POLITIK
03/03/2015 05:27 CET | Aktualisiert 03/03/2015 13:56 CET

Russische Zeitung liefert eindeutigen Beweis dafür, dass Putin Krieg in der Ukraine führt

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Lange Zeit wurde darüber gerätselt: Wie kamen die "pro-russischen Separatisten" so schnell an moderne Waffen? Und warum wussten sie in kürzester Zeit, wie man das hochmoderne Kriegsgerät bedient? Weshalb bewegen sich Männer, die angeblich noch bis vor kurzem Bergleute und Fabrikarbeiter waren, mit der Körperhaltung von Berufssoldaten durch das Gelände?

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Die Antwort lautet: Während viele Menschen im Westen sich über angebliche "Kriegstreiberei" ihrer Regierungen Sorgen machen, kämpfen schon längst reguläre russische Truppen in der Ukraine und führen Krieg gegen einen souveränen Staat. Bisher gab es keinen eindeutigen Beweis dafür. Doch den hat nun die regimekritische russische Zeitung "Nowaja Gaseta" geliefert.

Einer Reporterin ist es gelungen, in einem Donezker Lazarett mit einem russischen Soldaten über seinen Einsatz im Donbass zu sprechen. Es ist das erste Interview dieser Art - bisher waren nur Statements von russischen Soldaten bekannt, die sich entweder während ihres Kampfeinsatzes auf "Urlaub" befanden oder sich auf ukrainisches Staatsterritorium "verlaufen" hatten.

Einsatz war freiwillig

Bei dem Soldaten handelt es sich um einen jungen Mann namens Dschorschi Batomunkujew, der an der Grenze zur Mongolei geboren ist. Er diente als Panzerartillerist (militärische Dienstnummer: 2609999) und hatte nach einem Volltreffer auf sein Fahrzeug Mitte Februar schwerste Verbrennungen erlitten.

Spannend ist der Text auch deshalb, weil Batomunkujew detailliert schildert, wie die russische Armee ihre Soldaten in die Ukraine schickt. Der 20-Jährige sagt, dass er zu seinem Einsatz nicht gezwungen worden sei. Wer nicht wollte, habe den Einsatz verweigern dürfen. Man habe ihm und seinen Kameraden gesagt, dass es um eine "Übung" gehe, aber jeder hätte gewusst, was das eigentliche Ziel sei. "Ich war moralisch und mental bereit, in die Ukraine zu gehen", so Batomunkujew.

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Zur Vorbereitung habe er mit seinen Kameraden die Bataillonsnummer und sämtliche sonstigen Kennzeichen auf seinem Panzer übermalt. Auf dem Truppenübungsplatz, wo sich seine Einheit bereit hielt, sei dann der Befehl ergangen, die Abzeichen von seiner Uniform zu entfernen. "Aus konspirativen Gründen", sagt er.

Papiere und Handys mussten abgegeben werden

Kurz bevor er die Grenze zur Ukraine überquerte, habe er außerdem seinen Pass, alle weiteren Papiere und sein Handy abgeben müssen. Dass er in der Stadt Donezk kämpfte, sei ihm von Anfang an bewusst gewesen. "Ich habe es gelesen, auf dem Ortsschild."

Batomunkujew weiß, dass er Menschen getötet hat. Er sei nicht stolz darauf, sagt er. "Es ist erschreckend. Unterbewusst weißt du, dass da draußen ein Mann wie du ist, der in einem Panzer oder in einem Fahrzeug sitzt wie deinem. Männer wie du, aus Fleisch und Blut. Aber auf der anderen Seite verstehst du auch, dass es sich um den Feind handelt."

Der Panzersoldat - auch das geht aus dem Interview hervor - ist davon überzeugt, dass ukrainische Truppen für den Tod von "Unschuldigen, Zivilisten und Kindern" verantwortlich seien, und dass er sich selbst auf einer "Friedensmission" glaubt.

Die Nowaja Gaseta erscheint dreimal in der Woche mit einer Auflage von 600.000 Exemplaren. Sie gilt als das profilierteste Investigativmedium Russlands. Erst kürzlich hatte die Zeitung ein Kreml-Papier veröffentlicht, in dem laut eigenen Recherchen der Ukraine-Konflikt detailliert geplant wurde. Bei dem Medium arbeitete auch die 2006 erschossene Journalistin Anna Politkowskaja.


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