POLITIK
04/03/2015 04:33 CET | Aktualisiert 04/04/2016 08:41 CEST

12 Beweise, dass die Schule uns auf alles vorbereitet – nur nicht aufs Leben

Thinkstock
12 Beweise, dass die Schule uns auf alles vorbereitet – aber nicht aufs Leben

Für das Leben lernen wir, nicht für die Schule. Seltsam, dass uns das ausgerechnet die Schule weißmachen wollte. Denn in Wahrheit ist das natürlich Blödsinn. Für die Schule lernen wir – und für sonst nichts.

Okay, es gibt eine Menge Unterrichtsinhalte, von denen jeder ehemalige Schüler sein Leben lang profitiert. Aber es gibt auch viele Dinge, die das Klausurpapier gerade noch wert sind, aber darüber hinaus nicht mehr viel. Ein breites Allgemeinwissen in Ehren - es gäbe durchaus sinnvollere Dinge, für die im Lehrplan aber kein Platz ist.

Wir haben anhand von Prüfungsaufgaben an deutschen Schulen Musterbeispiele hochwissenschaftlicher Zusammenhänge herausgesucht, die jeder durchschnittliche Abiturient erfahren – und ziemlich schnell wieder vergessen haben dürfte:

1. Wir können die Funktion der Sprach- und Darstellungsmittel sowie die grammatikalischen Erscheinungen und das Dialogprinzip aus Platons frühen Werken benennen.

Aber Reden von Politikern hören wir uns erst gar nicht mehr an: Drei Viertel der Deutschen interessieren sich nicht für das, was im Bundestag passiert. Besonders die Jüngeren.

2. Wir wissen, dass der Flächeninhalt zwischen zwei Funktionsgraphen über benachbarten Schnittstellen nach der Linearität der Bestimmten Integration gleich dem Wert des Bestimmten Integrals der Differenzfunktion über benachbarten Nullstellen ist.

Dafür haben wir wirklich NULL Ahnung, wie eine gute Altersvorsorge aussieht. Bei dieser elementaren Frage fühlten sich Jugendliche und junge Erwachsene “überfordert, schlecht informiert und von Staat und Politik im Stich gelassen”, heißt es in einer Studie der Hertie School of Governance.

3. Wir können einen Aufsatz über die Genese einer Glaziallandschaft in Europa als Ausdruck der räumlichen und zeitlichen Differenzierung geomorphologischer Prozesse schreiben.

Ohne Navi wären wir trotzdem aufgeschmissen. Die machen blöderweise auch noch dumm. Der ständige Navi-Gebrauch lässt die Aktivität in bestimmten Bereichen des Gehirns verkümmern. Das bestätigt eine Studie von Gedächtnisforschern, bei der Taxifahrer unter die Lupe genommen wurden.

4. Wir wissen, was die Unterschiede in der photosynthetischen Aktivität in Ecuador unter Bezugnahme auf die naturräumlichen Einheiten sind.

Aber wir wissen nicht, dass der US-amerikanische Erdölkonzern Chevron eine Katastrophe bei der Förderung von Erdöl im Regenwald im Norden von Ecuador angerichtet hat, aber sich bis heute weigert, die 9,5 Milliarden Dollar Strafe zu zahlen.

5. Wir wissen, weshalb die Terra Preta als Beleg angepasster intensiver Landwirtschaft im Amazonasgebiet in der vorkolonialen Zeit gilt.

Eine Zimmerpflanze überlebt bei uns trotzdem maximal 14 Tage.

6. Wir wissen, dass Marie Luise Kaschwitz in “Ein Gedicht” asyndetische Aneinanderreihungen von Infinitivsätzen verwendet, um einen assoziativ angelegten poetischen Schaffensprozesses zum Ausdruck zu bringen.

Was viele nicht zum Ausdruck bringen können, ist die eigene Meinung. Es wäre nicht verkehrt, wenn die Schule auch das den Schülern beibringen würde.

7. Wir können anhand von Struktur- und Projektionsformeln am Beispiel der Aminopropansäure die Unterschiede zwischen den Konstitutionsisomeren a- und b-Alanin beschreiben.

Aber Kochen… äh, ja.

8. Wir wussten: “Den Ablativ regieren sechs: ab, de, cum, pro, sine, ex - setzt du auch noch in und sub dazu, hast du endlich deine Ruh’!”

Trotzdem weisen deutsche Studienanfänger massive Lücken in Rechtschreibung und Grammatik auf und zeigen zudem eine mangelnde Lesekompetenz. Zu diesem Schluss kam eine Studie unter den Philosophischen Fakultäten an deutschen Universitäten.

9. Wir können das Volumen eines Dreieeckprimas berechnen.

Aber die Steuererklärung überfordert uns.

10. Wir wissen, wie die Geschlechter-Konstellation in Ovids “Ars amatoria” aussieht und wie sie sich auf das Rezipienten-Verhalten auswirkt.

Wir wissen immer noch nicht so recht, wie wir zur Debatte um Gender-Mainstreaming stehen. Das Leben ist so kompliziert.

11. Wir wussten, dass Büchner seine sozial höhergestellten Figuren in “Woyzeck” bewusst in Form von Tautologien hat sprechen lassen, um einen Gegensatz zu Woyzecks Umgangssprache zu konstruieren.

Wir wissen auch, dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer. Aber seit Jahren fällt niemandem eine Lösung für diese dramatische gesellschaftliche Entwicklung ein. "Deutschland war noch nie so gespalten wie heute", heißt es in einer Studie deutscher Wohlfahrtsverbände.

12. Wir können die auf eine sehr kleine negativ geladene Kugel wirkenden Kräfte in einer Skizze darstellen, wenn die Kugel im homogenen Feld eines Plattenkondensators mit der Ladung q und mit der Masse m an einem Faden hängt, an dem Plattenkondensator die Gleichspannung U anliegt und sich der Auslenkwinkel α einstellt. Zumindest dann, wenn vereinfachend angenommen wird, dass die Kugel die Platten niemals berührt, keine Selbstentladung stattfindet und der Faden masselos ist.

Aber die Tür im Pax-Regal hängt trotzdem schief, weil wir die Aufbau-Skizze nicht verstanden haben.


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Video: Schockmoment an Schule in Baltimore - Weil sie im Unterricht mit dem Handy spielte: Lehrerin verprügelt Schülerin