LIFE
13/01/2015 08:28 CET | Aktualisiert 13/01/2015 10:15 CET

Wachkoma-Patient konnte 12 Jahren lang nicht sprechen. Was er heute erzählt, ist unvorstellbar

12 Jahre lang lag ein Mann Wachkoma. Was er heute erzählt, ist unvorstellbar
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12 Jahre lang lag ein Mann Wachkoma. Was er heute erzählt, ist unvorstellbar

Stellen Sie sich vor, Sie können sich nicht bewegen. Nicht einen Zentimeter. Stellen Sie sich vor, Sie können keinen einzigen Laut von sich geben. Kein Wort, nicht einmal ein Grunzen. Stellen Sie sich vor, Sie stecken mit wachem Geist in der leblosen Hülle Ihres Körpers, unfähig, sich bemerkbar zu machen. Und Sie hören alles, was über Sie gesagt wird.

Martin Pistorius lebte diesen Alptraum über zwölf Jahre lang. Bis er es schließlich schaffte, sich ins Leben zurückzukämpfen.

Von einem gesunden Jungen zum Pflegefall

Alles begann in den späten 80er Jahren in Südafrika. Martin Pistorius war damals ein gesunder, zwölfjähriger Junge. Als er eines Tages krank wurde, waren die Ärzte zunächst unschlüssig, diagnostizierten schließlich eine Kryptokokken-Meningitis - eine Form der Hirnhautentzündung, schreibt "National Public Radio".

Erst konnte Martin nicht mehr laufen. Dann konnte er keinen Augenkontakt mehr herstellen - und schließlich nicht mehr sprechen. Die Ärzte waren verzweifelt - und gaben ihn auf. Sie rechneten damit, dass er bald sterben würde. Aber Martin starb nicht. Er lebte weiter in seiner stillen, einsamen Welt.

Im Krankenhaus war man sich sicher, dass Martin seine Umwelt nicht wahrnehmen könne. Die Ärzte sagten seinen Eltern, dass er nie mehr aus seinem Zustand erwachen werde.

12 Jahre lang wuschen sie ihn, zogen ihn an, fütterten ihn und brachten ihn in eine Einrichtung, in der er jeden Tag acht Stunden lang betreut wurde.

"Ich hoffe, du stirbst"

In all den Jahren ahnte niemand, dass Martin sehr wohl mitbekam, was um ihn herum geschah. Etwa zwei Jahre, nachdem er krank geworden war, fand er sein Bewusstsein wieder. Er lernte, die Tages- und Nachtzeiten am Sonnenstand zu erkennen. Er sah eine Wiederholung des Cartoons "Barney" nach der anderen, weil keiner der Betreuer davon ausging, dass er es überhaupt merkte.

"Ich kann kaum beschreiben, wie sehr ich Barney hasste", sagt Martin heute.

Aber das war nicht das Schlimmste. Eines Tages hörte er die Stimme seiner Mutter. "Ich hoffe, du stirbst", sagte sie.

"Es fühlte sich an, als wäre der Rest der Welt sehr weit entfernt, als sie das sagte."

Doch mit der Zeit habe er den Wunsch seiner Mutter verstehen können. "Jedes Mal, wenn sie mich ansah, konnte sie nur die grausame Parodie eines einst gesunden Kindes sehen, das sie so sehr geliebt hatte."

Es muss eine frustrierende, demütigende und beängstigende Situation gewesen sein, aus der Martin sich schließlich befreite. Er gewann die Kontrolle über seinen Körper zurück. Er kämpfte so lange, bis er wieder ein normales Leben hatte.

In seinem Buch "Gost Boy" erzählt der heute 39-Jährige seine Geschichte. Die Fähigkeit zu sprechen hat Martin zwar nicht wiedererlangt, aber er kann sehr gut über einen Computer kommunizieren, wie dieses Video zeigt:

Heute hat Martin einen Job und ist verheiratet. Er lebt mit seiner Frau Joan in Großbritannien.

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