POLITIK
23/02/2015 07:12 CET | Aktualisiert 23/02/2015 07:37 CET

Lutz Bachmanns Rückkehr zeigt, dass Pegida ein großes Problem hat

Lutz Bachmanns Rückkehr zeigt, wie schwach Pegida ist
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Lutz Bachmanns Rückkehr zeigt, wie schwach Pegida ist

Lutz Bachmann ist wieder Pegida-Chef. Auf den ersten Blick ist das ein Erfolg für den Mann, der die Bewegung gegründet hat, zum Chef aufstieg und de facto geschasst wurde. Auf den zweiten Blick offenbart Bachmanns Rückkehr die Schwäche Pegidas.

Gründer. Gewählt. Geschasst. Gewählt.

Bachmann hatte die ersten Demonstrationen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Dresden angemeldet. Als Pegida den Antrag stellte, als gemeinnütziger Verein anerkannt zu werden, stand Bachmann laut „Berliner Zeitung“ als Vorstand im Formular.

Dann kamen die Berichte über Bachmanns Hitler-Foto und ausländerfeindliche Äußerungen. Bachmann trat zurück.

Man darf davon ausgehen, dass das weniger aus Reue denn aus taktischen Überlegungen oder Druck geschah. Denn die „Bild“ berichtete unter Berufung auf den damaligen zweiten Vorsitzenden, Bachmann habe die Macht trotzdem behalten wollen.

Kurze Zeit später verließ der zweite Pegida-Kopf, Kathrin Oertel, die Bewegung – zusammen mit fünf anderen aus dem Vorstand. Unter anderem war ihnen Pegida offenbar zu rechts geworden.

Und nun, am Sonntagabend schrieb Pegida auf Facebook plötzlich, dass Bachmann wieder im Vorstand sitze.

Keine Alternative zu einem mehrfach Vorbestraften

Bachmann darf sich also bestätigt fühlen in seinem Tun. Für Pegida aber ist das alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Denn sie zeigt, wie stark die Organisation von Bachmann abhängig ist.

Am 21. Januar war Bachmann zurückgetreten. Am 2. Februar hatte Oertel die Gründung eines eigenen Vereins angekündigt. Und seither ist es der Bewegung offenbar nicht gelungen, jemand anderen so aufzubauen, dass er Bachmann ersetzen könnte oder wollte.

Bachmann könnte in Haft kommen - wieder einmal

Auf Bachmann zu setzen, ist riskant. Bachmann ist vorbestraft, Medienberichten zufolge wegen schweren Diebstahls, Einbruchs, Alkohol am Steuer, Drogenbesitzes, Anstiftung zur Falschaussage. Im März erwartet ihn eine Berufungsverhandlung wegen eines Unterhaltsstreits – nach Recherchen der „Bild“-Zeitung könnte er im Fall einer Verurteilung ins Gefängnis müssen, wieder einmal.

Sollte Bachmann tatsächlich in Haft kommen, wäre das schon aus praktischen Gründen ungünstig für Pegida. Vom Image-Problem ganz zu schweigen.

Pegida unter Bachmann könnte den Massen zu extrem werden

Und selbst wenn Bachmann freigesprochen wird, ist es für Pegida taktisch unklug, ihn an der Spitze zu haben. Erstens wegen seiner Vergangenheit. Zweitens, weil er für eine extrem rechte Pegida steht. Erst an diesem Montag bezeichnete zum Beispiel Pegida auf Facebook demokratisch gewählte Politiker alle pauschal als "Abschaum".

Denn wenn Pegida weiter solche Menschenmassen wie zu ihrer Anfangszeit mobilisieren will, braucht sie mehr als nur den extremen rechten Rand - der in vielen Fällen bewiesen hat, dass er nicht zimperlich ist in der Wahl seiner Vorbilder. Pegida braucht die von der Politik enttäuschten Bürger. Und da dürfte Bachmann für viele kein Vorbild sein.

Neue Vorwürfe gegen Bachmann innerhalb von Pegida

Zudem ist nicht auszuschließen, dass auch im Verein noch mehr Unruhe entsteht. Die „Morgenpost Sachsen“ hatte am Freitag berichtet, dass

Pegida mehrere Tausend Euro an eine Firma namens „DD-Werbung.EU“ hatte überweisen wollen – die offiziell auf Bachmanns Frau laufe. Das Geld sei laut Bachmann für Technik für eine Großveranstaltung Pegidas am 23. März gedacht gewesen. Oertel, damals Kassenwart, sagte der Zeitung allerdings, dass sie von dieser Veranstaltung nichts gewusst habe – ebenso wenig wie das Ordnungsamt.

Bachmann soll die Vorwürfe dementiert haben. Auch von seiner kriminellen Vergangenheit will er sich endgültig verabschiedet haben. Fraglich ist allerdings, wie glaubwürdig er ist. So hatte er zu seinem Rücktritt noch erklärt, dass ihm seine „unüberlegten Äußerungen“ leid täten und er die Konsequenzen ziehe. Was er darunter versteht, hat er gezeigt.

Wie ironisch, dass Pegida am Montag ausgerechnet diesen Post absetzte:

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Video: Erst Hitler, dann Luther: Der Wahn des Pegida-Gründers Bachmann