POLITIK
07/02/2015 05:11 CET | Aktualisiert 07/02/2015 09:13 CET

ISIS-Terror: Rückkehrer berichten von enormer Brutalität auch gegen die eigenen Leute

ISIS-Kämpfer im Irak
dpa
ISIS-Kämpfer im Irak

In Scharen reisten sie in den Irak und nach Syrien, um an der Seite von ISIS im Dschihad zu kämpfen. Unter ihnen sind Tausende Europäer, auch aus Deutschland. Nun kehren sie nach und nach zurück aus dem Heiligen Krieg.

Ihre Gründe dafür sind meist undurchsichtig. Haben sie die Angst bekommen vor der Grausamkeit der Terrorgruppe und sind zur Vernunft gekommen? Oder sind ihre Ansichten noch radikaler als zuvor und sie kommen zurück nach Deutschland, um den Dschihad hier weiter zu führen und Gleichgesinnte zu suchen?

Die Bundesregierung stuft die Rückkehrer aus dem Krieg in Syrien und dem Irak als Bedrohung für die staatliche Sicherheit ein. Mehrere Islamisten wurden nach ihrem Zurückkommen bereits verhaftet.

Enorme Brutalität von ISIS auch gegenüber den eigenen Leuten

Viele von ihnen schweigen beharrlich über das, was sie im Kampf an der Seite der Terroristen erlebt haben. Immer mehr aber berichten auch, traumatisiert von der enormen Brutalität der ISIS-Kämpfer, von den schrecklichen Zuständen in Syrien und dem Irak.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" sind mittlerweile rund 200 deutsche Dschihadisten zurückgekehrt. Nicht nur von der Grausamkeit von ISIS gegenüber ihren Feinden berichten sie, sondern auch von der Härte, mit der sie ihre eigenen Leute behandeln.

Etwa jeder fünfte habe bislang mit deutschen Sicherheitsbehörden kooperiert und in Vernehmungen und Befragungen über seine Zeit bei ISIS Auskunft gegeben, schreibt die Zeitung. Es herrsche ein Klima der Angst, des Misstrauens und der Erbarmungslosigkeit, berichten sie.

Geköpfte Leiche in Schlafraum geworfen

Ein Rückkehrer wurde nach eigener Aussage in eine Art Schlachthaus gebracht, als er sich weigerte, seinen Pass abzugeben. Die Wände und der Boden dort seien voller Blut gewesen. Maskierte Dschihadisten hätten ihn verhört und ihm gedroht, dass sie täglich Spione entdecken und diese schlachten würden. Die Terroristen hätten außerdem eine geköpfte Leiche in seinen Schlafraum geworfen.

Dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge werden vermeintliche Spitzel gefoltert, erschossen oder geköpft. In den Lagern seien deutsche Vernehmer im Einsatz, die Neuankömmlinge verhörten. Mindestens zwei der Vernehmer seien deutschen Sicherheitsbehörden bekannt. Es handele sich um Dschihadisten aus Mönchengladbach und aus Bonn.

Einer der Rückkehrer habe berichtet, dass ein Neuankömmling hingerichtet worden sei, nur weil er sein Handy versteckt habe. Offenbar hätten die ISIS-Leute Angst, die Handys könnten von amerikanischen Drohnen geortet werden. Es gebe auch Berichte von Rückkehrern, dass Dschihadisten, die ohne schriftlichen Passierschein eines Emirs versucht hätten, das Land zu verlassen, erschossen worden seien.

Brutale Mutproben für Neuankömmllinge

Einige der Heimkehrer hätten über brutale Mutproben berichtet. Dazu habe gehört, dass Neuankömmlinge Menschen ermorden mussten, um zu zeigen, dass sie den Anordnungen von ISIS folgen wollten.

Der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans Georg Maaßen, hat nach Angaben der SZ den Fall eines jungen Deutschen geschildert, der nach Syrien ausgereist sei und den schon nach den ersten Tagen die Schreie der Folteropfer so beschäftigt hätten, dass er "unbedingt weg wollte“.

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