduldig. Ist das so verdammt schwer?"

Die Opfer zu beschuldigen, sei nicht die Absicht der "Street Smart"-Kampagne gewesen. Das sagte Jeff Dunckel, städtischer Beauftragter für Fußgängersicherheit, der Seite "Washington's Top News". Doch Autofahrer trügen nur bei 60 Prozent der Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern die Schuld. Das bedeute, dass alle Verkehrsteilnehmer von der Kampagne angesprochen werden sollten - nicht nur Autofahrer. Aha.

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