POLITIK
01/04/2015 12:04 CEST | Aktualisiert 01/04/2015 12:15 CEST

Auf den Punkt: Kann der Westen den Iran hindern, eine Atombombe zu bauen?

Iranische Atomwissenschaftler
dpa
Iranische Atomwissenschaftler

In Lausanne (Schweiz) laufen die Atomverhandlungen mit dem Iran. Dem Westen geht es darum, Garantien zu bekommen, dass das iranische Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient.

– Sollte sich der Iran zum Bau einer Atombombe entscheiden, will der Westen sicherstellen, dass er dafür mindestens ein Jahr braucht. Der Iran bestreitet die Absicht aber.

Wer ist dabei? Außenminister und Vertreter der UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien) sowie Deutschlands und des Irans

Was ist das Problem? Eigentlich hätte es schon am Dienstag eine Einigung geben sollen. Aber selbst in der "Verlängerung" am Mittwoch gab es bislang keinen Durchbruch.

Was will der Iran?

Teheran lehnt eine Einigung im Atomstreit ohne eine parallele Aufhebung der bestehenden Wirtschaftssanktionen ab. "In erster Linie müssen alle, insbesondere die Sanktionen gegen den Erdöl- und Bankensektor, aufgehoben werden", sagte Irans Vizeaußenminister Abbas Araghchi.

ABER: Der Westen will die Sanktionen nur phasenweise abmildern. Die Verhandlungspartner sorgen sich, wie einmal aufgehobene Sanktionen schnell wieder in Kraft gesetzt werden könnten, falls der Iran gegen Vereinbarungen verstößt.

– Der Iran besteht offenbar auch darauf, dass die Forschungsarbeiten in der Atomanlage Fordo fortgesetzt werden. Außerdem will das Land das Recht haben, modernere und schnellere Zentrifugen für die Urananreicherung einzusetzen.

– Der Westen lehnt das ab, weil der Iran dann sehr viel schneller hochangereichertes Uran produzieren könnte. Dies wird für den Bau von Atombomben benötigt.

Die größten Bedenken hat Israel:

Der Erzfeind Irans warnt vor einer möglichen Einigung. Ein solches Abkommen sei "gewissenlos", sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu. Der Iran habe sein Streben nach einer Zerstörung Israels nicht aufgegeben.

netanjahu

Netanjahu

Die neuesten Entwicklungen:

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sowie seine chinesischen und französischen Amtskollegen, Wang Yi und Laurent Fabius, haben den Verhandlungsort verlassen. Sie werden von ihren Stellvertretern abgelöst.

Was passiert jetzt?

– Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt ungeachtet der stockenden Verhandlungen weiterhin auf eine Einigung. "Es ist jetzt viel Arbeit von allen Seiten in diese Verhandlungen gesteckt worden, seit vielen Jahren. Ich hoffe und wünsche mir, dass es heute zu einem Kompromiss kommt, der den Bedingungen, die wir stellen, auch entspricht."

(mit Informationen der dpa)

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