POLITIK
09/01/2015 11:14 CET | Aktualisiert 19/01/2016 08:05 CET

Christlicher Fundamentalismus: Warum wir diese 5 Strömungen auch bekämpfen müssen

Was das Christentum und der Islam gemeinsam haben, wollen viele nicht wahrhaben
Thinkstock.com
Was das Christentum und der Islam gemeinsam haben, wollen viele nicht wahrhaben

In diesen Tagen wird viel über Extremismus in der Religion gesprochen. Es ist eine wichtige Diskussion, denn wir dürfen die Gefahren nicht ignorieren. Religion gibt den Menschen Hoffnung und Orientierung. Sie ist mächtig. Und manchmal gelangt diese Macht in die falschen Hände.

Schuld ist nicht der Glaube, Schuld sind die Menschen, die ihn instrumentalisieren. Menschen, die für ihre abscheulichen Taten eine höhere Legitimation brauchen - und sie in der Religion zu finden glauben.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch im Christentum extreme Auswüchse gegeben hat. Und es gibt sie bis heute. Christlichen Fundamentalisten benutzen die Bibel, um ihre eigene Menschenfeindlichkeit zu rechtfertigen. Auch diese Art von Extremismus dürfen wir in der heutigen Zeit nicht dulden.

Hier sind 5 extreme Strömungen im Christentum, die wir bekämpfen müssen

1. Umerziehungstherapien von Homosexuellen

"Es ist unmöglich, dass die Kirche etwas unterstützt, was Gott nicht gefällt. Es ist klar, dass Homosexualität eine Abscheulichkeit ist." Das sagte vor einiger Zeit der Pfarrer einer katholischen Kirche in Nigeria.

Und auch der Vatikan verweist weiterhin auf "die moralischen Probleme", die nach ihrer Auffassung "mit homosexuellen Partnerschaften verbunden sind". Gleichgeschlechtliche Beziehungen könnten niemals der Ehe von Frau und Mann gleichgestellt werden, so die Auffassung aus Rom.

In Deutschland gibt es Organisationen, die sogenannte Reparativtherapien für Homosexuelle anbieten: Der Bund katholischer Ärzte, das Weiße Kreuz, Leo e.V. Auch das Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft der evangelischen Kirche gehört dazu. Die Leiterin, eine Kinder- und Jugendärztin, schreibt auf der Homepage:

"In Therapien mit dem Ziel einer Abnahme homosexueller Empfindungen geht es darum, dass Klienten lernen, sich dieser Gefühle nicht zu schämen, sondern sie als Sprungbrett zu nutzen, um herauszufinden, ob dahinter noch andere, tiefere Gefühle liegen."

Die Therapeuten wollen Homosexuellen ihre angebliche psychische Verunsicherung nehmen. Dann könne das "im Körper angelegte heterosexuelle Potential" entwickelt werden. Der Weltärztebund (WMA) warnt vor solchen Therapien. Sie "stellen eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit und die Menschenrechte dar“, schreibt der WMA. Homosexualität sei eine Variante menschlicher Sexualität ohne schädliche Folgen.

2. Der absurde Umgang mit Abtreibungen

Als ein vergewaltigtes Mädchen 2013 in ein katholisches Krankenhaus in Köln kam, wurde ihr die "Pille danach" und eine Behandlung verweigert. Die Begründung: Eine faktische Abtreibung mit der "Pille danach" sei unvereinbar mit den katholischen Grundsätzen. Laut der Kirche war es nur ein "bedauerlicher Zwischenfall" - in Wahrheit steckt dahinter der absurde Umgang der Kirche mit Abtreibungen.

In den USA versuchen kirchennahe Organisationen schon seit längerem, verzweifelten schwangeren Frauen in Fake-Kliniken eine Abtreibung auszureden. Immer mehr solcher falscher Kliniken öffnen in den USA. Sie locken Schwangere mit kostenlosen Untersuchungen und verschweigen ihnen, dass sie gar keine Abtreibungen anbieten.

Eine Journalistin schleuste sich in eine solche Klinik ein:

Auch in Deutschland bieten radikale Abtreibungsgegner Beratungen für Schwangere an, zum Beispiel die Kooperative Arbeit Leben Ehrfürchtig Bewahren e. V. (KALEB) . Die Frauen werden mit falschen Statistiken und Informationen manipuliert. Und unter großen psychischen Druck gesetzt.

3. Gehirnwäsche durch religiös motivierte Sekten

Die "Kirche Jesu Christi der Heiligen letzten Tage", eine radikale Konfessionsgemeinschaft in den USA lockt Tausende Mitglieder an. Die Angehörigen des Kults lebten lange auf der Ranch des Anführers Warren Jeffs in Texas, abgeschottet von der Außenwelt . Zahlreiche Kinder wurde dort missbraucht, minderjährige Mädchen geschwängert. 2008 stürmte die Polizei das Anwesen.

In Deutschland wird die christliche gefärbte Glaubensgemeinschaft "12 Stämme" immer wieder wegen ihrer umstrittenen Erziehungsmethoden kritisiert. Ein Aussteiger erzählte dem Nachrichtenmagazin "Focus": Wie alle Eltern habe er seine Kinder "viele Hunderte Male mit einer dünnen Weidenrute auf den nackten Hintern geschlagen. Bis ihnen die Tränen flossen und ihr Wille gebrochen war. Ihr Tun musste sich stets auf Gott beziehen. Schon Kleinkinder durften nicht spielen und mussten bei Veranstaltungen stundenlang still sitzen. Jeden Tag wurde dort die Rute geschwungen.“

4. Anonyme Hetze im Internet

Das Christentum ist die Religion der Nächstenliebe. Doch was auf Internet-Plattformen wie "Gloria TV" im Namen Gottes veröffentlich wird, hat mit Liebe nichts mehr zu tun. Die Mitglieder und Autoren hetzen gegen Homosexuelle und Juden. Sie sind frauenfeindlich und rechtsradikal, sie leugnen sogar den Holocaust. Im Diskussionsforum von Gloria TV stehen unter anderem solche Sätze: "Alle heimlichen Homogestörten rasten aus, wenn man ihnen die Wahrheit über die greuelhafte Todsünde der Homo-Unzucht zu vermitteln versucht."

Dass diese Einstellungen nicht die vereinzelter Extremisten ist, zeigte unter anderem der Skandal um das inzwischen abgeschaltete Hetzportals Kreuz.net. Dem Theologen und Aktivisten David Berger gelang es, die Identität einiger Autoren zu lüften.

Hinter manchen Beiträgen steckten zum Beispiel der hessische Priester Hendrick Jolie, der Religionslehrer Hubert Hecker aus dem Bistum Limburg und der Mainzer Theologe Georg May. Einer großen Öffentlichkeit bekannt wurde das Portal mit einem Artikel zum Tod des Komikers Dirk Back. Titel: "Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle."

5. Sexueller Missbrauch durch Pfarrer und Priester

Immer wieder kommt es in kirchlichen Organisationen zu sexuellen Übergriffen, meist auf Kinder. Niemand weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist, wahrscheinlich ist sie das am besten gehütete Geheimnis der Kirche. Die UN hat den Vatikan bereits beschuldigt, den Missbrauch Zehntausender Kinder durch Priester geduldet zu haben - und will, dass er seine Archive öffnet.

Seit 2010 sind in Deutschland immer mehr Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche bekannt geworden. Zahlreiche Schulen waren betroffen, darunter das Canisiuskolleg, das Jesuitenkolleg in St. Blasien im Schwarzwald und die ehemalige Jesuitenschule St. Ansgar in Hamburg.

Video: Studie zeigt Religionsverschiebung: Forscher sicher: Bis 2070 mehr Muslime als Christen

Video: Pressestimmen zu „Charlie Hebdo“

Wut, Trauer, Solidarität und ein „Akt der Barbarei“

Schnelle Nachrichten, spannende Meinungen: Kennen Sie schon die App der Huffington Post?

Sie können sie rechts kostenlos herunterladen.

Get it on Google Play