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16/03/2015 13:18 CET

Was es wirklich über Sie aussagt, wenn sie Nägel kauen

Was es wirklich über Sie aussagt, wenn sie Nägel kauen
Thinkstock
Was es wirklich über Sie aussagt, wenn sie Nägel kauen

Na, spielen Sie gerade gedankenlos mit Ihren Haaren oder kauen auf Ihren Fingernägeln, während Sie diesen Artikel lesen? Eine neue Studie der "University of Montral" legt nahe, dass solche zwanghaften Verhaltensweisen mehr über ihre Persönlichkeit verraten, als Sie bislang dachten.

Menschen, die allgemein eher ungeduldig sind oder schnell gelangweilt und frustriert werden, neigen verstärkt zu wiederholenden und körperbezogenen Verhaltensweisen wie Nägelkauen oder Ziehen an den Wimpern – das haben Forscher herausgefunden.

Die Studie, die in der März-Ausgabe des „Journal of Behavior Therapy and Experimental Pschiatry“ veröffentlicht wurde, deutet auf den Perfektionismus als grundlegende Ursache hin – eine Eigenschaft, die mehr Schaden anrichten kann, als vielen Menschen bewusst ist.

Verstärkter Drang zu körperbezogenem Verhalten

„Wir glauben, dass Menschen mit diesen Verhaltensweisen zum Perfektionismus neigen können. Es fällt ihnen schwer, sich zu entspannen und eine Aufgabe in einem normalen Tempo durchführen“, erklärt Dr. Kieron O'Connor, Professor für Psychiatrie der Universität und Leiter der Studie.

„Sie sind daher anfälliger für Frustration, Ungeduld und Unzufriedenheit, wenn sie ihre Ziele nicht erreichen. Und sie erleben Langeweile stärker als andere Menschen.“

Die Forscher untersuchten 40 Teilnehmer – die Hälfte tendierte zu diesen Verhaltensweisen. Die andere Hälfte, die im Vorfeld nicht durch dieses Verhalten auffiel, diente lediglich als Kontrollgruppe.

Seltenes Nägelkauen noch kein Grund zur Sorge

Die Teilnehmer beantworteten Fragen zum Ausmaß dieser Angewohnheiten - also wie stark sie Emotionen wie Langeweile, Wut, Schuld, Reizbarkeit und Angst wahrnehmen. Anschließend wurden sie Situationen ausgesetzt, in denen bestimmte Gefühle (einschließlich Entspannung, Stress, Frustration und Langeweile) aktiv provoziert wurden. Um Langeweile zu schaffen, ließen die Forscher sie beispielsweise in einem Raum für mehrere Minuten allein zurück.

Teilnehmer, die bereits zuvor zum Zappeln und körperbezogenen Verhaltensweisen tendierten, berichteten von einem verstärkten Drang, diese Verhaltensweisen auszuleben, wenn sie gestresst und frustriert waren. Während sie sich entspannten, spürten sie diesen Drang nicht.

Aber nur weil jemand ab und zu auf seinen Nägeln kaut, ist das noch kein Grund zur Sorge. Dieses Verhalten tritt auch manchmal vorübergehend auf – zum Beispiel wenn wir es nicht schaffen, unsere Energie produktiver einzusetzen.

Verhaltensstörungen können den Alltag beeinträchtigen

„Der positive Effekt dieser Gewohnheiten ist, dass Emotionen stimuliert und reguliert werden“, erklärt der Leiter der Studie. „Das Verhalten wird aber vor allem durch Frustration und Ungeduld ausgelöst - und durch eine konstruktive Handlung ersetzt.“

Sobald diese Angewohnheiten zwanghaft werden und den Alltag beeinträchtigen, können sie sich zu ernsten Verhaltensstörungen entwickeln.

Die Schauspielerin Olivia Munn beispielsweise hat sich offen zu der Krankheit Trichotillomanie geäußert – eine Angststörung, bei der die Betroffenen unter zwanghaften Wimpern-Ziehen leiden. "Ich kaue zwar nicht auf meinen Fingernägeln, aber ich reiße an meinen Wimpern, erzählte Munn den „New York Daily News“ im Jahr 2012. „Es tut nicht weh, aber es ist wirklich nervig.“

Wie können diese Verhaltensstörungen sinnvoll behandelt werden? Derzeit gibt es zwei Möglichkeiten: Eine Verhaltenstherapie, bei der die Angewohnheit durch eine andere Aktion ausgetauscht wird. Und es gibt eine weitere Methode, die sich auf die grundlegenden Ursachen, die die Anspannung erzeugen, fokussiert – wie beispielsweise dem Perfektionismus, so O'Connor.

Dieser Text erschien ursprünglich auf Huffington Post USA und wurde aus dem Englischen übersetzt.


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