POLITIK
21/01/2015 14:53 CET | Aktualisiert 22/01/2015 06:20 CET

Legida-Demo in Leipzig endet in Gewalt - Angriffe auf Journalisten

dpa
Legida: Brandanschläge auf Bahnstrecke Dresden-Leipzig

Die Eingänge des Leipziger Hauptbahnhofs mit Sperrgittern verrammelt, die meisten Geschäfte in der Innenstadt lange vor Ladenschluss zu, schon seit dem Nachmittag kreist ein Hubschrauber über der Stadt. Der zweite Aufmarsch des islamkritischen Legida-Bündnisses hat Leipzig am Mittwoch in einen Ausnahmezustand versetzt.

Doch von den erwarteten 30.000 bis 40.000 Menschen brachte Legida nur einen Teil auf die Straße, 15.000 waren es nach Angaben der Stadt. Die Gegendemonstranten waren mit mehr als 20.000 in der Überzahl. Und sie waren laut. "Legida - läuft nicht!" und "Nazis raus" ruften sie immer wieder.

Die Polizei versuchte mit dem größten Einsatz in der Geschichte Leipzigs seit 1989, die Lager zu trennen. Rund 4000 Polizisten aus dem gesamten Bundesgebiet waren im Einsatz. 19 Gegenveranstaltungen waren zuvor angemeldet worden.

Ein Teil der Legida-Gegner hatte zu Blockaden aufgerufen. Doch so weit kommt es am Abend nicht. Legida konnte laufen - jedoch unter strengen Auflagen und nur auf einem Teil des Leipziger Innenstadtrings.

Eigentlich wollten die Islamkritiker über den ganzen Ring marschieren - den Ort der historischen Montagsdemonstrationen 1989. Doch das war aus Sicherheitsgründen unmöglich, wie auch die Gerichte bestätigen.

Am Ende des Legida-Aufzuges kam es doch noch zu Tumulten, es fliegen Böller und Flaschen. Dabei habe es "einige wenige Verletzte" gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Um was für Verletzungen es sich handelte und wer von wem attackiert wurde, war unklar.

Zudem wurden nach Angaben der Polizei auch Journalisten attackiert - aus welchem Lager war zunächst ebenfalls ungeklärt. Die Fotoausrüstung eines Pressevertreters sei zerstört worden. Die "Leipziger Volkszeitung" berichtet, dass 50 Legida-Demonstranten mehrere Journalisten angegriffen hätten. Ein Fotograf sei dabei zu Boden getreten worden, so das Blatt. Laut Berichten bei Twitter sollen andere Journalisten zudem bespuckt worden sein. Der MDR berichtete, Journalisten seien bespuckt und verprügelt worden.

Laut Berichten der "Leipziger Volkszeitung" sei es auch zu Angriffen von Legida-Anhängern auf Gegendemonstranten gekommen. Unter Berufung auf den Sanitätsdienst der Gegendemos mussten Schürfwunden, blaue Flecken und Verletzungen durch Reizgas behandelt werden. Es sollen aber auch aus den Reihen der Gegendemonstranten vereinzelt Böller geworfen worden sein.

"Es ist tatsächlich so, dass wir im Abgang Probleme bekommen haben, die Lager zu trennen", sagte der Polizeisprecher. Vor dem Hauptbahnhof habe es Zusammenstöße von Legida-Anhängern und Gegendemonstranten gegeben. Die Beamten versuchten, die Legida-Sympathisanten unter Polizeibegleitung in nördlicher Richtung aus der Innenstadt zu leiten. Gegen 22 Uhr habe sich die Lage beruhigt.

Bei den Gegendemonstranten stand wie schon beim ersten Legida-Aufmarsch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Ja, das sehe alles schon martialisch und nach einem Ausnahmezustand aus, sagte er.

Legida-Gegner: "Wir stehen für Vielfalt, für Offenheit"

"Auf der anderen Seite sehe ich, dass hier ganz friedlich Menschen sich versammeln, um deutlich zu zeigen: Wir stehen für Vielfalt, für Offenheit." Und tatsächlich war die Stimmung gerade entlang der Legida-Route zwar aufgeheizt, aber vielerorts standen auch Demonstranten mit Kerzen oder tanzten zu Jazz-Musik.

"Ich bin glücklich, dass so viele Leute hier sind", sagte Issame (32). Der aus Marokko stammende Maschinenbau-Ingenieur lebt seit acht Jahren in Deutschland, hat in Leipzig studiert. "Wir sind alle Menschen. Jeder muss sein Ding leben können. Ich bin Muslim. Im Islam sind wir gegen Terroristen und gegen Gewalt."

Dass Legida ("Leipzig gegen die Islamisierung des Abendlandes") marschiert, findet er schlimm. Aber er fühle sich eigentlich sicher hier. "Leipzig ist eine schöne Stadt. Die Leute sind freundlich."

Besuch bei Legida: "Wollte mir eine eigene Meinung bilden"

Doch es gab auch ganz andere Töne. "Ich wollte zu Legida. Wollte mir eine eigene Meinung bilden", sagte Werner Schulze (60), Haustechniker aus Grimma (Landkreis Leipzig). Schon beim ersten Legida-Marsch vor anderthalb Wochen sei er dabei gewesen. Diesmal kommt er nicht durch, weil alles schon dicht ist. Er stand hinter einer großen Gruppe meist junger Leute, die "Nazis raus!" ruften.

Natürlich gebe es ein Recht auf Asyl, sagte Schulze. Aber man brauche doch Gesetze dafür, um alles in geregelte Bahnen zu lenken. Mit den Gegendemonstranten könne man ja kaum diskutieren.

Leipziger Bürgermeister sieht nur ein Mittel gegen Pegida und Legida

Leipzigs Oberbürgermeister sagte jedoch, er sehe nur eine einzige Antwort auf die Dresdner Pegida und deren Ableger Legida: "Reden, reden, reden - mit den Menschen vor Ort. Unter einer Bedingung - dass das Recht auf Menschenwürde nicht verletzt wird. Wer sich verfassungsfeindlich äußert, mit dem kann man nicht mehr argumentieren." Für nächsten Mittwoch hat Legida schon die nächste Demonstration angemeldet.

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