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01/03/2015 06:42 CET | Aktualisiert 01/03/2015 06:43 CET

Apple-Chef zu Datenschutz: Mit Schnüffelei im Netz fängt man keine Terroristen

Apple-Chef: Mit Schnüffelei im Netz fängt man keine Terroristen
dpa
Apple-Chef: Mit Schnüffelei im Netz fängt man keine Terroristen

"Keiner von uns sollte akzeptieren, dass die Regierung oder ein Unternehmen Zugang zu allen unseren privaten Informationen hätten." Das sagte Apple-Chef Tim Cook dem britischen "Daily Telegraph". Privatsphäre sei ein grundlegendes Menschenrecht. "Wir sollten es nicht aufgeben", etwa wegen Angstmacherei im Anti-Terror-Kampf, sagte der 54-Jährige.

Apple-Chef: Terroristen können verschlüsseln - also sollten es andere auch tun

Apple war in den USA für die Datenverschlüsselung in Diensten wie der SMS-Alternative iMessage kritisiert worden: Der iPhone-Konzern erklärt, dass er keine Inhalte an Behörde weitergeben könne, da auch er selbst nicht an sie herankomme.

Eingriffe in die Privatsphäre von Internetnutzern seien nutzlos im Kampf gegen den Terror, argumentierte Cook. Längst beherrschten Terroristen selbst Methoden zur Verschlüsselung. "Wenn wir nicht verschlüsseln, treffen wir damit die guten Leute. Es sind die 99,999 Prozent der Menschen, die gut sind." Wenn Firmen wie Apple Informationen nicht schützen dürften, seien auch private Gesundheits- und Finanzdaten gefährdet.

Tim Cook: "Wir lesen Ihre E-Mails nicht"

Die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden über die ausufernde Internet-Überwachung durch den Geheimdienst NSA hatten das Verhältnis zwischen dem Silicon Valley und der US-Regierung nachhaltig gestört. Auch andere Firmen wie Google bauten die Verschlüsselung stark aus. Cook versucht auf dieser Welle, sich mit Apple von der Online-Konkurrenz zu distanzieren, bei der die Verarbeitung von Nutzerinformationen zum Geschäftsmodell gehört, weil sie sich mit Online-Werbung finanzieren. Apple macht sein Geld vor allem mit dem Geräteverkauf.

Auch in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" wiederholte Cook seine Botschaft: "Wir lesen Ihre E-Mails nicht, wir lesen Ihre Textnachrichten nicht - und wir finden es inakzeptabel, wenn jemand das tut." Er fühle sich den Deutschen sehr nah, weil sie seine Ansichten zum Schutz der Privatsphäre teilten.

Die Interviews brachten auch einige interessante Informationen hervor: So soll die kommende Computer-Uhr von Apple auch Autoschlüssel ersetzen können. Und Cook steht nach eigenen Angaben jeden Morgen um 3.45 auf und beantwortet erst E-Mails, die sich über Nacht angesammelt hätten. Gegen 5 Uhr gehe er danach für eine Stunde ins Fitness-Studio.

sk/dpa

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