WIRTSCHAFT
23/03/2015 13:08 CET | Aktualisiert 23/03/2015 13:36 CET

Gefährliche Produkte: Kontrolleure ziehen 2500 Waren aus dem Verkehr

Auch was niedlich aussieht, kann giftig sein
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Auch was niedlich aussieht, kann giftig sein

Der aufblasbare Schwimmreifen in Form einer Ente war hübsch, hatte aber kein Sicherheitsventil. Wenn ein kleines Kind darin sitzen und im Pool oder Meer planschen würde, könnte es das Ventil einfach herausziehen. Dann würde die Luft aus der Ente gehen - und das Kind im Wasser versinken.

Gefährlich waren selbst das niedliche pinke Plüschpferd oder die blaue Thermoskanne, deren Innenverkleidung mit Asbest verseucht war. All diese Produkte haben Kontrolleure in Europa im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen.

"Verbraucher sollten sorgfältig sein"

Insgesamt beanstandeten die Prüfer in den 28 EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein fast 2500 Waren, die auf den Markt kamen. Das waren so viele wie noch nie seit Bestand des EU-Schnellwarnsystems "Rapex", mit dem sich die Staaten untereinander vor gefährlichen Produkten warnen.

"Rapex" ist eine Erfolgsgeschichte", sagt EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova. Die steigenden Zahlen müssten Verbraucher nicht verunsichern: "Das kann bedeuten: Wir importieren einfach mehr gefährliche Produkte oder die nationalen Behörden entdecken mehr. Ich neige zu der zweiten Erklärung."

Doch wie können sich die Europäer beim Einkauf vor gefährlichen Produkten schützen? Jourova hat da einen einfachen Ratschlag parat: "Die Verbraucher sollten sorgfältig sein und die Produktinformation lesen oder sich im Internet informieren."

Strengere Normen geplant

Verbraucherschützer kritisieren, dass die Politik damit die Verantwortung einfach dem Konsumenten zuschiebt. "Es darf nicht sein, dass es Aufgabe des Verbrauchers ist, sich durch Datenbanken zu klicken, bevor er einkaufen geht", kritisiert Monique Goyens von der europäischen Verbraucherorganisation BEUC. "Verbraucher müssen darauf vertrauen können, dass nur sichere Produkte in den Laden kommen."

Wie die Behörden dafür sorgen können, ist aber umstritten. EU-Kommissarin Jourova setzt auf frühes Handeln: "Wir teilen unsere Informationen mit dem Zoll. Ein beschlagnahmter Container ist wirkungsvoller als eine Rückrufaktion aus Tausenden Geschäften." Zudem setzt sie auf strengere Normen und neue Informationskampagnen.

Das reicht aber nicht, finden Kritiker. Der Grünen-Abgeordnete und Gesundheitsexperte im EU-Parlament, Martin Häusling, fordert: "Die Kontrollen müssen noch strenger werden." Seiner Ansicht nach machen die vom Markt genommenen Produkte nur einen kleinen Teil aus: "Die Dunkelziffer der nicht erkannten Produkte bleibt hoch."

Zudem müsste die EU-Kommission endlich einmal Klartext mit dem Problemland China reden, das die unrühmliche "Rapex"-Statistik seit Jahren anführt. Mehr als 60 Prozent der beanstandeten Produkte kommen aus dem Reich der Mitte. Nur 14 Prozent stammen aus EU- oder Euro-Ländern.

Besonders oft wurden Textilien, Kraftfahrzeuge, gefährliches Spielzeug oder Kosmetika aus dem Verkehr gezogen. Vor allem bei Bekleidung für Kleinkinder kam es zu Rückrufen, die Babys hätten sich zum Beispiel an Kordeln selbst erwürgen können (alle im Jahr 2014 zurückgerufenen Produkte finden Sie unter diesem Link).

China wird geschont

Jourova verweist dagegen auf die in Peking etablierte Behörde für Produktsicherheit und die Kooperation zwischen den USA, China und der EU zu dem Thema. Aber: "Wir wissen, dass die chinesische Seite bei der Prävention mehr tun muss." Allerdings schränkt Jourova zugleich ein: "Wir denken nicht über harte Maßnahmen gegen China nach." China ist einer der wichtigsten Handelspartner der EU.

Stellen die Kontrolleure fest, dass ein Produkt ein Risiko birgt, ordnen sie Rückrufaktionen an oder sprechen Verkaufsverbote aus. Bei Waren aus China stoßen sie dabei oft auf das Problem, dass kein Hersteller oder Importeur angegeben ist. Dies ist laut EU-Parlament bei zehn Prozent aller "Rapex"-Meldungen der Fall.

In der EU soll deshalb künftig die Herkunftsbezeichnung "Made in..." für alle Waren zur Pflicht werden - bisher ist dies freiwillig. Seit mehr als zwei Jahren wird über einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission diskutiert. Doch eine Einigung ist noch lange nicht in Sicht, weil zahlreiche Länder, vor allem Deutschland, dagegen sind.

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