POLITIK
02/03/2015 08:22 CET | Aktualisiert 02/03/2015 10:23 CET

"Der III. Weg": Diese unbekannte Neonazi-Partei will Deutschland erobern

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"Der III. Weg": Diese unbekannte Neonazi-Partei will Deutschland erobern

Es war ein Vorfall, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Ende Februar marschierten mehrere Neonazis nach einer Info-Veranstaltung der Stadt Plauen durch ein Asylbewerberheim, machten Fotos von Flüchtlingen. Keiner der anwesenden Politiker schritt ein, vermutlich, weil sie von den Männern zuvor eingeschüchtert worden waren.

Auf verschwommenen Bildern war damals zu sehen, dass die Störer schwarze Jacken mit der Aufschrift "National, Revolutionär, Sozialistisch" und dem Aufdruck "Der III. Weg" trugen.

Vermutlich waren die Männer Sympathisanten der gleichnamigen Neonazi-Partei, die derzeit in mehreren Bundesländern der schwächelnden NPD Konkurrenz macht und einen deutlich radikaleren Kurs als die "Nationaldemokraten" einschlägt.

Nachfolgeorganisation des „Freien Netzes Süd“

Die Partei "Der III. Weg", die ihre Mitglieder hauptsächlich aus der militanten Neonazi-Szene rekrutiert, ist eine Nachfolgeorganisation des „Freien Netzes Süd“ (FNS). Die mittlerweile verbotene Neonazi-Vereinigung hatte mehrere Jahre im Netz rechte Propaganda betrieben und galt besonders in Bayern als wichtigste rechte Struktur neben der NPD.

"III. Weg"-Chef Klaus Armstroff, ein ehemaliger NPD-Funktionär aus Rheinland-Pfalz, versteht seine 2013 in Heidelberg gegründete Partei als ideologischen Nachfolger des FNS. Auf ihrer Webseite wirbt die Partei prominent mit einem "Zehn-Punkte-Programm" - vermutlich eine Anspielung auf das 1920 von Adolf Hitler verkündete "25-Punkte-Programm" der NSDAP.

"Deutschland ist größer als die BRD", heißt es darin etwa. Ziel der Partei sei die "friedliche Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen". Mit anderen Worten: "Der III. Weg" setzt sich für eine Wiederherstellung des Großdeutschen Reichs" ein, das Hitler mit der rassistischen Idee des "Volkes ohne Raum" begründete.

"Konsequente Förderung von kinderreichen Familien"

Auch die aktuelle Asyldebatte nutzt die Partei, um Mitglieder anzuwerben. "Zur Beibehaltung der nationalen Identität des deutschen Volkes" seien die Überfremdung Deutschlands und der anhaltende Asylmissbrauch "umgehend zu stoppen", heißt es im Parteiprogramm. Zudem sei die "konsequente Förderung von kinderreichen Familien zur Abwendung des drohenden Volkstodes" nötig.

Im Netz kursierten vergangene Woche Bilder von Flugblättern, die die Partei im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim verteilt hatte. Darauf zu sehen: Fotos von vermeintlichen Asylbewerbern, darüber die Forderung: "Asylmissbrauch in Deutschland endlich stoppen!".

Experten und Politiker sind alarmiert. Vor einigen Monaten hatte sogar Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen die Partei zum ersten Mal erwähnt. Zunehmend fänden gewaltbereite Rechtsextreme Schutz unter dem Dach von Kleinstparteien wie "Der III. Weg", sagte Maaßen bei der Vorstellung des jüngsten Verfassungsschutzberichts.

"Mit der Rassenideologie des Dritten Reichs zu verknüpfen"

In Bayern, wo "Der III. Weg" bereits mehrere "Stützpunkte" gegründet hat, blicken die Behörden ebenfalls mit Sorge auf die noch junge Partei. "Die Partei ist ganz klar mit der Rassenideologie des Dritten Reichs zu verknüpfen", sagte Burkhard Körner, Präsident des Bayerischen Amtes für Verfassungsschutz, schon vor wenigen Monaten dem Bayerischen Rundfunk. Viele der Parteimitglieder seien "gewaltorientiert und gewaltbereit", erklärte er. (Hier geht es zu einem Bericht des BR über die Partei)

Nach Informationen von "Zeit Online" expandiert die rechtsextreme Partei derzeit. Besonders in Ostdeutschland soll sie vermehrt mit Flugblatt-Aktionen und organisierten Aufmärschen um Anhänger werben. „Die einzelnen Aktivitäten der Partei in Thüringen werden aufmerksam verfolgt“, zitiert das Blatt eine Sprecherin des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz.

"Schulterschluss mit der rechten Szene"

Immer häufiger war zuletzt in Regionalblättern von Aktionen des "III. Wegs" zu lesen. In Brandenburg soll die Partei "einen Schulterschluss mit der rechten Szene" suchen, in Ludwigshafen hatte "Der III. Weg" zuletzt zu Kundgebungen gegen Asylmissbrauch aufgerufen und im thüringischen Saalfeld wollen parteinahe Rechte am 1. Mai demonstrieren - gegen eine vermeintliche Überfremdung Deutschlands.

Dazu passt die rechte Hetze, die "Der III. Weg" auf seiner Webseite und in den sozialen Netzwerken verbreitet. Am Wochenende erst veröffentlichten die Parteiverantwortlichen bei Facebook einen Link, der zu einer virtuellen Deutschlandkarte führt.

Darauf zu sehen: lauter roter Stecknadeln, verteilt über das gesamte Bundesgebiet. Sie sollen zeigen, wo überall ein Asylbewerberheim steht oder noch gebaut wird. "Nur mit eurer Hilfe kann es gelingen, flächendeckend möglichst viele Asylantenheime zu erfassen", heißt es auf der Facebook-Seite der Partei.

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