POLITIK
04/03/2015 03:00 CET | Aktualisiert 04/03/2015 05:27 CET

Sexualstraftaten unter Kindern: "Mädchen werden von ihrem Freund gezwungen, mit seinen Freunden zu schlafen"

Immer öfter kommt es an Schulen in der Schweiz zu Sexualstraftaten unter Kindern
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Immer öfter kommt es an Schulen in der Schweiz zu Sexualstraftaten unter Kindern

An französischen Schulen kommt es immer öfter zu Sexualstraftaten unter Kindern, bei denen Geld für Sex ausgetauscht wird. Und damit steht das Land nicht alleine. Auch in der Schweiz zahlen Kinder immer häufiger für sexuelle Gefälligkeiten.

Wie die Seite "20 Minuten" berichtet, hat die Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass es auch dort vereinzelt Anzeigen wegen Prostitution von Kindern und Jugendlichen eingegangen seien.

"Die Mädchen werden psychisch massiv unter Druck gesetzt und so zur Prostitution gezwungen. Sie haben das Gefühl, nicht cool zu sein, wenn sie nicht mitmachten. Oder sie betrachten es als eine Art Liebesbeweis ihrem Freund gegenüber und haben Angst, sonst verlassen zu werden. Machen sie erst einmal mit, werden sie erpresst, häufig mit Fotos und Videos", sagt die Psychotherapeutin Regula Schwager.

Sie arbeitet bei Castagna, einer Beratungsstelle für sexuell ausgebeutete Kinder und weibliche Jugendliche in der Schweiz. 2014 meldeten sich 1044 Betroffene, 120 jugendliche Täter wurden gemeldet.

"Bei sexueller Gewalt geht es um Macht"

"Blas mir einen, sonst bekommst du dein Handy nicht zurück" - mit Drohungen wie dieser würden zwölf bis 16-Jährige ihre gleichaltrigen Schulkameraden zum Oralsex zwingen. "Bei sexueller Gewalt geht es hauptsächlich um Macht. Indem man andere demütigt, holt man sich den Kick, fühlt sich stark, gewinnt an Ansehen." Die Täter stammten aus allen sozialen Schichten.

Die Mädchen hätten oft gar kein Gefühl für Recht und Unrecht. "Da spielt ein großer sozialer Druck mit." Deshalb fordert Schwager, man müsse "alle Augen offen halten" und wenn nötig "intervenieren."

Ein Tabu-Thema an deutschen Schulen

Auch an deutschen Schulen kommt es zu sexualisierter Gewalt, Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen unter Kindern und Jugendlichen. Zahlen sind nicht bekannt, da Grenzverletzungen und einzelne Formen sexueller Übergriffe strafrechtlich nicht relevant sind und auch häufig nicht angezeigt werden.

Cordula Lasner-Tietze, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin des deutschen Kinderschutzbundes warnt: "Wir beobachten eine große Verunsicherung auch bei Lehrern und Lehrerinnen, auf dies angemessen zu reagieren und notwendige Schritte einzuleiten."

Dazu brauche es eine Offenheit der Schulen, dieses Thema von sich aus anzusprechen, sich Hilfe zu holen und entsprechende sexualpädagogische Konzepte zu entwickeln. Diese Konzepte sollten den respektvollen Umgang der Kinder und Jugendlichen untereinander beschreiben und dabei Grenzen respektieren.

"Erwachsene dürfen dabei weder kindliche Sexualität tabuisieren noch ausschließlich aus der Erwachsenenperspektive beschreiben", sagt Lasner-Tietze. Die Tabuisierung aufzubrechen liegt allerdings bei jeder einzelnen Schule selbst.


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