POLITIK
17/02/2015 10:45 CET | Aktualisiert 19/01/2016 07:38 CET

"Report Mainz": Bundeswehr zieht mit Besenstielen ins Gefecht

Schlecht ausgerüstet: Bundeswehr zieht mit Besenstiefeln ins Gefecht
Getty/Thinkstock/HuffPost
Schlecht ausgerüstet: Bundeswehr zieht mit Besenstiefeln ins Gefecht

Dass die Bundeswehr zum Teil katastrophal schlecht ausgerüstet ist, ist spätestens seit dem jüngsten Jahresbericht des scheidenden Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus kein Geheimnis mehr.

Der Inhalt des Berichts war mehr als alarmierend - und eine Blamage für Verteidigungsministerium Ursula von der Leyen (CDU). Nur 42 von 109 "Eurofighter"-Kampfjets seien einsatzbereit, hieß es im Bericht des FDP-Politikers. Zudem seien lediglich 70 von 180 Transportpanzern "Boxer" und 24 von 43 "Transall"-Transportflugzeugen funktionstüchtig.

Kann die Bundeswehr ihre Aufgaben noch erfüllen?

Die Missstände bei der Bundeswehr sind alarmierend. Und seit kurzem muss sich von der Leyen die unangenehme, aber durchaus berechtigte Frage gefallen lassen: Kann die Bundeswehr ihre Aufgaben eigentlich noch erfüllen?

Jetzt sind neue Details ans Licht gekommen, die die Ministerin weiter unter Druck setzen dürften. Nach Informationen der ARD-Magazine "Kontraste" und "Report Mainz" hat der deutsche Gefechtsverband auch in der Nato-Eingreiftruppe, Nato Response Force (NRF), schwerwiegende Ausrüstungsmängel.

Soldaten beklagen "Nichtvorhandensein von Ausrüstungsgegenständen"

Aus dem internen Bericht eines Inspizienten der Bundeswehr, aus dem die ARD-Magazine zitieren, geht hervor, dass sich Soldaten des Gefechtsverbandes über das "Nichtvorhandensein von Ausrüstungsgegenständen (Fahrzeuge, Waffen, etc.)" beklagen. Für das Gefechtsfahrzeug GTK Boxer sei die vorgesehene Bewaffnung sogar zu 100 Prozent nicht vorhanden, heißt es in dem geheimen Papier.

Besonders ein skurriles Detail aus dem Papier dürfte für Diskussionen sorgen. Während einer Nato-Übung in Norwegen sei "das Rohr an der Waffenanlage des GTK BOXER mit einem schwarz angestrichenem Besenstiel simuliert" worden, heißt es in dem Papier, das offenbar absichtlich zurückgehalten worden war. Ein Besenstiel als Panzerrohr - das passt zum Bild, das die Bundeswehr derzeit abgibt.

gtk boxer

(Bei einem Pressetermin der Panzergrenadierbrigade 41 "Vorpommern" am 27.05.2014 in Neubrandenburg wurde das Gepanzerte Transportkraftfahrzeug (GTK) "Boxer" als neues Fahrzeug vorgestellt. Quelle: dpa)

Der Bericht sollte nicht an die Öffentlichkeit gelangen

Nach Informationen von "Report Mainz" sei das Problem noch nicht gelöst. Bis heute habe der Verband keine entsprechenden Rohre für den Transportpanzer. Die ARD-Magazine berichten zudem, es habe die Order gegeben, dass der Bericht nicht an die Presse gelangen dürfe - vor allem nicht der Besenstiel-Einsatz.

Im Interview mit den beiden ARD-Magazinen erklärte der Gründer der Nato Response Force und General a.D. Harald Kujat, so etwas habe er noch nie erlebt. Für die betroffenen Soldaten sei diese Situation an Peinlichkeit nicht zu überbieten.

Dieser Verband solle innerhalb kürzester Zeit an jedem Ort, wo eine Gefahr für Mitgliedsstaaten auftreten kann, eingesetzt werden können - "und wenn das nicht gewährleistet ist, dann ist das sowohl für die NATO aber auch für die Bundesrepublik Deutschland eine enorme Blamage".

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