POLITIK
01/03/2015 14:16 CET | Aktualisiert 02/03/2015 00:43 CET

Putin instrumentalisiert sogar den Trauerzug für seinen Feind Nemzow

AP
Gipfel des Zynismus: Putin instrumentalisiert offenbar sogar den Trauerzug für Nemzow

Nein, es ist nicht bewiesen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin befohlen hat, einen seiner mutigsten und schärfsten Kritiker von hinten erschießen zu lassen.

Es spricht viel, sehr viel dafür. Die Tatsache, dass Boris Nemzow eine politische Gefahr für Putin war. Die Tatsache, dass er so nah beim Kreml ermordet wurde. Die Ankündigung, dass er Putins Verwicklungen in der Ukraine-Krise offenlegen wolle.

Aber es gibt so viele andere Akteure in diesem Konflikt, denen Nemzows Ermordung zupass kommt, dass man sehr vorsichtig sein muss mit den vermeintlichen Gewissheiten.

Aber egal, wie es gelaufen ist: Putin trägt Schuld.

Er hat in den vielen Jahren als Präsident ein Land geformt, in dem es nur eine Marschrichtung geben darf. Seine. In dem des nur eine Meinung geben darf. Seine.

Er hat die Kultur der Einschüchterung, der Angst im Land mit Bedacht gepflegt. Medien, die anders berichten, sind geschlossen worden. Andersdenkende Unternehmer verlieren in dubiosen Prozessen mit Glück nur ihr Eigentum. Oppositionspolitiker landen unter Vorwänden im Gefängnis. „Wladimir Putin hat, ob aus Überzeugung oder nur aus machtpolitischem Kalkül, eine Atmosphäre der Hysterie und des Hasses in Russland entfacht, die den dunkelsten Kräften der Gesellschaft in die Hände spielt“, kommentiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. „Diese giftige Saat geht jetzt auf.“

Putin als Aufklärer? Das ist Übelkeit erregend

Wenn Putin jetzt verspricht, er werde die Ermittlungen gegen Unbekannt im Fall Nemzow persönlich überwachen, wenn er dessen Witwe sein Beileid ausspricht, wenn seine Leute eine Belohnung von umgerechnet 45.000 Euro für Hinweise auf den Täter aussetzt, so ist das im Prinzip genau das, was man in solch einem Fall von einem Staatsmann erwartet. Erwarten kann.

Aber vor dem Hintergrund der vergangen Jahre wirkt es so zynisch. So ekelhaft. So Übelkeit erregend.

Putin instrumentalisiert sogar den Trauerzug

Nun berichtet die „FAZ“, das kremlnahe Internetportal „Lifenews“ mutmaße, Nemzow könnte einem Racheakt zum Opfer gefallen sein, weil er seine Geliebte zur Abtreibung gezwungen habe.

Die Zeitung zitiert außerdem Demonstranten, die sagen, dass ihnen Russlandflaggen mit Trauerflor in die Hand gedrückt worden seien. Ein schönes Bild gebe das von Menschen, die hinter Russlands Nationalsymbol stünden, in Trauer vereint. Nur weil Putin diese Symbolik für sich nutzen könne, sei der Trauerzug mit seinen 55.000 Teilnehmern überhaupt genehmigt worden, vermuten Kritiker.

Auch solche Verleumdungstaktiken und Instrumentalisierungen waren erwartbar. Aber sie erregen nicht nur Übelkeit. Es ist schlicht zum Kotzen.

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