WIRTSCHAFT
03/03/2015 16:25 CET | Aktualisiert 04/03/2015 00:08 CET

Wurst-Pfusch im Supermarkt: ZDF-Doku enthüllt Missstände bei Rewe

Die Deutschen lieben Fleisch. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung landete in den Haushalten von Januar bis September 2014 etwa eine Million Tonnen Wurst und 1,1 Millionen Tonnen Fleisch auf den Tellern. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch hierzulande liegt bei 23 Kilogramm.

Sternekoch Müller testet deutsche Wurst

Besonders beliebt bei den Deutschen: Wurst von der Theke im Supermarkt oder im Discounter. 40 Prozent der verkauften Wurst stammt von Aldi, Lidl und Co. Doch ist es auch gesund, was die Mehrheit der Bevölkerung da täglich zu sich nimmt? Das hat jetzt Sternekoch Nelson Müller getestet.

Im Rahmen der Dokumentation „Wie gut ist unsere Wurst?” für ZDFzeit hat Müller verschiedene Wurst-Waren bei Discountern und Supermärkten gekauft, verkostet und wissenschaftlich untersuchen lassen.

Das Ergebnis: Die Rostbratwurst bei Rewe überschreitet nach Einschätzung der Tester zulässige Grenzwerte. Sie soll, so der Vorwurf, zu viel Wasser enthalten. Was steckt dahinter?

Wasser-Pfusch ist in der Wurstbranche üblich

In der Branche ist es üblich, dass Wurst in Eis gelegt wird, um sie zu denen. Dadurch geht reine Wurstmasse verloren, der Wasseranteil steigt. Man sagt auch: Wasser ist die bekannteste Form, Fleischwaren zu manipulieren.

Dem Verbraucher soll ein sattes Stück Fleisch oder Wurst suggeriert werden. In Wirklichkeit enthält das dann weniger Muskelfleisch als Wasser.

Gesetzlich ist klar geregelt, wie viel Fremdwasseranteil Wurst enthalten darf. Die Grenzwerte sind mit folgenden Quotienten festgelegt:

• Grobe Bratwurst (ohne Feinbrätanteil): 4,0

• Bratwurst mit gröberen Einlagen und Feinbrät: 4,5

• Bratwurst fein zerkleinert: 5,0

• Brühwürstchen (außer Dosenware und Bayerische und Münchner Weißwurst): 5,5

• Brühwürstchen (als Dosenware oder in Lake aufbewahrte Ware): 6,5

Tester beanstanden Rostbratwurst von Rewe

Bei Laboruntersuchungen von Wurstwaren mehrerer Anbieter stellten die ZDF-Tester fest: „Die grobe Rostbratwurst von Rewe überschreitet den vorgegebenen Grenzwert mit einem Wasserquotienten von 4,4”. Zulässig wäre nach diesem Maßstab lediglich ein Grenzwert von 4,0.

Das ZDF konfrontierte Rewe mit dem Sachverhalt. Das Unternehmen teilte mit, dass die Beurteilung „falsch” sei. Der Grenzwert von 4,0 sei für die Rewe-Rostbratwurst „nicht anwendbar. Dieser Wert gilt für grobe Bratwürste (...) – ohne Feinbrätanteil“.

Das sehen die ZDF-Tester um Nelson Müller anders. Ihr Urteil:

„Die REWE-Wurst geht eindeutig als grobe Bratwurst (von einem „Feinbrätanteil“ ist auf der Packung nichts zu lesen) in den Verkauf und fällt damit in die Kategorie mit dem niedrigsten Grenzwert.”

Verbraucherschützer Volker Charné von der Arbeitsgruppe Fleischwaren in Halle (Saale) unterstellt dem Unternehmen mindestens Fahrlässigkeit. Bei anderen Wurst-Anbietern lagen die Wasser-Grenzwerte gerade noch im legalen Bereich. Allerdings: Auch hier sehen Experten Anlass zur Kritik.

Dr. Detlef Horn vom Veterinäramt Krefeld beklagt eine Irreführung von Verbrauchern, wenn Wurst als Geflügelsalami angeboten wird, aber einen beträchtlichen Anteil Schweinespeck enthält, der nicht ausgewiesen wird. Wenn Kalbsleberwurst bis zu viermal mehr Schweinefleisch enthält als Kalbsfleisch, ohne dass das kenntlich gemacht wird. „Die derzeitigen Kennzeichnungsregeln erfüllen die Ansprüche der Verbraucher nicht”, sagte Horn dem ZDF.


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