POLITIK
15/01/2015 10:43 CET | Aktualisiert 16/01/2015 05:19 CET

Joschka Fischer: Wahl in Griechenland könnte Gefahr für ganz Europa sein

Joschka Fischer: Griechenland-Wahl könnte Flächenbrand in Europa auslösen
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Joschka Fischer: Griechenland-Wahl könnte Flächenbrand in Europa auslösen

Die Griechenland-Wahl wirft ihre Schatten voraus. Es könnte gut sein, dass die Griechen den Linken-Chef Alexis Tsipras zu ihrem Premierminister krönen. Der junge Charismatiker ist mit dem Versprechen angetreten, sein Volk von dem Spardiktat der Troika zu befreien und notfalls den Euro in Griechenland durch eine nationale Währung zu ersetzen.

Die Folgen sind unabsehbar. Von weitestgehend harmlos bis fatal reichen die Szenarien. Ein sehr düsteres Bild zeichnet nun Grünen-Politiker und Ex-Außenminister Joschka Fischer in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Joschka Fischer warnt vor großer Krise

"Die Wahlentscheidung in Athen könnte der Auslöser für eine große politische Krise werden, die dann auf Italien und, mit Verzögerung, auf Frankreich, überspringt", schreibt Fischer. Frankreich und Italien sind die zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften der Euro-Zone und damit die Herzkammern des europäischen Projekts.

Fischer: "Politischer Sprengstoff"

Dieser Konflikt berge "politischen Sprengstoff" für Europa, schreibt Fischer. Tsipras würde dann tatsächlich "Geschichte schreiben", wie er selbst vor wenigen Tagen in einem Gastbeitrag für die Huffington Post bereits ankündigte.

Der Grund: In Frankreich und Italien herrscht gewaltiger Unmut gegen die von der deutschen Regierung geforderten Sparpolitik.

Ein Wahlsieg von Tsipras könne laut Fischer zu Zugeständnissen bei der Sparpolitik und damit zu einem Schneeballeffekt auf dem Kontinent führen. "Dieser wird die bisherige Austeritätspolitik hinwegfegen und die Krise in der Euro-Zone wieder voll entflammen lassen", schreibt Fischer.

Hinzu kommt, dass in beinahe allen Ländern die Zustimmung für nationalistische, EU-kritische Parteien steigt. In Deutschland heißen sie AfD, in Großbritannien Ukip, in Frankreich Front National - und sie haben alle nur ein Ziel: einen Großangriff auf das Projekt Europa.

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Fischer nennt das "Renationalisierung" und macht als Hauptschuldigen die in seinen Augen gescheiterte Wirtschaftspolitik der EU-Länder aus. Viele von ihnen sind hoch verschuldet, es herrscht immer noch gewaltige Arbeitslosigkeit vor allem in den Südländern, außerdem erlebt der Euro einen dramatischen Einbruch an den Devisenmärkten: Deflation, Schulden, Jobflaute, ein wohlklingender Dreiklang für alle EU-Hasser.

"Man muss daher die Frage aufwerfen, worauf die Verantwortlichen in Berlin, Brüssel und in den anderen Hauptstädten der EU eigentlich noch warten wollen", schreibt Fischer. "Betrachtet man die Entwicklung von außen, so beschleicht einen das Gefühl, Zeuge des Zusammenstoßes zweier Züge in Zeitlupe und mit Ankündigung zu sein."

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