POLITIK
09/02/2015 14:19 CET | Aktualisiert 10/02/2015 03:25 CET

Pegidas erste Demo nach der Spaltung: Wenig Teilnehmer, viel Sorge wegen Bachmanns Rückkehr

Lutz Bachmann
dpa
Lutz Bachmann

Man braucht an diesem Abend keine Luftbild-Aufnahmen einer Drohne, um zu bemerken: Die islamkritische Pegida-Bewegung schrumpft in Dresden. Und zwar deutlich. Das ist die gute Nachricht.

Die schlechte: Sie rückt weiter nach rechts. Denn ihr Gründer Lutz Bachmann ist zurück.

Nur 2000 Pegida-Demonstranten statt 17.000

Nach der Spaltung der Pegida-Führungsspitze kamen nach Angaben der Polizei nur noch etwa 2000 Menschen vor der Frauenkirche zusammen. Das Bündnis hatte 5000 Teilnehmer angemeldet. Beobachter schätzen die Zahl der Demonstranten allerdings höher ein als die Polizei. Doch vor zwei Wochen hatten die selbsternannten Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes noch mehr als 17.000 Menschen in Dresden mobilisieren können.

Diese Zeiten sind vorbei. Das zeigen die Bilder der ersten Kundgebung nach dem Ausscheiden von Ex-Sprecherin Kathrin Oertel und fünf weiteren Angehörigen des Pegida-Organisationsteams deutlich.

Bachmann will weitermachen

Bachmann, der vor drei Wochen wegen eines "Hitler-Selfies" und ausländerfeindlicher Äußerungen als Vereinsvorsitzender zurückgetreten war, trat erstmals wieder ins Rampenlicht - und verteidigte seine umstrittenen Bemerkungen.

Diese seien verkürzt wiedergegeben worden, sagte Bachmann. Außerdem habe er Worte gewählt, von denen er sicher sei, "das jeder, wirklich jeder von uns sie schon einmal am Stammtisch benutzt hat". Bachmann hatte Asylbewerber unter anderem als "Gelumpe" und "Dreckspack" beschimpft.

Vor seinen Anhängern wies Bachmann den Eindruck zurück, dass mit dem Ausstieg von Oertel und ihren Mitstreitern ein Rechtsruck bei Pegida einhergehe. Die frühere Hamburger AfD-Politikerin Tatjana Festerling sprach von einer "Nazi-Paranoia" in weiten Teilen von Politik und Medien. "Lügenpresse, Lügenpresse", skandierte daraufhin die Menge. Festerling hatte im vergangenen Jahr mit Sympathiebekundungen für die Kölner "Hooligans gegen Salafisten" für Schlagzeilen gesorgt.

Pegida-Demonstranten rufen "Druschba"

Nicht wenige Demonstranten hatten wohl an Bierständen "vorgeglüht", die Stimmung auf der Kundgebung war aggressiv. Ein Muskelprotz drückte einem ausländischen Fernsehteam die Kamera zur Seite und überschüttete die Reporter mit Beleidigungen. Mit Sprechchören wie "Lügenpresse" und "Ami go home" machten sich die Teilnehmer immer wieder Luft.

Bachmann machte kein Hehl daraus, was er von Medien und deren Anfragen hält. Auf die Frage, wer nach dem Ausscheiden von Oertel künftig für Medienanfragen zuständig sei, sagte er: "Niemand. Deshalb bekommen sie auch keine Antwort. Dies hier ist unsere Antwort."

Inzwischen ist ein neue Parole hinzugekommen: "Druschba, Druschba" (russisch: Freundschaft) erscholl es immer dann, wenn Redner "Hetze und Kriegstreiberei" des Westens gegen Russland anprangerten. Besonders laut jubelte die Menge, als vor "ungebremster Masseneinwanderung" gewarnt wurde. Redner Götz Kubitschek, der als Vertreter der Neuen Rechten gilt, verglich Deutschland mit einem Irrenhaus: "Die Verachtung des Eigenen muss ein Ende habe", rief er unter dem Beifall der Menge.

Pegida "light" oder doch lieber das Original? Vor dieser Frage standen die Anhänger der Bewegung, nachdem sich das Dresdner Bündnis im Streit um die Führungsrolle von Gründer Lutz Bachmanns Ende Januar gespalten hatte. Die Antwort fiel am Montag deutlich aus.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck bekamen wieder ihr Fett weg. Sie gelten Pegida als "Volksverräter".

Gegen-Demo mit dem Motto "Dresden für alle"

Zu der ersten Kundgebung der von Oertel und anderen Pegida-Abweichlern gegründeten Initiative "Direkte Demokratie für Europa", die einen deutlich moderateren Kurs fährt, waren am Sonntag lediglich 500 Menschen vor die Dresdner Frauenkirche gekommen.

Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und später wiederaufgebaute Gotteshaus, das weltweit als Symbol für Frieden und Versöhnung gilt, hatte am Montagabend als Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit für die Zeit der Pegida-Demonstration die Beleuchtung ausgeschaltet. Auf dem nahe gelegenen Postplatz demonstrierte das Bündnis "Dresden für alle" für Toleranz und Weltoffenheit.

Auch Restaurants am Neumarkt wappnen sich inzwischen mit kleinen Aufklebern: No Pegida.

Schon die Sprache der Plakate verrät, wohin es mit Pegida in Dresden noch gehen könnte. "Doch eines Tages wird Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk, dann gnade euch Gott", hieß eine unverhohlene Drohung an "die da oben" auf einem Plakat.

Legida in Leipzig darf nicht demonstrieren

Der Leipziger Pegida-Ableger Legida durfte am Montag nicht demonstrieren. Die Stadt hatte den Aufmarsch wegen eines polizeilichen Notstandes untersagt, Gegenkundgebungen aber genehmigt. Als sich am Montagabend trotzdem Legida-Anhänger in der Stadt versammelten, löste die Polizei die Zusammenkunft auf und begleitete die Demonstranten zum Hauptbahnhof. Zu einer Kundgebung unter dem Motto "Willkommen in Leipzig" kamen laut Polizei etwa 200 Menschen.

tof/sk/dpa

Video: Staraufgebot in Dresden: Grönemeyer und Liefers gegen Pegida