NACHRICHTEN
02/02/2015 08:28 CET | Aktualisiert 04/02/2015 10:59 CET

Rom: Erster Transsexueller im Vatikan

Erste Privataudienz für einen Transsexuellen in Rom
Getty
Erste Privataudienz für einen Transsexuellen in Rom

Wenn der Papst sich vornimmt die Kirche zu reformieren, dann aber richtig. Am Samstag hat das Oberhaupt der Katholiken zum allerersten Mal einen Transsexuellen in einer Privataudienz empfangen.

Diego Neria Lejárraga (48) wurde von seiner katholischen Gemeinde ausgegrenzt, nachdem er sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte. Ein Priester habe ihn sogar „Tochter des Teufels“ genannt. Wie Radio Vatikan berichtete, wandte sich der transsexuelle Spanier daraufhin mit einem Brief an Papst Franziskus.

Persönlicher Anruf vom Papst

Laut der spanischen Tageszeitung „Hoy“ habe Papst Franziskus nach Erhalt des Briefes zwei Mal mit Lejárraga telefoniert und ihn und seine Verlobte in den Vatikan eingeladen.

"Nachdem ich ihn bei vielen Gelegenheiten gehört habe, fühlte ich, dass er mir zuhören wird“, zitiert die Zeitung „Hoy“ nach der außerprotokollarischen Audienz. Das Treffen habe laut Medienberichten am vergangenen Samstag in der Papstresidenz Santa Marta stattgefunden.

Positive Reaktion

Volker Beck, religionspolitischer Sprecher Bündnis90/DieGrünen sagte dazu: “Ich begrüße diesen Schritt ausdrücklich. Es wird Zeit, dass katholische Lehre und Kirche im Sinne christlicher Nächstenliebe Transsexuellen, aber auch Lesben und Schwulen mit Respekt begegnet."

Tatsächlicher Wandel in der katholischen Kirche?

Seit seinem Amtsantritt polarisiert Papst Franziskus wie kein Zweiter. Auf der einen Seite will er die Kirche reformieren, fordert starke Veränderungen in den alteingesessenen Strukturen und nimmt eine Mitgliederbefragung aller Katholiken als Ausgangspunkt, um herauszufinden, wie weit die Lehren der katholischen Kirche tatsächlich von der Lebenswirklichkeit ihrer Anhänger entfernt ist.

Auf der anderen Seite geißelt Franziskus nicht nur die Kurie, sondern auch die Abtreibung oder eben die „ideologische Kolonisation“ der Familie, eine indirekte Kritik an der Homo-Ehe.

Jetzt also das erste Treffen mit einem Transsexuellen. Das dies wirklich ein Abgesang der urkatholischen Werte bedeutet darf bezweifelt werden. Obwohl es längst überfällig wäre, dass sich diese neue Offenheit endlich auch in den praktischen Lehren Roms widerspiegelt.

Auch auf HuffingtonPost.de: Homo-Ehe in England und Wales eingeführt

Video: Explainity erklärt: Wie viel Geld die Kirche in Deutschland einnimmt - und warum